Auch terre des hommes empfindet es als problematisch, dass mit dem Begriff »Straßenkind« die dramatische Lebenssituation eines Kindes als ihre Haupteigenschaft erscheint, nicht ihre Persönlichkeit. Einige terre des hommes-Partner sprechen deshalb von »children in a street situation«. Diese Formulierung lässt sich leider nicht gut übersetzen. Und dass der Begriff »Straßenkind« als diskriminierend empfunden wird, liegt an der tatsächlichen Diskriminierung dieser Kinder und Jugendlichen durch die Gesellschaft. Würde ein anderer Begriff sich durchsetzen, würde auch dieser bald als diskriminierend empfunden, solange die Missachtung durch die Gesellschaft anhält. Dem versucht terre des hommes entgegenzuwirken, indem es sie in seinen Veröffentlichungen als Persönlichkeiten mit Rechten und soziale Subjekte darstellt. Die Unschärfe des Begriffes, das Problem, dass sich mit ihm ein bestimmtes besonders medienwirksames Klischee verbindet, das die vielfältigen Lebenssituationen, die mit ihm gemeint sind, nicht wiedergibt, lässt sich nur durch eine differenzierende Darstellung lösen. terre des hommes Deutschland verwendet aus diesem Grund zwar den eingeführten Überbegriff »Straßenkind«, versucht aber soweit möglich in den Publikationen zu differenzieren.
Unterstützt terre des hommes auch Projekte für Straßenkinder in Deutschland?Eine aktuelle Recherche von terre des hommes-Mitarbeiter Uwe Britten ergab, dass 80 Prozent der Betreuungseinrichtungen in Deutschland mit ihrer räumlichen und personellen Situation zufrieden sind. Das Personal ist erfahren und hoch motiviert, es gibt wenig Personalwechsel. Ein Drittel macht sich jedoch Sorgen um die langfristige finanzielle Absicherung der Arbeit. Dies betrifft vor allem kleine unabhängige Initiativen. Ein Bedarf wird gesehen beim Erfahrungsaustausch und der Vernetzung der Arbeit mit anderen Institutionen, die im Bedarfsfall spezifische ergänzende Angebote für die Jugendlichen machen können. Die Verbesserung dieser Situation ist in erster Linie die (gesetzlich verankerte) Aufgabe staatlicher Stellen. Ein bundesweites Netzwerk einschlägiger Institutionen zum Erfahrungsaustausch und zur Lobbyarbeit soll hier Verbesserungen bringen. Dieses Netzwerk wird von terre des hommes ebenso im Rahmen der Kooperation mit dem Konzernbetriebsrat von Volkswagen unterstützt, wie bereits in der Vergangenheit die Arbeit von Straßenkinderprojekten in Hannover, Berlin und Köln.