Sie befinden sich hier: Home  » Themen und Projekte  » Länder und Projekte  » Kolumbien
Druckversion dieser Seite aufrufen An das Seitenende springen

Kolumbianisches Militär lässt Jugendliche ermorden

Jugendgruppe »Wurzeln des Friedens« in Altos de Cazucá: Aktion gegen Gewalt und die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in den Krieg.
Foto: terre des hommes

Osnabrück/Bogotá 7.11.2008: Das kolumbianische Militär hat Jugendliche aus Armenvierteln der Hauptstadt Bogotá von paramilitärischen Gruppen entführen und ermorden lassen. Damit sollte die Erfolgsstatistik von angeblich im Kampf getöteter »Guerrilleros« aufgebessert werden. Dies sind keine Einzelfälle, sondern Teil einer Strategie des Militärs, kritisiert die Kinderhilfsorganisation terre des hommes. Schon seit geraumer Zeit hatten Projektpartner von terre des hommes diese Praxis Sicherheitskräfte angeprangert und öffentlich gemacht. Nun bestätigen offizielle Stellen, dass die Jugendlichen mit falschen Versprechungen im Großraum Bogotá von dort operierenden illegalen bewaffneten Gruppen zwischen Januar und August in andere Landesteile gelockt worden waren. Dort wurden sie wenige Tage später vom Militär als im Kampf getötete Mitglieder der Guerrilla-Gruppen präsentiert.

Angehörige der Jugendlichen berichten, dass es Ortsfremde waren, die die Jugendlichen in den Vierteln zu Festen einluden, um ihnen anschließend für einige Monate »sehr gut« bezahlte Arbeit auf Bauernhöfen im Tiefland anzubieten.

Prekäre Lebensverhältnisse machen die Jugendlichen verwundbar für falsche Versprechungen der bewaffneten Gruppen
Foto: terre des hommes

»Das Beispiel zeigt, wie wichtig Programme sind, die Kindern und Jugendliche für die Risiken sensibilisieren und die in diesen von Arbeitslosigkeit und dem Terror bewaffneter Gruppen geprägten Vierteln gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen alternative Lebensperspektiven entwickeln«, so Ralf Willinger, terre des hommes-Experte zu Kindern in gewaltsamen Konflikten. Dass viele Jugendliche heute solch scheinbar attraktive Angebote ablehnen, sei auch ein Ergebnis der Arbeit der Projektpartner von terre des hommes. Doch die Anstrengungen reichen nicht aus: Die Mutter eines Opfers berichtete von allein 40 Jugendlichen, die in ihrer Ausweglosigkeit mit ihrem Sohn auf drei Lastwagen gestiegen seien.

Der »Kolumbianischen Koalition gegen die Einbeziehung von Kindern in den Krieg« (COALICO) liegen allein aus Soacha, Bosa und Engativá (im Großraum Bogotá) 100 Anzeigen ähnlicher Fälle vor. Nachdem sein eigener Bruder entführt und vom Militär als getöteter Feind präsentiert worden war, beschrieb dies ein kolumbianischer Soldat in der Zeitschrift Semana als eine »alltägliche Praxis« des Militärs. Seit dem Jahr 2003 klagt COALICO Tötungen und massive Rekrutierungen von Jugendlichen durch bewaffnete Gruppen unter den Augen und mit Unterstützung des Militärs in den südöstlichen Armenvierteln von Bogotá an. Mitten in den Vierteln seien im Namen der Sicherheit Militärposten eingerichtet worden, die sich für Kinder und Jugendliche jedoch als zusätzliche Gefahr entpuppt hätten.

Die Fälle der entführten und ermordeten Jugendlichen seien eine besonders perfider Ausdruck einer Politik, die die Menschenrechte der Benachteiligten der Verbesserung des eigenen Images unterordne. Dem jüngsten Rücktritt des Heereschefs Mario Montoya und der Entlassung von 19 Offizieren und sechs Unteroffizieren müsse ein Kurswechsel der kolumbianischen Sicherheitspolitik folgen. Die Wahrung der Menschenrechte müsse endlich im Zentrum stehen. Bislang hat sich die kolumbianische Regierung geweigert, die Geltung des humanitären Völkerrechts für die eigenen militärischen Operationen anzuerkennen.

Nachdem Regierung und Militär versucht hatten, auch die jüngsten Fälle zunächst zu vertuschen und die Opfer zu diskreditieren, fordert die Koalition, dass die Zivilgerichtsbarkeit die Strafverfolgung übernimmt und die Regierung auch selbst Verantwortung übernimmt.

terre des hommes unterstützt COALICO und weitere Projektpartner in Kolumbien bei der Vorbeugung von Zwangsrekrutierung, der Friedenserziehung und der psychologischen, sozialen und juristischen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, deren Rechte im bewaffneten Konflikt massiv verletzt werden.


Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!
Druckversion dieser Seite aufrufen An das Seitenende springen


Copyright 2009 terre des hommes Deutschland e.V.
Impressum - Kontakt
 
RSS-Feeds abonnieren