Draußen auf den Bänken warten mehr als zwei Dutzend Mütter mit ihren Babys auf dem Arm. Keiner der Winzlinge schreit; man könnte meinen, ihnen fehlt die Kraft dazu. Vor dem Sprechzimmer des Rehabilitations-Zentrums CROM in Ho-Chi-Minh-Stadt steht ein Tisch mit einer Kinderwaage. Als nächste ist die kleine Nguyen Thi Dung an der Reihe. Die Krankenschwester legt das 13 Monate alte Mädchen in die Schale und notiert das Gewicht: 5,2 Kilogramm. Normalerweise müsste die Kleine fast doppelt so viel wiegen. Sie ist ein Fall für das CROM - und wird auch aufgenommen.
Seit nunmehr 33 Jahren kämpft das »Rehabilitationszentrum für unterernährte Kinder und Hilfe für behinderte Kinder« gegen die Auswirkungen des Krieges. In den Sprechstunden des Reha-Zentrums werden pro Jahr etwa 4.500 Kinder untersucht und die ernährungsbedingt kranken Kinder wieder gesund gepflegt. Sie können je nach Krankheitsgrad bis zu fünf Jahre bleiben und werden auch nachdem sie in ihre Familien zurückgekehrt sind, von den Sozialarbeiterinnen weiter betreut und beraten.
Auch in der Region Ben Tre wurde während des Vietnamkrieges 1967 bis 1972 »Agent Orange« benutzt. Noch heute leben 5.000 Opfer des Giftes in der Provinz. Unter ihnen auch viele Kinder und Neugeborene. Sie sind körperlich oder geistig behindert zur Welt gekommen. Unsere Partnerorganisation in der Region hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität der Kinder zu verbessern. Viele Kinder erhalten Fördermittel und können so medizinisch betreut werden und zur Schule gehen. Die Familien der behinderten Kinder erhalten Kredite, um zu investieren, vor allem in der Landwirtschaft. Zudem wird die Bevölkerung besser über den Umgang mit dem Thema Behinderung aufgeklärt. Somit schafft das Projekt »Orange 04« eine größere Akzeptanz für die betroffenen Menschen in der Bevölkerung.