Vor zehn Jahren verabschiedete die Internationale Arbeitorganisation (ILO) die Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Das Dokument gehört zu den am schnellsten ratifizierten Konventionen der ILO. Bis heute haben 170 Staaten unterzeichnet. Viele Regierungen haben seither Gesetze zum Schutz von Kindern vor ausbeuterischer Arbeit erlassen. Kinderarbeit wurde – endlich – ein international stärker beachtetes Thema. Pilotprojekte der ILO drängten ausbeuterische Kinderarbeit in einigen Branchen zurück und brachten Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierungen an einen Tisch. Mit dem Hinweis darauf, dass die in der Konvention beschriebenen Formen ausbeuterischer Kinderarbeit rückläufig seien, veröffentlichte die ILO letztmalig im Jahre 2006 Zahlen. Weltweit, so die Studie, arbeiten 217 Millionen Kinder, 126 Millionen dieser Mädchen und Jungen unterliegen den schlimmsten Formen der Kinderarbeit, wie sie in der Konvention 182 beschrieben sind.
Doch selbst die kleinen Fortschritte, die im weltweiten Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern erzielt wurden, sind durch die aktuelle Wirtschaftskrise bedroht. Durch den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen – die IAO schätzt die Zahl auf 50 Millionen – durch Kurzarbeit und sinkende Löhne, wächst der wirtschaftliche Druck auf Familien. Viele Eltern können ihre Kinder deshalb nicht mehr zur Schule schicken. Viele Kinder sind nun gezwungen, zum Lebensunterhalt der Familien beitragen zu müssen. Sinkende Löhne und Preisdumping erhöhen außerdem die Gefahr, dass Kinder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse geraten. terre des hommes liegen nun erste Zahlen über die aktuelle Entwicklung in einzelnen Ländern vor.
Bildung für alle – auch für arbeitende Kinder, für Kinder von Flüchtlingen, Migranten und Minderheiten – das war bis zur Krise eine der Hauptforderungen im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Sie muss gerade jetzt, weltweit, erneut und noch dringlicher erhoben werden.
Zur Konvention 182, zum Thema Kinderarbeitet sowie zu den sozialen Folgen der Wirtschaftskrise bieten wir folgende Hintergrundinformationen: