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Was Unternehmen tun können

Kinderarbeit in einer Textilfabrik
Kinderarbeit in Indien
Foto: terre des hommes

In den 90er Jahren kamen einige Handelsunternehmen unter öffentlichen Druck: Kampagnen in Europa und den USA warfen ihnen Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung vor. Berichte über Kinderarbeit, Hungerlöhne und Schikane gegen Arbeiterinnen wurden publik.

Einige Unternehmen reagierten, diskutierten Verhaltenskodices und verpflichteten sich und ihre Zulieferer, wenigstens die grundlegenden Arbeitsrechte einzuhalten.

Was muss die Wirtschaft tun?

Gemeinsam mit anderen Hilfswerken, Verbraucherinitiativen und Gewerkschaften fordert terre des hommes verbindliche Regeln für Unternehmen, die multinational tätig sind. Freiwillige Initiativen der Wirtschaft, wie die Unterstützung des Fairen Handels oder von Sozialsiegeln oder die Einführung von Verhaltenskodices können für einige Branchen oder an einigen Standorten zur schnelleren Umsetzung der grundlegenden Arbeitsrechte führen. Sie sind aber kein Ersatz für international verbindliche Regeln.

terre des hommes kooperiert mit einigen Handelsunternehmen, die sich engagiert und seriös gegen die Ausbeutung von Kindern in ihrer Lieferkette einsetzen. Auf diese Weise kann schon jetzt tausenden Kindern der Schulbesuch und eine Ausbildung ermöglicht werden.

Das Prinzip

Fast alle großen Handelsunternehmen haben heute einen Verhaltenskodex: Damit verpflichten sie sich und ihre Zulieferer, grundlegende Arbeitsrechte und Standards des Umweltschutzes einzuhalten. Ein Verhaltenskodex sollte wenigstens die Verpflichtung auf Einhaltung der Kernarbeitsnormen enthalten, wie sie in den international anerkannten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO definiert werden:

  • Keine Kinder- und Zwangsarbeit
  • Vereinigungsfreiheit und das Recht auf kollektive Tarifabschlüsse
  • Keine Diskriminierung auf Grund der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, einer religiösen, ethnischen oder sonstigen Gruppe

Kodices sollten auch zur Zahlung von wenigstens dem gesetzlichen Mindestlohn, besser zur Zahlung von Existenz sichernden Löhnen verpflichten und eine Höchstgrenze für Überstunden benennen. Lebenswichtig für die Beschäftigten sind die Einhaltung grundlegender Standards der Arbeitssicherheit, zum Beispiel Brandschutz, ausreichende und zugängliche Notausgänge oder Schutz vor giftigen Stoffen.

Unternehmen sollten die Einhaltung von Standards seriös kontrollieren: Das bedeutet, dass Inspektionen durchgeführt werden müssen. Inspektionen sollten von unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder von Gewerkschaften verifiziert werden.

Wichtig für die Wirksamkeit von Verhaltenskodices ist es, mit den Zulieferern konkrete Pläne für bessere Arbeitsbedingungen zu vereinbaren und dies auch nachzuprüfen. Unternehmen, die bei einem Missstand sofort die Geschäftsbeziehungen abbrechen, tragen in der Regel wenig dazu bei, dass sich die Verhältnisse in einem Betrieb ändern. Kaum ein Zulieferbetrieb hielt bei ersten Inspektionen in den 90er Jahren die grundlegenden Standards ein. Handelsunternehmen mussten zum Teil durch Schulungen und Diskussionen Hilfe bei der Umsetzung von Standards leisten.

Was kann mit Verhaltenskodices erreicht werden?

Kind an einer Kurbel
Foto: terre des hommes

Die Umsetzung von Verhaltenskodices kann erreichen, dass in Fabriken und Betrieben wenigstens die grundlegenden Arbeitsrechte eingehalten werden. Dies ist an vielen Standorten ein wichtiger Fortschritt.

Verhaltenskodices verhindern nicht die Suche von Unternehmen nach Standorten mit immer geringeren Arbeitskosten oder Umweltstandards.Verhaltenskodices sind keine Garantien und sollten von Unternehmen auch nicht so dargestellt werden. In der Textilindustrie greifen zum Beispiel Kontrollen nicht weit genug, wenn sie nicht alle Sublieferanten einbeziehen. Auch wenn zum Beispiel Kinderarbeit in großen Exportnähereien stark zurückgegangen ist, so finden sich Kinder eventuell in kleinen Betrieben, die Textilien besticken oder bemalen, oder bei kleinen Sublieferanten, die in Zeiten hoher Auslastung Aufträge bekommen.


Was ist zusätzlich notwendig?

terre des hommes fordert Unternehmen auf, nicht nur dafür zu sorgen, dass Zulieferer und Sublieferanten keine Kinder beschäftigen, sondern darüber hinaus Verantwortung für sie zu übernehmen: Unternehmen können sich zum Beispiel an der Finanzierung von Schulen und Berufsbildungszentren beteiligen und sich an den Standorten auch öffentlich gegen die Ausbeutung von Kindern aussprechen.

terre des hommes fordert, dass Unternehmen die international anerkannten Menschenrechte und soziale und ökologische Normen einhalten. Instrumente, mit denen Regeln tatsächlich umgesetzt werden können, müssen verbindlich sein. Dazu gehören die Verankerung von Unternehmenspflichten in internationalen Wirtschaftsabkommen, wirksame Sanktionen und Haftungsregeln, die Stärkung der Produktverantwortung, die Kopplung öffentlicher Aufträge an gesellschaftliche Anforderungen und die Berichts- und Rechenschaftspflicht.

In vielen terre des hommes-Projekten sind Aufklärung über Arbeitsrechte, Selbstorganisation der Menschen und die Stärkung von Arbeitervertretungen ein wichtiger Aspekt. An einigen Standorten kooperiert terre des hommes mit Unternehmen, um Kinderarbeitern eine Schul- oder Berufsausbildung zu ermöglichen und Familien und Dorfgemeinschaften in die Lage zu versetzen, ohne die Ausbeutung von Kindern zu überleben.

Wie erkennen Verbraucher, ob ein Produkt unter Wahrung der grundlegenden Arbeitsrechte hergestellt wurde?

Sichere Orientierung geben Verbrauchern die Sozialsiegel Goodweave und FairFleurs sowie der Faire Handel.

Die Stiftung Warentest Externer Link hat damit begonnen, einzelne Produkte nicht nur auf Qualität und Preis zu testen, sondern auch auf die sozialen und umweltrelevanten Herstellungsbedingungen. Bis Ende 2006 wurden Outdoor-Jacken, Fußbälle und Herrenhemden getestet, weitere Tests sind in Planung.

Hinweise bieten auch die Umwelt- oder Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen, die auf den Internetseiten der Firmen veröffentlicht oder auf Anfrage zugeschickt werden.

Gemeinsame Initiativen

Kind auf einer Müllkippe
Kinderalltag auf einer Müllkippe
Foto: terre des hommes

Abkommen mit Gewerkschaften

Einige transnationale Unternehmen haben mit internationalen Gewerkschaftsorganisationen Rahmenvereinbarungen abgeschlossen. Der Verhaltenskodex eines Unternehmens enthält wenigstens die grundlegenden Arbeitsrechte, Gewerkschaft und Unternehmen vereinbaren, wie diese Grundsätze verankert und überwacht werden.

Folgende Unternehmen aus Branchen, in denen Kinderarbeit bei Zulieferern vorkommen kann, haben solche Rahmenvereinbarungen mit Internationalen Gewerkschaftsorganisationen geschlossen:

Chiquita, USA Nahrungsmittel IUF
Daimler/Chrysler, Deutschland Automobilindustrie IMB
Danone, Frankreich Nahrungsmittel IUF
Faber-Castell, Deutschland Büroartikel IFBWW
H&M, Schweden Handel UNI
IKEA, Schweden Möbelindustrie IFBWW
Renault, Frankreich Automobilindustrie IMB
Volkswagen, Deutschland Automobilindustrie IMB

Abkürzungen:
IUF: International Union of Food, Agriculture, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Workers Association (Internationaler Bund der Arbeitervertretungen, Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Hotel, Restaurant, Catering, Tabak)
IFBWW: International Federation of Building and Woodworkers (Internationale Bau- und Holzarbeiter-Gewerkschaft)
IMB: Internationaler Metallgewerkschaftsbund
UNI: Union Network International (Internationales Gewerkschaftsnetz)

Standard SA 8000

Social Accountability 8000 (Soziale Verantwortlichkeit) ist sowohl ein Standard als auch ein Zertifizierungssystem. Seit 1997 setzt sich Social Accountability International dafür ein, dass Unternehmen sich zertifizieren lassen und die grundlegenden SA 8000 Standards umsetzen. Der Standard von SA 8000 beruht auf der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte, der UN Kinderrechtskonvention und den grundlegenden Arbeitsrechten, wie sie die ILO definiert.

