Sie befinden sich hier: Home  » Themen und Projekte  » Schwerpunktthemen  » Sexuelle Ausbeutung  » Sexuelle Ausbeutung - Ein Überblick
Druckversion dieser Seite aufrufen An das Seitenende springen

Sexuelle Ausbeutung von Kindern

Ein Überblick

Es sind seriöse Geschäftsleute und biedere Familienväter, die Kinder sexuell ausbeuten. Es geschieht in Hotels, Bordellen und durch die Produktion von Kinderpornographie. Kinder, die sexueller Ausbeutung ausgesetzt sind, erleiden Schäden in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung. Schäden, die nur schwer wieder gutzumachen sind. Außerdem sind sie der Gefahr der Infektion mit Geschlechtskrankheiten und HIV/AIDS ausgesetzt. Darüber hinaus hat sich in vielen Ländern ein Kinderhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung entwickelt.



terre des hommes Plakat
Foto: terre des hommes

Vor gut 20 Jahren machten erstmals Projektpartner von terre des hommes aus Südostasien auf das Problem aufmerksam: Immer mehr Jungen und Mädchen mussten ihr Überleben mit gelegentlichen sexuellen Dienstleistungen sichern. Mit der wachsenden Zahl von Touristen, die diese Region bereisten, stieg auch die Nachfrage. Und durch die Möglichkeiten der modernen Kommunikation nahm die Verbreitung von Kinderpornographie enorm zu. Längst haben auch Kriminelle das Internet für ihre Geschäfte entdeckt. Skrupel kennen weder Produzenten noch Händler von Filmen und Fotos.

1990 beschlossen die Teilnehmer der Südostasiatischen Konferenz im thailändischen Chiang Mai eine »Internationale Kampagne gegen Kinderprostitution im Tourismus«. terre des hommes wurde, wie andere Nichtregierungsorganisationen und kirchliche Hilfswerke auch, von den Projektpartnern aufgefordert, in Europa ebenfalls vernetzte Kampagnenarbeit aufzunehmen, um die Nachfrage von Touristen nach Mädchen und Jungen im Ausland zu stoppen.

Zahlen und Fakten

Weltweit werden Jahr für Jahr mehrere Millionen Kinder in die kommerzielle sexuelle Ausbeutung gezwungen. Die Vereinten Nationen gehen von jährlich mehreren Millionen neuen Fällen von Kinderprostitution vor allem in Entwicklungsländern aus. Geschätzt wird, dass Verbrecherringe weltweit jährlich mit Kinderprostitution und Kinderpornographie mehr als 5,5 Milliarden Euro umsetzen. Genaue Angaben über die Zahl der Touristen, die Kinder sexuell ausbeuten, gibt es nicht. Grobe Schätzungen gehen von rund 10.000 Sextouristen allein aus Deutschland aus.

Sexuelle Gewalt an Kindern in Deutschland

In Deutschland werden zwei Drittel der sexuellen Gewalthandlungen gegen Kinder im familiären Umfeld begangen. In der polizeilichen Kriminalstatistik wurden hier 1999 insgesamt 19.436 Kinder als Opfer sexuellen Missbrauchs erfasst (Schutzaltersgrenze 14 Jahre), rund drei Viertel von ihnen waren Mädchen. Im Jahr 2001 wurden insgesamt 15.117 Fälle, darunter ein Fall mit Todesfolge, von sexuellem Missbrauch von Kindern erfasst. Darüber hinaus waren Kinder in 1.014 Fällen durch sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen – unter Ausnutzung einer Amtsstellung oder eines Vertrauensverhältnisses – als Opfer betroffen.

Nach Angaben von Expertinnen sind in 30 bis 60 Prozent aller in Beratungsstellen gemeldeten Fälle sexueller Ausbeutung die Täter beziehungsweise die Täterinnen selbst minderjährig.

Pornographie mit Kindern im Internet

Hauptopfer sind Mädchen und Jungen zwischen sieben und elf Jahren. Jede Woche werden bis zu 4.000 kinderpornographische Bilder aus Newsgruppen gezogen. Jeden Monat tauchen ein bis zwei Kinder neu im Netz auf. Allein in Deutschland soll es zwischen 30.000 und 50.000 Konsumenten kinderpornographischer Produkte geben.

Begriffsdefinition

Sexueller Missbrauch von Kindern ist gegeben, wenn einzelne oder mehrere Personen an Mädchen oder Jungen unter 18 Jahren sexuelle Handlungen zur eigenen sexuellen Befriedigung vornehmen. Dazu zählen Geschlechtsverkehr, Vorführen pornographischer Materialien, Berührungen und Bemerkungen. Immer ist ein Ungleichgewicht der Machtverhältnisse zwischen dem Kind und der missbrauchenden Person gegeben. Zum sexuellen Missbrauch zählt auch kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern: Kindersextourismus, Kinderpornographie und Kinderhandel.

