923 Millionen Menschen haben chronisch Hunger, wie aus dem Welthunger-Index 2008 hervorgeht, den das Washingtoner Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) und die Welthungerhilfe herausgeben. 907 Millionen davon leben in Entwicklungsländern.
Vor drei Jahrzehnten galten fast 30 Prozent aller Einwohner in Entwicklungsländern als unterernährt, 1992 waren es 20 Prozent, heute sind es rund 17 Prozent. Da aber gleichzeitig die Weltbevölkerung wuchs, ist die absolute Zahl der Hungernden fast konstant geblieben, seit ein paar Jahren nimmt sie sogar wieder zu.
Vom Hunger sind besonders Afrika und Südasien betroffen. In den Ländern südlich der Sahara ist etwa ein Drittel der Menschen chronisch unterernährt. Die Lebensmittelkrise verschärft sich noch durch steigende Preise für Grundnahrungsmittel. In manchen Regionen werden Anbauflächen oder Ernteerträge für die Gewinnung von Agrarsprit verwendet. Hinzu kommen lang anhaltende Dürreperioden und Kriege, die die Nahrungsmittelknappheit verschärfen.
Ein weiterer wichtiger Grund für Unterernährung ist Armut. Menschen, die immer Hunger haben, werden anfällig für Krankheiten, sind dauernd erschöpft, müde und unkonzentriert. Ihnen fehlt die nötige Energie, sich selbst aus diesem Teufelskreis zu befreien.
Auch auf Kinder hat chronische Unterernährung gravierende Auswirkungen. Der heranwachsende Körper benötigt besonders viele Mineral- und Eiweißstoffe. Darunter leidet sowohl die geistige als auch die körperliche Entwicklung: Werden diese Mineral- und Eiweißstoffe nicht im ausreichenden Maße über die Nahrung geliefert, werden die Knochen brüchig und das Immunsystem schwach. Leichte Krankheiten enden dann häufig tödlich. Eine vergleichende Studie zum Entwicklungsverlauf nord- und südkoreanischer Kinder hat herausgefunden, dass die nordkoreanischen Kinder, die häufiger hungern als die südkoreanischen, deutlich kleinwüchsiger als diese waren.
Das Kinderhilfswerk terre des hommes setzt sich dafür ein, Kindern eine Zukunft ohne Hunger, ohne Unterdrückung, ohne seelische und materielle Not zu ermöglichen. Das unmittelbare Überleben eines Menschen hängt vor allem von drei Dingen ab: Sicherheit, Nahrung und Wasser. Unterernährung und der Mangel an sauberem Trinkwasser verursachen eine Vielzahl von Mangelerscheinungen und Krankheiten und führen häufig zum Tod.
Der Anteil der unternährten Menschen konnte in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesenkt werden. Um das angestrebte Ziel des UN-Millenniumsgipfels 2000 zu erreichen, bis zum Jahr 2015 die absolute Zahl der Hungernden zu halbieren, sind allerdings noch große Anstrengungen auf internationaler Ebene erforderlich. Nur Lateinamerika und die Karibik haben bei der derzeitigen Entwicklung Chancen, die Millenniumsentwicklungsziele in diesem Punkt zu erreichen.