SA 8000 kontrolliert und zertifiziert Produktionsbetriebe, beteiligt Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen und schult und berät Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Beratungsunternehmen.

Weitere Informationen:

Fair Wear Foundation

Die FWF wurde in den Niederlanden von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen gegründet. Die Stiftung berät Unternehmen und verifiziert, ob Verhaltenskodices umgesetzt werden. Mit Kontakten zu lokalen Organisationen und dem Aufbau von Beschwerdeverfahren in Produktionsstätten geht die Fair Wear Foundation bei ihren Inspektionen den Weg der Beteiligung.

Mitglieder sind die Kampagne für Saubere Kleidung, Max Havelaer Niederlande, die Menschenrechtsorganisation Oxfam/Novib und der holländische Gewerkschaftsbund FNV.

Mitgliedsunternehmen sind zum Beispiel der Hess Natur Versand und die Modemarke Mexx.

Weitere Informationen:
Indien: Kinderarbeit in der Landwirtschaft
Indien: Kinderarbeit in der Landwirtschaft
Foto: M. Brehmer

Fair Labor Association

Die Fair Labor Association mit Sitz in Washington/USA ist ein Zusammenschluss von Handelsunternehmen, Nichtregierungsorganisationen und 194 Colleges und Universitäten, die sicherstellen wollen, dass Produkte, die ihren Namen tragen, unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Die Fair Labor Association berät Unternehmen und führt Inspektionen durch. Überblicke über Inspektionen und Beschwerdeverfahren sowie Berichte von Unternehmen werden veröffentlicht.

Mehrere nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen sind Mitglied, darunter Menschenrechtsorganisationen aus den Herstellungsländern. Mitglieder auf Unternehmensseite sind zum Beispiel adidas, Asics, Hennes & Mauritz, Nike, Puma, Reebok, Umbro.

Weitere Informationen:

Global Compact

Der Global Compact wurde auf Initiative des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan 1999 während des Weltwirtschaftsforums in Davos ins Leben gerufen. Ziel soll die Umsetzung der zehn Prinzipien sein, die auf den wichtigsten UN-Konventionen zu Menschenrechten, Arbeitsrechten, Umwelt und Anti-Korruption beruhen. Unternehmen können den Global Compact unterzeichnen und sollen jedes Jahr über Fortschritte berichten. Die Prinzipien des Global Compact sind Minimalstandards. Die Einhaltung ist freiwillig, die Berichte der Unternehmen werden nicht auf ihren Inhalt überprüft. Es ist nicht ersichtlich, ob ein Unternehmen, das Mitglied des Global Compact ist, die Standards tatsächlich einhält.

Weitere Informationen:

Business Social Compliance Initiative (BSCI)

Business Social Compliance Initiative (BSCI) (etwa »Europäische Initiative der Wirtschaft zur Wahrnehmung von Sozialverantwortung«) ist eine Initiative von Einzelhandelsunternehmen und importorientierten Produzenten. Die 68 Mitglieder aus zehn europäischen Ländern akzeptieren einen einheitlichen Verhaltenskodex, der auf der UN-Deklaration der Menschenrechte, den grundlegenden Arbeitsrechten der ILO und den UN-Konventionen zu Kinderrechten und der Abschaffung jeglicher Diskriminierung gegen Frauen beruht. Zulieferer werden von unabhängigen Inspekteuren auf Grundlage des Standards SA 8000 inspiziert. Bis Ende 2006 wurden nach eigenen Angaben 1.700 Inspektionen und Re-Inspektionen bei Zulieferern durchgeführt. Trainings während der Korrekturphase sollen schrittweise die Sozialstandards in den Betrieben verbessern.

BSCI wurde von der Foreign Trade Association, der außenwirtschaftlichen Interessenvertretung des europäischen Handels gegründet und ist Mitglied des Global Compact. Mitglieder der BSCI aus Deutschland bzw. auf dem deutschen Markt vertreten sind: Calida Bodywear (Schweiz), Deichmann Schuhe, Esprit, Intersport (Schweiz), Karstadt Quelle, Lidl, Lindex (Schweden), M & S Mode (Niederlande), Metro Group, OBI, otto-group, Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf, Prénatal (Niederlande), Tom Tailor.

Weitere Informationen:

Mittlerweile arbeiten eine Reihe großer Unternehmen mit Sozialcodices und unterziehen sich einer Überprüfung. Weitere Informationen zu diesen Unternehmen finden Sie auf unserer Informationsseite.


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