Textilien, Sportbekleidung, Heimtextilien, Farben und Kosmetika, Schuhe und Lebensmittel: In all diesen Produkten kann die Arbeit von Kindern stecken. Um die Ausbeutung von Kindern in Zulieferbetrieben zu vermeiden, verpflichten Handelsunternehmen ihre Lieferanten, Verhaltenskodices einzuhalten:
Die Umsetzung von Verhaltenskodices kann erreichen, dass in Fabriken und Betrieben wenigstens die grundlegenden Arbeitsrechte eingehalten werden. Dies ist an vielen Standorten ein wichtiger Fortschritt.
Verhaltenskodices verhindern nicht die Suche von Unternehmen nach Standorten mit immer geringeren Arbeitskosten oder Umweltstandards. Verhaltenskodices sind keine Garantien und sollten von Unternehmen auch nicht so dargestellt werden. In der Textilindustrie greifen zum Beispiel Kontrollen nicht weit genug, wenn sie nicht alle Sublieferanten einbeziehen. Auch wenn zum Beispiel Kinderarbeit in großen Exportnähereien stark zurückgegangen ist, so finden sich Kinder eventuell in kleinen Betrieben, die Textilien besticken oder bemalen, oder bei kleinen Sublieferanten, die in Zeiten hoher Auslastung Aufträge bekommen.
Verbraucher sollten Selbstverpflichtungserklärungen von Unternehmen deshalb nicht als hundertprozentige Garantie dafür auffassen, dass alle Waren zu jeder Zeit unter Wahrung der grundlegenden Arbeitsrechte und des Umweltschutzes hergestellt werden. Selbst engagierte Unternehmen kontrollieren nicht ständig alle ihre oft vielen tausend Zulieferer in dutzenden von Ländern. Solange nicht alle Beteiligten, also zum Beispiel auch die Regierungen der jeweiligen Staaten, für den Schutz von Kindern vor Ausbeutung und für den Zugang zu Bildung für alle Mädchen und Jungen sorgen, besteht die Gefahr, dass auch in Exportbetrieben Kinder arbeiten.
Die folgenden Unternehmen setzen den firmeneigenen Verhaltenskodex um und beteiligen sich an gemeinsamen Initiativen:
Die adidas AG (adidas, Reebok, TaylorMade) hat ein Inspektionssystem für den hauseigenen Verhaltenskodex etabliert und berichtet jedes Jahr in einem Nachhaltigkeitsbericht über Ziele und Fortschritte.
Die adidas Gruppe engagiert sich an verschiedenen Standorten für gesellschaftliche Belange. Die Firma Reebok, die seit Februar 2006 zur adidas AG gehört, finanziert eine Stiftung für Menschenrechte und vergibt jährlich Preise an junge Aktivisten.
Die adidas Gruppe ist Mitglied in der Fair Labor Association. Die Stiftung Warentest hat 2006 die Herstellungsbedingungen von Fußbällen im Hinblick auf soziale Standards getestet. adidas wurde mit »stark engagiert« bewertet.
adidas AGC&A Mode lässt den Verhaltenskodex durch die hauseigene Audit-Organisation SOCAM prüfen. C&A vereinbart mit seinen Zulieferern konkrete Korrekturpläne und spricht sich an den jeweiligen Standorten auch öffentlich gegen die Ausbeutung von Kindern aus. Das Unternehmen unterstützt in mehreren Ländern Entwicklungsprojekte, so zum Beispiel Schul- und Berufsbildungsprojekte mit terre des hommes in Indien.
Die Stiftung Warentest hat 2006 die Herstellungsbedingungen von Herrenhemden im Hinblick auf soziale Standards getestet. C&A wurde mit »stark engagiert« bewertet.
C&A Mode KGHeinrich Deichmann Schuhe hat gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Durchführungsorganisation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, den hauseigenen Verhaltenskodex mit den Zulieferern in Indien umgesetzt. Daraus wurde ein Verhaltenskodex abgeleitet, der für alle Lieferanten verbindlich ist. Kontrolliert wird von der unabhängigen Prüfungsgesellschaft CSCC. Firmeninhaber Dr. Heinz-Horst Deichmann finanziert über eine eigene Stiftung Hilfsprojekte in Afrika und Asien.
Heinrich Deichmann Schuhe GmbH ist Mitglied der Business Social Compliance Initiative (BSCI).
Heinrich Deichmann SchuheDie Faber Castell AG ist mit über zwei Milliarden Blei- und Farbstiften der bedeutendste Hersteller von holzgefassten Stiften. Im März 2000 unterzeichneten das Unternehmen und die IG Metall eine weltweit gültige Sozialcharta, mit der sich Faber-Castell dazu verpflichtet, in allen Gesellschaften der Unternehmensgruppe die von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO empfohlenen Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Mittelfristig möchte Faber-Castell die Implementierung der Sozialcharta auch auf Lieferanten übertragen.
Im November 2006 verlieh die Initiative »Forum Zukunftsökonomie e.V.« Faber-Castell den ersten »Preis der Arbeit« mit der Begründung, das Unternehmen werde seiner gesellschaftlichen Verantwortung in herausragender Weise gerecht.
Faber-Castell AG
H & M überprüft seinen Kodex durch eine eigene Abteilung und hat mit der schwedischen Sektion der Kampagne für Saubere Kleidung seine Kontrollen optimiert. Der Verhaltenskodex von H & M beruht auf den Richtlinien der ILO und der UN-Kinderrechtskonvention. H & M unterstützt Ausbildungsprojekte für Jugendliche in Bangladesch und ehemalige Kinderarbeiter in Indien und fördert UNICEF.
