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Offener Brief an Papst Benedikt XVI zur Situation in Simbabwe

Osnabrück, 22. April 2008

An den Heiligen Vater
Papst Benedikt XVI
Vatikan

Sehr geehrter Papst Benedikt,
Eure Heiligkeit,

ich erlaube mir, Sie mit diesem Schreiben um Ihr Engagement für die Menschen in Simbabwe zu bitten.

Wie Sie wissen, gibt es aus Simbabwe zahlreiche Berichte über politische Unterdrückung, Hunger und Verzweifelung unter den Menschen. Der Regierung von Präsident Mugabe wird vorgeworfen, unter der Bevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Versorgungslage in Simbabwe ist katastrophal. Die Familien haben kaum das Nötigste zum Überleben, viele Kinder hungern. Schätzungen zufolge sind bereits rund ein Drittel der etwa 10,5 Millionen Einwohner Simbabwes in die Nachbarländer Mosambik, Malawi, Botswana, Namibia und vor allen Dingen Südafrika geflohen.

Die herrschende Partei ZANU-PF weigert sich, das Ergebnis der Wahlen vom 29. März zu veröffentlichen, aus denen Mutmaßungen zufolge die Oppositionspartei MDC als Sieger hervor gegangen ist. Insbesondere in den letzten Tagen mehren sich Anzeichen dafür, dass die Regierung in Simbabwe darauf setzt, ihre Macht durch die gewaltsame Unterdrückung jeglicher Opposition und die Verfolgung, Inhaftierung und Folterung von Regimegegnern zu sichern.

Eure Heiligkeit, Sie haben sich vor kurzem im Rahmen Ihres Besuches in den USA vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen für eine Politik des verantwortungsvollen Ausgleichs zwischen Arm und Reich und zwischen Starken und Schwachen ausgesprochen. Sie haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Armen und Geknechteten auf dieser Welt ein Recht auf Befreiung haben und es Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist, ihnen zu diesem Recht zu verhelfen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Sie sehr herzlich bitten:

  • Reisen Sie recht umgehend nach Simbabwe, treffen Sie Bischöfe und Vertreter der katholischen Kirche und sprechen Sie mit den Menschen über die politische Situation im Land!
  • Beten Sie mit der Bevölkerung für die Überwindung von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und politischer Willkür und für Reformen, Meinungsfreiheit und soziale Gerechtigkeit!
  • Treffen Sie Präsident Mugabe und ermahnen ihn als Anhänger des katholischen Glaubens eindringlich, keine Gewalt anzuwenden, die Krise im Land anzuerkennen und den freien Willen der Bürger zu respektieren.

Die Führer verschiedener Religionsgemeinschaften Simbabwes haben sich heute in einer gemeinsamen Erklärung öffentlich zur Notwendigkeit einer den Prozess der Demokratisierung unterstützenden Intervention von außen bekannt. Sie würden mit Ihrer Initiative dem Wunsch der breiten zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit Simbabwes Rechnung tragen.

Eure Heiligkeit, ich bin mir der vielen terminlichen Belastungen Ihres Amtes durchaus bewusst. Dennoch möchte ich Sie eindringlich um dieses Zeichen zugunsten der Menschen in Simbabwe bitte. Als entwicklungspolitisches Kinderhilfswerk fördern wir seit vielen Jahren Selbsthilfeprojekte zugunsten Not leidender Menschen in Simbabwe und setzen uns für Gerechtigkeit und die Chance auf demokratische Teilhabe aller Betroffenen ein. Sie würden dieser Arbeit, die Ausdruck des Willens der Menschen in Simbabwe ist, auf diesem Wege einen außerordentlich großen Dienst erweisen und einen unschätzbar wertvollen Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit im südlichen Afrika leisten.

Angesichts der Dringlichkeit unseres Anliegens erlaube ich mir, diese Anfrage öffentlich zu machen.

Mit Dank für Ihr Interesse und freundlichen Grüßen

Peter Mucke
Geschäftsführender Vorstand
terre des hommes Deutschland e.V.


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