Laut Artikel 34 der UN-Konvention von 1989 über die Rechte des Kindes haben sich alle Vertragsstaaten verpflichtet, das Kind vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen. Zu diesem Zweck müssen die Staaten geeignete innerstaatliche, zweiseitige und mehrseitige Maßnahmen treffen, um zu verhindern, dass Kinder

  • zur Beteiligung an rechtswidrigen sexuellen Handlungen verleitet oder gezwungen werden;
  • für die Prostitution oder andere rechtswidrige Praktiken ausgebeutet werden;
  • für pornographische Darbietungen und Darstellungen ausgebeutet werden.

Ursachen und Hintergründe

Mädchen und Jungen werden überwiegend im familiennahen Umfeld Opfer sexueller Ausbeutung – das ist in Deutschland ebenso der Fall wie in Afrika, Asien und Lateinamerika. Dort sind die meisten Opfer sexueller Gewalt Mädchen, die von Onkeln, Stiefvätern oder den eigenen Vätern missbraucht werden. Zerbrechende soziale und ökonomische Strukturen, Kriege und Bürgerkriege begünstigen diese Kinderrechtsverletzung

Aber auch die wachsende Armut in zahlreichen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas und das Fehlen von Einkommensalternativen treibt immer mehr Kinder in die Prostitution. Aus Unwissenheit glauben vereinzelt Eltern noch immer, dass die Händler ihre Töchter in ganz normale Haushalte vermitteln. Kinder werden entführt und/oder gezwungen, auf diese Weise Geld zu verdienen. Mädchen prostituieren sich aber auch, um für AIDS-kranke Familienmitglieder Lebensmittel kaufen zu können. Außerdem sind Straßenkinder in den Städten von sexueller Ausbeutung betroffen.

Kinder im Datennetz schützen (K.i.D.s.)

Im Anschluss an den Ersten Weltkongress startete terre des hommes 1997 die Aktion »Kinder im Datennetz schützen (K.i.D.s.)«, die sich gemeinsam mit den Kooperationspartnern Karstadt AG und Augsburger Allgemeine Zeitung gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern in der Pornographie im Internet richtete. »K.i.D.s.« lief bis zum Jahr 2001.

Kommunikationsprojekte

Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission startete terre des hommes 1997 das erste von drei internationalen Kommunikationsprojekten gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern im Zusammenhang mit Tourismus. Der Inflightspot »TOYS/Spielsachen« lief 1998/99 auf den Flügen von sieben internationalen Fluglinien an, im Anschluss daran wurde die Internetplattform www.child-hood.com Externer Link eingerichtet.

1999/2000 wurde der TV-Spot »TOYS/Spielsachen« durch Kofinanzierung des BMFSFJ ins Deutsche übersetzt und von mehr als 20 TV-Stationen ausgestrahlt; in italienischer Sprache im dortigen TV und in einer großen Anzahl von Kinos.
Im Rahmen des Kommunikationsprojektes »Future Solutions...« lief 2002/03 außerdem der TV-Clip »Words« für junge Reisende. Seit Anfang 2004 läuft »Words« in rund 200 deutschen Kinos.

Die Kampagne zielt vor allem auf eine langfristige Reduzierung des Missbrauchs von Kindern im Ausland durch europäische Urlauber. terre des hommes Deutschland koordinierte alle Projekte, umgesetzt wurden sie auch in Dänemark und Italien. Folgende Agenturen waren beteiligt: ABC, Hill & Knowlton / Berlin, sowie Euro RSCG Thomson Röhle, Düsseldorf.

Im April 2004 wurde die Kommunikationskampagne gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismus in Berlin als beste langfristige PR-Strategie mit dem »Zimpel-Award« geehrt. Im September erhielt das Projekt »Future Solutions ...« den Deutschen PR-Preis (Low Budget/PR-Arbeit in Non Profit Organisationen).

Im Frühjahr 2003 führte terre des hommes in Berlin einen Workshop zur »Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Prävention sexueller Ausbeutung« durch. Eine Dokumentation Externer Link liegt zum Download vor.

Das Projekt »Sichere Räume für Kinder schaffen« startete 1999 und ist ein weitere Schritt in der Umsetzung der Aktionspläne aus dem Ersten Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern. Das Projekt hat das Ziel, den Schutz von Kindern vor Gewalt und sexueller Ausbeutung in Institutionen zur erhöhen. Erarbeitet wurden u.a. Verhaltenshinweise und ein Leitfaden für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von terre des hommes. Außerdem gibt es regelmäßige Informations- und Fortbildungsangebote.


Weitere Informationen


Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!
Druckversion dieser Seite aufrufen An das Seitenende springen


Copyright 2009 terre des hommes Deutschland e.V.
Impressum - Kontakt
 
RSS-Feeds abonnieren