Osnabrück, 15.04.2005 - Im Jahre 2004 wurden in Deutschland mindestens 18 Neugeborene getötet und weitere 14 lebend ausgesetzt. Gegenüber dem Vorjahr, so die Kinderhilfsorganisation terre des hommes, sei die Zahl der Tötungen zwar zurückgegangen, erreichte aber wieder das Niveau der Jahre 1999 bis 2002. Mindestens ein Drittel dieser Fälle ereigneten sich in Städten und Gemeinden, in denen es Babyklappen und Angebote zur anonymen Geburt gebe. Obwohl die Zahl dieser Einrichtungen in Deutschland Rekordniveau erreicht habe, wurden bereits im laufenden Jahr wieder drei von insgesamt fünf tot aufgefundenen Neugeborenen in Orten registriert, die über entsprechende Einrichtungen verfügten.
Die aktuellen Zahlen basieren auf Recherchen der Wissenschaftlerinnen Regula Bott und Christine Swientek, die bereits in den Vorjahren ähnliche Untersuchungen durchgeführt haben. Da in der Bundesrepublik keine amtlichen Statistiken zu diesem Problem geführt werden, stützten sich die Wissenschaftlerinnen vorwiegend auf Auswertungen von Medienberichten und Angaben einiger Landeskriminalämter. Dazu erklärte terre des hommes-Adoptionsexperte Bernd Wacker: »Da den Forscherinnen vermutlich nicht alle Fälle bekannt geworden sind, handelt es sich hier um Mindestzahlen.« Die Ergebnisse machten erneut deutlich, dass Frauen, die ihre Neugeborenen töten, von Angeboten wie Babyklappe und anonymer Geburt nicht erreicht würden.
Für Babyklappen und Einrichtungen zur anonymen Geburten gibt es in Deutschland bisher keine gesetzliche Grundlage. Wegen erheblicher familien- und verfassungsrechtlicher Bedenken ist im vergangenen Jahr der bereits vierte Versuch, anonyme Geburten per Gesetz zu legalisieren, gescheitert.
terre des hommes hat bereits mehrfach kritisch zum Thema Babyklappen und anonyme Geburt Stellung genommen. Durch die neuen Zahlen sieht sich die Organisation in ihrer Kritik bestätigt: »Dass Babyklappen und Angebote zur anonymen Geburt das Leben ansonsten vom Tode bedrohter Neugeborener retten«, so Wacker, »bleibt eine unbewiesene Behauptung.« Statt diese Einrichtungen zu dulden, sollte der Gesetzgeber die bestehenden Angebote des deutschen Jugendhilfesystems ausbauen und stärker bekannt machen. »Wenn mehr Menschen über diese Möglichkeiten informiert wären«, so der Adoptionsexperte weiter, »würde sich die Debatte um den scheinbaren Bedarf an Babyklappen ebenso schnell erübrigen wie die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung anonymer Geburt.«
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