In Bangalore wachsen die Träume in den Himmel. Die Millionenmetropole im Bundesstaat Karnataka ist das boomende Zentrum der indischen Hightech-Industrie. Es gibt viele attraktive Jobs. Selbst mit dem Abfall des neuen Wohlstands lässt sich noch Geld verdienen. Viele Arme aus den Slums von Bangalore durchwühlen täglich den Müll nach Verwertbarem, um es an Händler zu verkaufen. Vom Dauerstau in den Straßen der Stadt profitieren auch einige Straßenkinder, die Erfrischungen oder Zeitungen an die ungeduldigen Autofahrer verkaufen.
Bangalore ist nicht nur für junge und gut ausgebildete Leute attraktiv, sondern zieht ebenso Menschen aus den armen Regionen Indiens an. Wer auf dem Land Dürre, Hunger und Entbehrungen erlebte oder als Landloser den Schikanen von Großgrundbesitzern ausgesetzt war, hofft auf ein besseres Leben im reichen Bangalore. Unter den Neuankömmlingen sind auch Kinder, die in der Stadt ihr neues Glück suchen. Für viele endet der Traum auf der Straße.
So erging es auch Ravi. Voller Hoffnungen kam der 14-Jährige nach Bangalore und fand dort zunächst nur Kontakt zu einer Gruppe von Straßenkindern, die in der Nähe des Bahnhofs herumlungerte. Eines Tages sprach ihn ein Mitarbeiter des von terre des hommes geförderten Don Bosco-Schutzzentrums für Straßenkinder an. Die Einrichtung unterhält in Bangalore ein offenes Zentrum, in dem Straßenkinder schlafen und essen können. Im Don-Bosco-Projekt haben ehemalige Straßenkinder auch die Möglichkeit, zur Schule zu gehen oder eine Berufsausbildung zu machen. Hier werden Jungen und Mädchen als Schneider, Buchbinder, Tischler, Mechaniker und Schweißer ausgebildet. Zusätzlich gibt es Computerkurse und ein Bewerbungstraining. Auch Ravi nutzte damals die Chance. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Schneider. Nach dem Abschluss fand er einen Arbeitsplatz in einer Näherei in Bangalore. Mehr als 400 Kinder haben in den letzten drei Jahren im Zentrum eine Berufsausbildung machen können.
Auf dem Bahnhof von Bangalore sind Don-Bosco-Helfer Tag und Nacht anzutreffen. Sie kümmern sich um neu ankommende Kinder, um sie ins Schutzzentrum zu bringen. Ihnen soll das harte Leben auf der Straße erspart bleiben. Einige werden vielleicht auch einen Beruf erlernen. So wie Ravi, der stolz darauf ist, in der »Stadt der Hoffnungen« sein eigenes Geld zu verdienen.
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