Die Wirtschaftskrise hat in Nicaragua ihre Spuren hinterlassen. Viele Familien sind abhängig von den »Remesas«, den Überweisungen, die ihnen Angehörige aus den USA oder Costa Rica schicken. Seit die Krise jedoch den US-Arbeitsmarkt voll getroffen hat, sind die Remesas stark zurückgegangen. Vielen Familien fehlt nun ein wichtiger Posten, um ihre Grundausgaben zu decken. Gespart wird an dem, was auf den ersten Blick entbehrlich scheint, wie die Qualität der Ernährung. Oft kann der Schulbesuch der Kinder nicht bezahlt werden.
Absatzprobleme für Erdbeeren
Auch in der ländlichen Region Somoto im Norden des Landes spüren die Menschen die Auswirkungen der Krise. In den letzten Jahren bauten viele Kleinbauern auf ihren kaum mehr als handtuchgroßen Parzellen Erdbeeren an, die auf dem nationalen Markt guten Absatz fanden. Doch dieser ist inzwischen völlig eingebrochen, viele Menschen können sie sich nicht mehr leisten. Dazu kommen auch Auswirkungen des Klimawandels: Aufgrund einer lang anhaltenden Dürre in der Region können die bewässerungsintensiven Erdbeeren nicht mehr profitabel angebaut werden. Zahlreichen Bauern drohte der Ruin.
Die meisten konnten sich jedoch retten, indem sie auf einen ökologisch nachhaltigen Anbau verschiedener Produkte umgestellt haben. Wie das geht, haben viele Jugendliche in den letzten Jahren gelernt: terre des hommes unterstützt mit der Organisation INPRHU ein Projekt, in dem Mädchen und Jungen zu Öko-Agrartechnikern ausgebildet werden und nebenher ihren Schulabschluss machen können. Silvia ist bei INPRHU zuständig für die Ausbildung der Jugendlichen. »Die jungen Frauen und Männer haben bei uns gelernt, wie sie auf ihren Parzellen durch den Anbau unterschiedlicher Produkte gute Erträge erzielen können, beispielsweise, wenn sie Mais, Bohnen und Tomaten anbauen. Die meisten haben schnell umgestellt und können inzwischen die Ernährung der Familie sicherstellen. Das ist oft mehr, als heutzutage eine Familie in der Stadt zur Verfügung hat.«
Bank für Saatgut
Um die Familien, die ihren Anbau umstellen möchten, weiter zu unterstützen, wird eine Bank für Saatgut eingerichtet. Wer Saatgut bekommt, muss hinterher wieder welches einbringen, sodass die ganze Gemeinde davon profitiert. Mittelfristig sollen die Familien wieder in die Lage versetzt werden, soviel zu produzieren, dass sie wieder Produkte verkaufen können. Um das zu erreichen, hilft das terre des hommes-Projekt den Gemeinden, direkte Vertriebswege zu den Großmärkten aufzubauen. »Als erstes werden die Zwischenhändler umgangen, die den Bauern sehr wenig zahlen und große Gewinne einstreichen«, so Silvia weiter. »Wir zeigen den Jugendlichen, wie sie Kooperativen bilden und ihre Produkte selbst an den Mann bringen können. Die Menschen in dieser Gegend haben eine Antwort auf die Krise.«
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