
Die vielen Untersuchungen am heutigen Tage haben ihn erschöpft. Teilnahmslos verfolgt er das hektische Treiben auf dem Flur. Er ist auf fremde Hilfe angewiesen, denn Hung ist von Geburt an behindert. Seine Hände sind verkrüppelt, der Kopf deformiert. Eine riesige Wucherung an der Nase entstellt sein Gesicht.
Hung ist eines von 100 Kindern, die zurzeit in dem von terre des hommes unterstützten Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder (CREP) in der vietnamesischen Hafenstadt Ho-Chi-Minh medizinisch betreut werden. Die meisten der kleinen Patienten leiden an Polio. Hung jedoch gehört zu einer Gruppe von Kindern, die im CREP eine besonders intensive Betreuung erfahren: Es sind die Opfer von »Agent Orange«.
Entlaubungsmittel gegen ZivilistenWährend des Vietnamkrieges hatte die US-Armee dieses dioxinhaltige Entlaubungsmittel ohne Rücksicht auf Zivilisten großflächig versprüht. Dabei wurden mehr als zwei Millionen Menschen vergiftet und weitere vier Millionen schwer geschädigt. Schadensersatzklagen der Opfer gegen die Hersteller von »Agent Orange« wurden im März 2005 von einem amerikanischen Gericht abgewiesen. Noch heute, mehr als 30 Jahre nach Ende des Krieges, kommen Neugeborene mit doppelten Organen, fehlenden Gliedmaßen oder Hirnschäden zur Welt.
Der Distrikt Binh Dai, aus dem Hung stammt, gehört zu den ärmsten Regionen Vietnams. Während des Krieges wurde »Agent Orange« hier massiv eingesetzt. Seither kommen in der Region besonders viele Neugeborene mit Erbschädigungen zur Welt. Den meisten Familien fehlt das Geld, um die kostspieligen Behandlungen ihrer Kinder zu bezahlen.
Kostenlose BehandlungMit Unterstützung von terre des hommes wurde vor einigen Jahren ein Programm zur physiotherapeutischen Versorgung der Kinder aufgebaut. Besonders schwere Fälle werden zur weiteren Behandlung in das CREP-Zentrum in Ho-Chi-Minh-Stadt überwiesen.
Das Reha-Zentrum CREP ist die einzige Einrichtung in Südvietnam, in der körperbehinderte Kinder kostenlos behandelt werden. Im vergangenen Jahr, so berichtet Direktor Dr. Tran stolz, konnten fast 2.000 Kinder medizinisch versorgt und mehr als 450 operiert werden. In der angeschlossenen Orthopädiewerkstatt erhielten viele Patienten kostenlose Gehhilfen, Prothesen oder orthopädische Schuhe.
In wenigen Jahren, so Dr. Tran, wird die Zahl der Polioerkrankungen in Vietnam auf Grund intensiver Impfprogramme deutlich zurückgehen. Die Arbeit des CREP wird dennoch weiter gefordert sein, denn auch in Zukunft wird es in Vietnam Kinder wie Hung geben, die unter den Spätfolgen des Krieges zu leiden haben.
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