Die Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs) haben den Entwicklungsdiskurs der vergangenen Jahre dominiert. Die acht Ziele im Bereich der Armutsbekämpfung und sozialen Entwicklung bilden den entwicklungspolitischen Referenzrahmen für Regierungen, UN-Organisationen, Wissenschaftler, NGOs und Medien. Das Datum 07.07.2007, die symbolische Halbzeit im MDG-Prozess, bietet dafür einen guten Anlass. Beim UN-Millenniumsgipfel im Jahr 2000 wurden die Ziele vereinbart, bis zum Jahr 2015 sollen die meisten von ihnen verwirklicht werden. Zeit für einen Rückblick, eine Zwischenbilanz und einen Ausblick auf die zweite Halbzeit. Der vorliegende Report will diese drei Zwecke erfüllen.
Im ersten Teil zeichnet er im Zeitraffer nach, wie sich der entwicklungspolitische Diskurs hin zu den MDGs in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Er beschreibt die MDGs als Versuch, die konkurrierenden Entwicklungskonzepte von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank einerseits und Vereinten Nationen andererseits miteinander zu versöhnen.
Der zweite Teil befasst sich mit dem konkreten Stand der MDG-Umsetzung. Was wurde bisher bei der Bekämpfung von Hunger und Armut und der Förderung von Gesundheit, Bildung und Geschlechtergerechtigkeit erreicht? Wo gab es die die größten Fort- bzw. Rückschritte? Angesichts der weiterhin katastrophalen Lage in vielen Ländern des Südens, vor allem in Afrika, kommt der Report zu dem Schluss, dass die Halbzeitbilanz der MDGs ein doppeltes Armutszeugnis für die Regierungen darstellt: Ein Armutszeugnis für die Regierungen des Nordens, die bislang weder in ihrer Handels- und Finanzpolitik zu substantiellen Zugeständnissen bereit waren, noch die notwendigen finanziellen Ressourcen zur Armutsbekämpfung als fresh money bereitgestellt haben. Und ein Armutszeugnis für viele Regierungen des Südens, die ihre Politik häufig nicht auf die Bekämpfung der Armut, die Überwindung sozialer Disparitäten und die Mobilisierung heimischer Ressourcen ausgerichtet haben.
Der dritte Teil formuliert unter dem Slogan »MDG plus« eine Agenda für die zweite Halbzeit, die sowohl an den politischen als auch an den konzeptionellen Defiziten bei der bisherigen Verwirklichung der MDGs ansetzt. Der Report macht unter anderem Vorschläge zur Erweiterung des MDG-Katalogs, zur Einführung zusätzlicher, aussagekräftigerer Indikatoren und zur verbindlichen Verankerung entwicklungspolitischer Ziele für den Norden.
Herausgegeben von terre des hommes und Global Policy Forum Europe, September 2007
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»Armutszeugnis. Die Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen. Halbzeitbilanz - Defizite - Perspektiven«
Vorwort
1 Der Weg zu den MDGs
2 Armutszeugnis - Halbzeitbilanz der MDGs
MDG 1: Einkommensarmut und Hunger bekämpfen
MDG 2: Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung
MDG 3: Gleichstellung der Geschlechter fördern
MDG 4: Senkung der Kindersterblichkeit
MDG 5: Verbesserung der Gesundheit von Müttern
MDG 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten
MDG 7: Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit
MDG 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft
Fazit
3 MDG plus - Agenda für die zweite Halbzeit
1. Den Zielkatalog erweitern: Von den MDGs zur »Matrix of Development Goals«
2. Verbindliche Ziele für den Norden formulieren: Ziel 7 und 8 konkretisieren
3. Zusätzliche Indikatoren einführen, alternative Indikatoren entwickeln
4. Die Ziele an den Entwicklungsstand der Länder anpassen
5. Perspektivwechsel: von den Zielen zu den Wegen
6. Integration der MDGs in umfassende Entwicklungsstrategien
Literatur
Internetseiten
Abkürzungen
Kasten 1 Die Entwicklungsdekaden und Internationalen Entwicklungsstrategien der UN
Kasten 2 Deklarationen für eine neue Weltwirtschaftsordnung
Kasten 3 Die Millenniumsentwicklungsziele
Kasten 4 Kritik an den MDGs (1): Schwache Ziele
Kasten 5 Kritik an den MDGs (2): Blindheit gegenüber Verteilungsfragen
Kasten 6 Kritik an den MDGs (3): Technokratisches Armutsmaß
Kasten 7 Kritik an den MDGs (4): Quantität vor Qualität
Kasten 8 Kritik an den MDGs (5): Verengtes Entwicklungsverständnis
Kasten 9 Kritik an den MDGs (6): Verantwortung des Nordens bleibt vage
Kasten 10 Die hochverschuldeten armen Länder (HIPCs).
Kasten 11 MDG plus - Elemente einer Matrix der internationalen Entwicklungsziele
Kasten 12 Zusätzliche Indikatoren für MDG 3 (Gleichstellung der Geschlechter) - Vorschlag des Millenniumprojekts
Tabelle 1 Die 20 Länder mit der höchsten Einkommensarmut
Tabelle 2 Fort- und Rückschritte bei der Grundschulbildung.
Tabelle 3 Fort- und Rückschritte bei der Kindersterblichkeit
Tabelle 4 Länder mit der schlechtesten medizinischen Betreuung von Geburten
Tabelle 5 Marktzugangsbeschränkungen gegenüber Exporten aus Entwicklungsländern
Tabelle 6 Länder mit hoher Abhängigkeit von Zolleinnahmen
Grafik 1 Zahl der Unterernährten in Entwicklungsländern
Grafik 2 Extreme Armut in China
Grafik 3 Anteil der Menschen, die von weniger als 1 US-Dollar am Tag leben
Grafik 4 Zahl der Menschen, die von weniger als 2 US-Dollar am Tag leben
Grafik 5 Regionale Trends in der Grundschulbildung
Grafik 6 Anspruch und Wirklichkeit der Alphabetisierung
Grafik 7 Der Index zur Gleichstellung der Geschlechter 2007
Grafik 8 Geschätzte Zahl der HIV-infizierten Personen 2006
Grafik 9 ODA-Quote 1960 bis 2006
Grafik 10 Öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) 2001-2006 mit und ohne Schuldenerlasse