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VerDAMMt in Burma

Frau mit Kind
Burma: Widerstand gegen Bau von Staudämmen
Foto: SEARN

Er ist der längste noch frei fließende Fluss in ganz Südostasien, und ginge es nach den Menschen, die an seinen Ufern und von seinen Fischen leben, sollte er das auch bleiben: Der Salween entspringt in Tibet und durchfließt auf seinem 2.400 Kilometer langen Weg zur Adaman-See China, das thailändisch-burmesische Grenzgebiet und verschiedene Bundesstaaten Burmas. Seine Tage als ungebändigtes Gewässer sind jedoch gezählt: Vier große Dämme sollen gebaut werden und über 12.500 Megawatt Strom erzeugen. Jahrelang wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen der burmesischen Militärregierung und dem Hauptinvestor, der thailändischen Elektrizitätsgesellschaft EGAT, verhandelt. Nun sind die Vorbereitungen, wie zum Beispiel der Bau von Zufahrtsstraßen und Baracken für die Arbeiter, in vollem Gange.

Für den EGAT-Präsidenten Sitthiporn Ratanopas gibt es bei diesen Staudammprojekten nur Gewinner: Thailand bekäme billigen Strom und Burma die dringend benötigten Devisen, die der Militärdiktatur auf Grund internationaler Sanktionen angesichts ihrer massiven Menschenrechtsverletzungen fehlen.

Megaprojekte sind kein Gewinn

Für die über 13 ethnischen Minderheiten, die am Salween und vom Salween in traditionellen Dorfgemeinschaften leben - darunter die Shan, Karen und Karenni - sind die Megaprojekte jedoch kein Gewinn: Für sie ist der Salween die »heilige Mutter der Flüsse« und sie wissen, dass sie ohne sie und ihren Reichtum an Pflanzen, Fischen und Feuchtgebieten nicht leben können. Wenn der Rhythmus des Salween gestört wird, werden auch seine Fließgeschwindigkeit, der Nährstoffhaushalt, die Wasserqualität und damit der Fischbestand beeinträchtigt. Saisonale Überflutungen, die wichtig sind für die Düngung der Uferflächen und Felder, können ausbleiben oder aber katastrophale Ausmaße annehmen. Aus gutem Grund hat der vor kurzem veröffentlichte »Living Planet Report 2006« des WWF (World Wide Fund for Nature) angeprangert, dass Flüsse und Seen derzeit die am stärksten gefährdeten Ökosysteme sind und dabei neben der Verschmutzung den Dammbau für die Zerstörung der Süßwasserlebensräume verantwortlich gemacht.

Was Experten wissen und Erfahrungen bestätigen, ahnen auch die Menschen, die den Fluss seit Generationen kennen: »Schon ohne den Damm haben wir sehr viele Probleme und müssen kämpfen, um zu überleben«, so ein alter Karen. »Ich glaube nicht, dass wir noch überleben können, wenn der Damm gebaut wird.«

Verfolgung ethnischer Minderheiten

Eine Mitsprache der Flussanwohner bei der Umsetzung der Projekte ist jedoch nicht eingeplant - das ist auch für Thailand attraktiv, wo ähnliche Vorhaben auf Grund des Widerstands von Umwelt- und Menschenrechtsverbänden schwieriger umgesetzt werden können. Die burmesischen Militärs haben dagegen nicht einmal Entschädigungszahlungen für vertriebene Flussanwohner nötig; sie haben andere Methoden, um Widerstand und Kritik mundtot zu machen: Zwangsarbeit, Vergewaltigung, Vertreibung, Folter, extralegale Hinrichtung und Abschottung von der internationalen Öffentlichkeit. Die ethnischen Minderheiten am Salween kennen das.

Und sie haben Angst: vor der Militärpräsenz, die zunehmen wird, um die Bauarbeiten vor Sabotageakten der aufständischen Gruppen zu schützen, vor den Menschenrechtsverletzungen und den Landminen, die mit den Soldaten kommen. »Es gibt keinen besseren Weg, ein Land zu zerstören, als durch die kombinierte Macht von Bulldozern und Gewehren«, schreibt der Shan-Autor Pascal Khoo Thwe. Viele Dorfgemeinschaften beten zu ihren Flussgöttern, dass sie sie vor den Dämmen beschützen und ihnen ihr angestammter Lebensraum erhalten bleibe. Und sie hoffen, dass ihre Gebete auch von der internationalen Gemeinschaft erhört werden. Andere haben keine Hoffnung mehr und machen sich auf den Weg in die großen Lager an der thailändischen Grenze: Hier leben bereits etwa 140.000 Menschen, die vor der Brutalität der burmesischen Militärs geflohen sind. Sie haben keine Rechte, denn die thailändische Regierung hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert und erkennt sie nicht als Flüchtlinge an. Offiziell dürfen sie das Camp nicht verlassen, erhalten keine Arbeitserlaubnis und können ihre Kinder nicht in die thailändischen Schulen schicken.

Ende der Geschichte der Shan?

terre des hommes unterstützt die Vertriebenen schon seit vielen Jahren mit Grundbildung und Gesundheitsstationen. Ein neues Projekt hat sich nun die Anwaltschaft für die ethnischen Minderheiten am Salween vorgenommen: Thailand soll klar werden, dass es seinem Renommee schadet, wenn es mit einem weltweit isolierten Menschen verachtendem Regime Geschäfte macht, und billiger Strom das nicht wert ist. Und die Menschen am Salween-Ufer sollen über die Staudammprojekte informiert werden und ihre Rechte kennen und verteidigen - trotz aller Angst vor den Militärs. »Denn wenn der Damm gebaut wird«, so ein Dorfbewohner, »wird nicht nur der Salween aufhören frei zu fließen, sondern auch die Geschichte der Shan.«

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