Nicht jedes Kind, das arbeitet, ist gefährdet. Nicht jede Form der Kinderarbeit muss bekämpft werden. In vielen Gegenden der Welt hat die Mitarbeit von Kindern eine wichtige Funktion in der Erziehung: Kinder wachsen so in ihre spätere Rolle hinein, lernen Handwerkstechniken oder die Gesetze der Natur kennen. Allerdings darf solche Arbeit nicht in Ausbeutung münden, sei sie auch kulturell begründbar. Eine international anerkannte Definition von ausbeuterischer Kinderarbeit liegt seit 1999 mit der ILO-Konvention 182
gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit vor. terre des hommes geht bei seiner Arbeit von dieser Definition und von der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen aus. Wichtige zusätzliche Gesichtspunkte sind dabei, die Verfassung und die Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes und die Frage, ob Arbeit die Bildungschancen beeinträchtigt.
Ausbeuterische Kinderarbeit ist laut ILO Konvention 182
:
Krasse materielle Armut ist die Hauptursache dafür, dass Kinder ihre Familien unterstützen müssen, um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu sichern. Allerdings ist die Annahme falsch, dass die Ausbeutung von Kindern automatisch endet, wenn die Wirtschaft wächst. Manchmal steigt dann die Kinderarbeit enorm an, wie zum Beispiel in vielen Regionen, in denen sich Textilindustrie ansiedelt.
Hinter dem Begriff der Armut verbergen sich politische und ökonomische Entscheidungen, die auch zur Ausbeutung von Kindern führen:
Die Ausbeutung von Kindern ist in fast allen Staaten der Welt verboten. Die ILO-Konvention 182
ist die am schnellsten ratifizierte Konvention der ILO, bis jetzt haben sie 158 Staaten unterzeichnet. Ob Regierungen allerdings den politischen Willen aufbringen, die Kinderrechte tatsächlich umzusetzen, oder ob sie dazu in der Lage sind, ist eine andere Frage.
Für Kinder und Jugendliche, die nicht ausgebeutet werden und neben der Schule arbeiten, kann die Arbeit positive Folgen haben: Sie verdienen nicht nur mit und unterstützen die Familie oder finanzieren den Schulbesuch für sich und ihre Geschwister. Sie können auch ihr Selbstbewusstsein stärken und sich als vollwertige Mitglieder ihrer Gemeinschaft fühlen.
Ausbeuterische Kinderarbeit allerdings hat für das einzelne Kind und für die Gesellschaft dramatische Folgen. Sowohl auf individueller Ebene, als auch gesamt gesellschaftlich gesehen, verursacht Kinderarbeit Armut.
Ökonomisch hat ausbeuterische Kinderarbeit verheerende Auswirkungen: Die ILO hat mit der Studie »In jedes Kind investieren« zum ersten Mal eine Gesamtrechnung aufgestellt: Die Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit würde zunächst etwa 95 Milliarden Dollar pro Jahr kosten, die vor allem in die Verbesserung von Bildungssystemen fließen müssten. Das ist ein Fünftel der Militärausgaben in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Der finanzielle Gewinn würde die Kosten allerdings weit übersteigen: Bis zum Jahr 2020 würden die Entwicklungs- und Schwellenländer 5.100 Milliarden Dollar einnehmen. Das Lohnniveau würde steigen, mehr Menschen würden Steuern zahlen und die Lebenserwartung würde steigen.
Kinder zu entlassen, führt zunächst dazu, dass in diesen Betrieben ohne Kinderarbeit produziert wird. Die betroffenen Kinder werden sich eine andere Arbeit suchen und vielleicht in noch schlimmeren Verhältnissen landen.
Alle Vorhaben, die das Ziel haben, ausbeuterische Kinderarbeit zu beenden, müssen Alternativen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen anbieten. In der Regel sind der Zugang zu Schulen oder Berufsausbildung notwendig. Eltern und Dorfgemeinschaften brauchen evtl. Beratung, wie sie ihr Einkommen verbessern können oder durch neue Organisationsformen Produkte besser vermarkten können. Manchmal ist Rechtshilfe wichtig, etwa wenn es um Landfragen oder Schuldknechtschaft geht.
Niemand kann einer Ware ansehen, ob sie unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurde. Die Angabe des Herkunftslandes gibt kaum Aufschlüsse, denn nicht alle Betriebe beschäftigen Kinder.
Auch Markenartikel und teure Designerkleidung können aus Betrieben stammen, in denen Kinder schuften. Der Endpreis einer Ware sagt in der Regel wenig über die Herstellungsbedingungen aus.
Biologischer Anbau bedeutet nicht automatisch, dass Kinderarbeit ausgeschlossen ist. Einen Hinweis auf die Arbeitsbedingungen, unter denen Waren hergestellt werden, geben seriöse Sozialsiegel, wie etwa TransFair, das Teppichsiegel Goodweave und das Blumensiegel.
Teppiche mit dem Rugmark-Siegel und Blumen mit dem FLP-Siegel sind nicht teurer als Waren vergleichbarer Qualität.
Produkte aus fairem Handel sind teurer, weil die Produzenten - in der Regel Kleinbauern - Preise über dem Weltmarktniveau bekommen.
Die Herstellungskosten zum Beispiel von Textilien liegen zwischen einem und fünf Prozent des Endpreises. Geringfügig höhere Löhne für Erwachsene werden nicht an den Endverbraucher weiter gegeben, sondern schmälern den Gewinn der Zulieferer. In der Regel profitieren Unternehmen, die Kinderarbeit abschaffen auch ökonomisch, weil zumeist die Produktivität steigt.
Und schließlich: Das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung ist ein Menschenrecht und damit unteilbar.
Jeder Mensch kann etwas gegen die Ausbeutung von Kindern tun. Das wichtigste Kriterium bei allen Anstrengungen gegen ausbeuterische Kinderarbeit ist die Frage, ob Kindern eine sinnvolle Alternative angeboten wird.
Unterstützen Sie Projekte für Kinderarbeiter. Vor Ort kann direkt geholfen werden - auch den Kindern, die nicht für den Export in Industriestaaten arbeiten.
Kaufen Sie, wo möglich, Produkte mit einem seriösen Sozialsiegel. Sorgen Sie gemeinsam mit anderen dafür, dass auch Großverbraucher zu gesiegelten Produkten greifen: In Kantinen kann TransFair-Kaffee ausgeschenkt werden, Gewerkschaften, Vereine oder Pfarrgemeinden können nur noch Blumen aus gesiegelter Produktion oder heimischen Betrieben verschenken, Sportvereine Bälle mit dem TransFair-Siegel anschaffen. In vielen Städten wurden auf Initiative von Bürgern bereits Beschlüsse gefasst, für die kommunale Beschaffung keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit anzuschaffen.
Schreiben Sie an Handelsunternehmen und fragen Sie, wie diese Firma zu Kinderarbeit steht. Solche Nachfragen zeigen Unternehmen, dass Verbraucher ein Interesse daran haben, dass Waren nicht nur gut und günstig sind, sondern auch unter Einhaltung der Menschenrechte hergestellt werden.