Globalisierung und Vielfalt
Am Rande eines Kurses zur Hutherstellung in einem Dorf am Titicacasee
Foto: terre des hommes
Angeregt durch seine Projektpartner im Süden beschäftigt sich terre des hommes seit einiger Zeit mit dem Konzept der kulturellen Vielfalt. Schon sehr viel länger werden Projekte gefördert, die zum Beispiel ethnischen Minderheiten den Raum und die Möglichkeiten geben, ihre Kultur zu leben und ihre Sprache, ihre Wissensschätze und ihre Lebensweisheiten an ihre Kinder weiterzugeben. So wird Jahrhunderte altes ökologisches und landwirtschaftliches Wissen erhalten, Traditionen werden aufgewertet und gegen die Entwürdigung durch so genannte »Modernisierer« geschützt. Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie ausführliche Informationen zu den verschiedenen Aspekten des Themas Vielfalt.
Hintergrundinformationen
Globalisierung: Zwischen Monotonie und Unübersichtlichkeit
»Wenn die Gegensätze der Kulturen wertvoll sind, weil sie immer neue Mischungen erlauben, so ist es ungeheuerlich, dass sie einander vernichten«, schrieb Antoine de Saint-Exupéry in seinem Buch »terre des hommes«. Die Globalisierung bringt beides hervor. Die Frage ist, wie Menschen und Gemeinschaften angesichts vielfältiger Anregungen wie Zerstörungsgefahr die Gestaltung ihres Lebens in der eigenen Hand halten können.
Our Rivers, Our Life - Kinder schützen ihre Flüsse
Bergwerke liefern das Rohmaterial für Industrieprodukte, Staudämme den Strom für die Städte. Dabei werden Fischerei und Landwirtschaft der Flussgemeinden immer wieder nachhaltig gestört. Projektpartner und ehrenamtliche Arbeitsgruppen von terre des hommes setzen sich mit ihrem Aktionsschwerpunkt »Our Rivers, Our Life« für die Bewahrung ihrer Lebensgrundlagen ein.
Biologische Artenvielfalt sichert Ernährung
In wenigen Jahrzehnten könnten drei Viertel der derzeit angebauten Nahrungsmittelpflanzen verschwunden sein. Die Wiedergewinnung der Vielfalt von Anbausorten macht Kleinbauern unabhängiger von Agrarchemie und Saatgutkonzernen, erhöht die Bodenfruchtbarkeit und sichert die Ernährungsgrundlagen.
Bildung für Vielfalt und Verständigung
»Wir wollen beide Wissen«, sagen Projektpartner von terre des hommes, das moderne Wissen ebenso wie die Kenntnisse der traditionellen Gemeinschaften. Sie wollen Neues kennen lernen, ebenso wie die eigene Identität stärken. Interkulturelle Bildung hilft den reichhaltigen Wissensschatz der Kulturen zu bewahren und gegenseitigen Respekt zu fördern. Sie ist auch ein Beitrag zur friedlichen Lösung von Konflikten.
Kultur und Menschenrechte
Kultur und Menschenrechte stehen in einem Spannungsverhältnis, aber nicht im Widerspruch zueinander. Obwohl immer wieder Menschenrechtsverletzungen mit dem Respekt vor Kultur und obwohl wirtschaftliche und Machtinteressen dominanter Kulturen mit Menschenrechten gerechtfertigt werden. Doch Menschen identifizieren sich stärker mit einer Kultur, wenn sie in ihnen ihre Rechte gewahrt sehen, und die Geltung der Menschenrechtskonventionen nimmt zu, wenn sie im interkulturellen Dialog entwickelt und angewandt werden.
Materialien, Links, Adressen
Ausgewählte Materialien, Links und Adressen zum Thema Globalisierung und Vielfalt
Reportagen/Interviews/Portraits
»Kulturelle Identität – die schaffen wir alle gemeinsam«
Orientierungslosigkeit in der modernen Welt? Dies schien kein Thema für eine Gruppe Zwölfjähriger mit geistiger Behinderung aus Córdoba. »Kulturelle Identität – die schaffen wir alle gemeinsam«, sangen die Kinder Ende vergangenen Jahres auf einer Peña, einem Kulturfest, in der argentinischen Stadt. Die Veranstaltung war Teil der terre des hommes-Kampagne »Globalisierung, Kinder und kulturelle Vielfalt«, die in Argentinien von der Nicht-Regierungsorganisation APADIM koordiniert wird.
»Wasser aus dem Fluss zu nehmen, ist ein schwerwiegendes Delikt«
Ein Interview mit Roberto Mansilla Ruiz, Direktor der Stiftung zur Entwicklung der kleinbäuerlichen Mapuche-Gemeinden FUNDECAM in Temuco, über Schulen, Subventionen, privatisierte Flüsse, erodierte Böden und Kulturen in Chile.
Happy Planet - Happy People?
Ein Kommentar von Peter Strack
Wasser bedeutet Leben
»Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser«, schrieb der griechische Philosoph Thales von Milet, »denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.« Die Erkenntnis, dass Wasser Leben stiftet und ein Leben ohne Wasser nicht möglich ist, ist simpel. Trotzdem scheint sie in den modernen Industriegesellschaften in Vergessenheit geraten zu sein.
Die Kraft der Knolle
Sie heißt Gloria, Lady Christel oder Erntestolz. Sie schmeckt erdig oder buttrig, ist festkochend oder mehlig, und sie ist des Deutschen liebstes Gemüse: die Kartoffel. Durchschnittlich werden hierzulande pro Jahr und pro Kopf etwa 70 Kilogramm verzehrt. Um ihre Rolle als Kulturpflanze und ihren Beitrag zur Sicherung der Welternährung zu würdigen, hat die UNO das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der Kartoffel erklärt.
»Um den Schlaf gebracht«
»Früher als ich noch ein Kind war«, erinnert sich Juan Madueño, »lebten in unserem Fluss noch Forellen und Krabben und wir haben hier mit kleinen Angeln gefischt, doch heute ist alles in ihm tot.« Juan lebt im Tal Tumilaca, in der Provinz Moquegua im Süden Perus. Hier ist er geboren und aufgewachsen und wie seine Eltern und Großeltern lebt er von der Landwirtschaft.
Der Muñoz Bericht und seine Folgen
Wir sind gewohnt, dass UN-Sonderbeauftragte Staaten im Süden wegen Verletzung von Menschenrechten kritisieren. Doch als Vernor Muñoz im Frühjahr 2007 das deutsche Bildungswesen kritisierte, weil es zum Beispiel Migrantenkinder diskriminiere, war die Empörung groß - doch weniger über die Verletzung des Rechts auf Bildung in unserem Land, als über den Berichterstatter. Besser wäre es gewesen, an der Lösung der benannten Probleme zu machen