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Warum arbeiten Kinder?

Schuhputzer in Bolivien
Kinderarbeit: Schuhputzer in Bolivien
Foto: terre des hommes

Krasse materielle Armut ist die Hauptursache dafür, dass Kinder ihre Familien unterstützen müssen, um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu sichern. Allerdings ist die Annahme falsch, dass die Ausbeutung von Kindern automatisch endet, wenn die Wirtschaft wächst. Manchmal steigt gerade dann die Kinderarbeit enorm an, weil billige und willige Arbeitskräfte gesucht werden. Die Textilindustrie ist dafür ein Beispiel.

Hinter dem Begriff der Armut verbergen sich politische und ökonomische Entscheidungen, die auch zur Ausbeutung von Kindern führen:

  • Regierungen vernachlässigen Bildungssysteme. Es gibt zu wenig Schulen, die Lehrer sind schlecht ausgebildet, Schulgebühren schließen Kinder aus armen Familien aus.
  • Weltmarktpreise für Rohstoffe, wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle, sind so niedrig, dass Bauern verarmen.
  • Arbeitgeber stellen Kinder ein, weil sie dann noch niedrigere Löhne zahlen können und Kinder sich nicht gewerkschaftlich organisieren.
  • Behörden und Polizei sind schwach oder korrupt: Sie sehen weg und verfolgen Straftäter nicht, die Kinder ausbeuten.
  • In fast allen Gesellschaften gelten bestimmte Menschen als minderwertig. Wichtige Rechte, wie zum Beispiel das Recht auf Bildung, werden ihnen nicht zugestanden: Kinder aus armen Familien, Mäd­chen, Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Migranten, Ureinwohner und Kinder aus ethnischen oder religiösen Min­derheiten sind besonders gefährdet, ausgebeutet zu werden. Oft sind sie nicht einmal offiziell registriert.
  • Auf Grund von Krieg und Gewalt lösen sich Familien und Gemein­schaften auf. Gesellschaften bruta­lisieren sich. Selbst kleine Kinder werden ausgebeutet und geschunden.
  • Besonders im südlichen Afrika steigt die Zahl der Kinderarbeiter und der von Kindern geführten Haushalte auf Grund von AIDS. Die Elterngeneration stirbt.
Schuldknechtschaft

Schuldknechtschaft (bonded labour) bezeichnet wirtschaftliche Ausbeutung in Form sklavenähnlicher Abhängigkeit. Das Abhängigkeitsverhältnis entsteht dadurch, dass ein Schuldner - als Sicherheit für einen Kredit - seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen muss. Der Gläubiger kann dabei willkürlich über die Art und die Dauer der Abhängigkeit entscheiden. In den meisten Ländern der Welt ist Schuldknechtschaft verboten.

Große Bedeutung im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern hat in diesem Zusammenhang die Konvention 182 (Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Bislang haben mehr als 160 Staaten diese Konvention ratifiziert und sich zum Verbot der Schuldknechtschaft verpflichtet.

In machen Staaten, etwa in Indien, ist Schuldknechtschaft weiterhin sehr verbreitet. In vielen Regionen des Landes müssen dort Familien hart für ihr Überleben kämpfen. In ihrer Not nehmen Bauern Kredite -meist verbunden mit horrenden Zinsen- bei unseriösen Geldverleiern auf, um etwa Saatgut oder andere lebenswichtige Dinge zu kaufen. Als Gegenleistung verlangen die Geldgeber, dass die Familiemitglieder, vor allem aber die Kinder, die Schulden abarbeiten müssen. Dabei sind sie schutzlos den Ausbeutungspraktiken und der Willkür ihrer »Arbeitgeber« ausgeliefert. Nach Schätzungen arbeiten heute noch immer 5,7 Millionen Kinder in Schuldknechtschaft.

Weltweites Aufsehen erregte vor Jahren der Fall des pakistanischen Jungen Iqbal Masih. Im Alter von vier Jahren wurde der Junge damals als Schuldknecht an den Besitzer einer Teppichfabrik verkauft. Die Schuldsumme betrug umgerechnet 12 US-Dollar.

Mehrere Fluchtversuche des Kindes scheiterten. Sechs Jahre musste der Junge täglich 16 Stunden arbeiten, bis er von Mitgliedern einer pakistanischen Organisation gegen Schuldknechtschaft (Bonded Labour Liberation Front) befreit wurde. Infolge der langen und harten Arbeit sowie mangelnder Ernährung war sein körperliches Wachstum zurückgeblieben. Nach seiner Befreiung konnte er eine Schule besuchen. Mit Unterstützung der pakistanischen Organisation gegen Schuldknechtschaft engagierte er sich für die Rechte der Kinder. Sein Engagement, das bald über die Grenzen des Landes bekannt wurde, führte zur Befreiung vieler Kinder aus der Schuldknechtschaft. Im Jahre 1995 wurde er in den USA für seinen Kampf gegen Schuldknechtschaft mit einem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Am 16. April 1995 wurde der Junge in der Nähe seines Heimatortes ermordet. Die Umstände dieses Verbrechens sind bis heute nicht eindeutig geklärt.


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