H & M ist Mitglied in der Fair Labor Association und nimmt am Global Compact (hier bitte einen Link auf die entsprechende Stelle »Global Compact« in der Datei »Was Unternehmen tun können«) teil. Die Fair Labor Association ist ein Zusammenschluss von Handelsunternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Universitäten, die sicherstellen wollen, dass Produkte, die ihren Namen tragen, unter menschenwürdigen Bedingungen produziert wurden.
H & MIKEA hat im Jahr 2000 den hauseigenen Verhaltenskodex »The IKEA way (IWAY)« eingeführt. Der Kodex gilt ausdrücklich für alle Zulieferbetriebe.
IKEA unterstützt mit UNICEF Schulprogramme in Indien.
IKEA DeutschlandZur Arcandor AG, die bisher unter dem Namen KarstadtQuelle AG firmierte, gehören Waren- und Versandhäuser (Karstadt, Quelle, Neckermann, Hess Natur Versand, Hertie, KaDeWe) und das Tourismusunternehmen Thomas Cook.
Das Unternehmen bietet Produkte aus Fairem Handel und führt zum Beispiel TransFair-Aktionswochen durch. Das Unternehmen ist Mitglied der BSCI. Der zur Unternehmensgruppe gehörende Hess Natur Versand hat mit der deutschen Sektion der Kampagne für saubere Kleidung Produzenten in Rumänien inspiziert und ist Mitglied der Fair Wear Foundation.
Die Stiftung Warentest hat 2004 Herstellungsbedingungen von Funktionsjacken im Hinblick auf soziale Standards bewertet. Das Unternehmen wurde, noch unter dem Namen KarstadtQuelle AG, mit »stark engagiert« bewertet.
Arcandor AGDie METRO Gruppe (Metro, Cash & Carry, Real, Extra, Media Markt, Saturn, Galeria Kaufhof) ist Mitglied der BSCI. Bei real, extra und Kaufhof werden Produkte aus Fairem Handel angeboten.
Metro unterstützt die Tafelbewegung
und verschiedene soziale Projekte für Jugendliche in aller Welt.
otto-group (u.a. Otto, Bon Prix, Heine, Baur, Schwab) setzt ein eigenes »Qualifikations- und Entwicklungsprogramm« für alle Lieferanten um. Otto bietet zudem Produkte aus Fairem Handel und Rugmark-Teppiche.
Die Inhaberfamilie hat über eine Stiftung ein Programm zur Förderung des Absatzes von Baumwolle aus Afrika ins Leben gerufen. Die otto-group ist Mitglied der BSCI und des Global Compact.
Otto GmbH & Co KGPeek & Cloppenburg KG Düsseldorf kontrolliert seine Zulieferer seit 1997 und ist Mitglied der BSCI. Die Stiftung Warentest hat 2006 die Herstellungsbedingungen von Herrenhemden im Hinblick auf soziale Standards geprüft. Peek & Cloppenburg Düsseldorf wurde mit »sehr engagiert« bewertet.
Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf
Puma hat ein hauseigenes Konzept namens S.A.F.E. entwickelt (»Social Accountability and Fundamental Environmental Standards«, übersetzt etwa: Soziale Verantwortlichkeit und grundlegende Umweltstandards). Puma kontrolliert auf Grundlage des Standards SA 8000. Das Unternehmen lädt nationale und internationale Initiativen und Gewerkschaften regelmäßig zu Dialogen über kritische Themen ein.
Puma ist Mitglied der Fair Labor Association und des Global Compact.
Die Stiftung Warentest hat 2006 die Herstellungsbedingungen von Fußbällen im Hinblick auf soziale Standards getestet. Puma wurde mit »stark engagiert« bewertet.
Puma AG Rudolf Dassler SportTchibo hat ein Sozialprogramm zur Kontrolle der so genannten Non-Food-Produkte (also alle Produkte, die keine Lebensmittel sind) entwickelt. Produktionsstätten werden kontrolliert, für Lieferanten gibt es ein Schulungsprogramm. Der Tchibo Verhaltenskodex orientiert sich an SA 8000. Tchibo ist seit Oktober 2006 Mitglied im Beirat von Social Accountability International (SAI), die auch die Verifizierung des Sozialprogramms übernehmen.
Tchibo ist Gründungsmitglied der Initiative der Kaffeewirtschaft (Common Code for the Coffee Community), die sich zum Ziel gesetzt hat, Nachhaltigkeit im Anbau, der Verarbeitung und Vermarktung von Rohkaffee zu erreichen. Tchibo bietet außerdem Kaffee an, der den Kriterien der Rainforest Alliance entspricht, einer US-amerikanischen Organisation, die Standards unter anderem für die Kaffeeproduktion entwickelt hat.
Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam Deutschland und die Menschenrechtsorganisation FIAN kritisieren, dass die Initiative der Kaffeewirtschaft die Problematik des niedrigen Weltmarktpreises und der Überproduktion nicht thematisiert.
Tchibo GmbHThe Body Shop (Kosmetik) wirtschaftet seit 1996 nach den Prinzipien der hauseigenen »Fair Trade Richtlinien«, die den international anerkannten Standards des Fairen Handels entsprechen.
The Body Shop stellt Produkte auf pflanzlicher Basis her und verzichtet auf Tierversuche. Das Unternehmen wirbt weder in Zeitungen noch im Fernsehen. The Body Shop vergibt einen hochdotierten Menschenrechtspreis an kritische Nichtregierungsorganisationen.
Seit 2006 gehört The Body Shop dem internationalen Kosmetikgiganten L’Oreal, der zugesagt hat, die Identität und Werte von The Body Shop zu respektieren.
The Body Shop Deutschland Internet: www.the-body-shop.de