
Weltweit lebten 2007 nach Angaben der Vereinten Nationen rund 33,2 Millionen Menschen - darunter 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren - mit HIV/AIDS. Die Infektionsraten sind in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Im Jahr 2007 infizierten sich nach Angaben von UNAIDS fast 2,5 Millionen Menschen neu, das sind täglich fast 6.800 Personen.
Seit AIDS 1981 zum ersten Mal diagnostiziert wurde, starben bereits 25 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwäche. Täglich kostet AIDS 600 bis 1.000 Südafrikanern das Leben. In Deutschland sterben im Jahr rund 650 Menschen an Aids. Laut UNAIDS starben 2007 weltweit etwa 2,1 Millionen Menschen an AIDS.
Man schätzt, dass es global etwa 15 Millionen Kinder unter 15 Jahren gibt, deren Eltern aufgrund der Immunschwäche gestorben sind; 12,1 Millionen Kinder davon leben in Afrika südlich der Sahara. UN-Schätzungen zufolge, werden bis 2010 rund 18 Millionen Kinder in Afrika ihre Mutter, ihren Vater oder beide Eltern durch AIDS verloren haben.
Mehr als 90 Prozent der HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern. Am stärksten betroffen sind bisher die Länder südlich der Sahara: 22,5 Millionen Menschen in dieser Region sind HIV-positiv. In Ländern wie Botswana oder Swasiland betragen die Infektionsraten mehr als 20 bzw. 30 Prozent. Die zahlenmäßig meisten HIV-Positiven leben in Südafrika und Indien.
In Asien beginnt sich die Epidemie neben Indien besonders in Indonesien (vor allem in der Provinz West-Papua) und Vietnam auszubreiten. Laut UNAIDS waren 2007 insgesamt rund 4,9 Millionen Menschen in Asien HIV-positiv.
Unter AIDS versteht man das letzte Stadium einer HIV-Infektion (Human Immunodeficiency Virus). Krankheitserreger, mit denen sonst das Immunsystem spielend fertig wird, können nicht mehr richtig bekämpft werden. Das HIV ist ein Retrovirus, das seinen genetischen Code in die DNA seines Wirts kopiert.
Das Virus ist extrem wandelbar, es kann innerhalb weniger Wochen 15 Prozent seines Erbguts verändern. Das macht es so schwierig, einen (wirksamen) Impfstoff gegen AIDS zu entwickeln. Mit dem HI-Virus infizierte Menschen können über Jahre mit dem Virus leben, ohne von der Ansteckung zu wissen. In Industrieländern dauert es nach einer Infektion durchschnittliche zehn Jahre, bis sich erste Symptome einstellen. Erst mit Ausbruch der Krankheit spricht man von Acquired Immune Deficiency Syndrome (erworbenes Immunschwächesyndrom), AIDS. Im Endstadium kommt es zu einem nahezu völligen Zusammenbruch der körpereigenen Abwehr.
Die Übertragung erfolgt durch Blut, Sperma, kontaminierte Spritzen und Injektionsnadeln (intravenöser Drogengebrauch) sowie von der Mutter auf das Kind. Das Risiko der Übertragung bei infizierten Müttern ist eins zu drei. Die häufigsten Infektionswege sind ungeschützte heterosexuelle Kontakte und homosexuelle Kontakte unter Männern.
Eine HIV-Infektion wird durch eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen das Virus festgestellt (HIV-Test). Ein positives Ergebnis muss durch einen Bestätigungstest überprüft werden. Der HIV-Test kann jedoch keine Aussage über eine Infektion in den letzten Wochen vor dem Test machen. Noch immer hat in den Entwicklungsländern nur ein Teil der infizierten Menschen Zugang zu diesem Test beziehungsweise nehmen ihn viele Menschen nicht in Anspruch. Zwischen dem Befund »HIV-positiv« und der Diagnose »AIDS« liegen Jahre. In armen Ländern, wo die Menschen mangel- und unterernährt sind und es an medizinischer Versorgung fehlt, dauert diese latente Phase in der Regel drei bis acht Jahre.
Für HIV-Infizierte gibt es heute Medikamente, die die Vermehrung des Virus in den befallenen Zellen hemmen. Für eine effektive Therapie muss man drei bis vier verschiedene Medikamente kombinieren und sie konsequent und lebenslang anwenden. Erst dann kann das Fortschreiten der Erkrankung in einem gewissen Maß zum Stillstand gebracht werden und es verbessert sich die Lebensqualität. In den Industrieländern konnten so die zeitnahen Todesfälle um bis zu 70 Prozent reduziert werden.
Bei der antiretroviralen Therapie handelt es sich um eine lebenslange Behandlung, die exakt nach Anweisungen des Arztes bzw. der Ärztin eingenommen und bei der die Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden müssen. Ist das Immunsystem geschädigt, kommt es zu begleitenden Krankheiten, so genannten opportunistischen Infektionen. Es handelt sich dabei um Lungenentzündung, Infektionen durch Pilze sowie Bakterien, Durchfallerkrankungen und Tuberkulose. Untersuchungen belegen, dass gute Ernährung und die konstante Zufuhr von biologisch wichtigen Spurenelementen wie Zink oder Selen stabilisierend auf das Immunsystem wirken und als Unterstützung der Therapie dienen. Die Einnahme von Medikamenten muss daher auch von einer ausgewogenen Ernährung begleitet werden - eine Bedingung, die in vielen Entwicklungsländern nicht gegeben ist.
Die medizinische Behandlung HIV-positiver Kleinkinder wird mit einer reduzierten Dosis der Medikamentierung für kranke Erwachsene durchgeführt. Die Nebenwirkungen dieser Therapien können insbesondere bei Kindern jedoch gravierend sein. In den Industrieländern hat sich in den letzten Jahren das klinische Bild der kindlichen HIV-Infektion von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit entwickelt. Die Situation steht jedoch in krassem Gegensatz zu den meisten Entwicklungsländern, wo aufgrund von fehlendem Zugang zu Medikamenten eine HIV-Infektion für den Großteil der Kinder tödlich verläuft.
Inzwischen sind therapeutische Maßnahmen für HIV-positive Kinder international zum Thema geworden und die UN forderten Anfang 2005 entscheidende Schritte zur Weiterentwicklung von kindgerechten Behandlungsmethoden.

Auf internationalen Druck - und aufgrund der Aktionen der südafrikanischen Menschenrechtsbewegung Treatment Action Campaign (TAC) - haben die multinationalen Pharmakonzerne die Preise für die Antiretroviralen Medikamente (ARV) für Afrika auf etwa 1.000 Euro pro Jahr und Patient bzw. Patientin drastisch gesenkt. Im Sommer 2003 kündigten Pharmakonzerne weitere Preissenkungen für die ärmsten Entwicklungsländer an und zwar auf 0,86 Euro pro Tagesdosis. Damit näherten sie sich deutlich den Preisen von günstigeren Kopieprodukten (Generika) an.
Knapp ein Drittel der Menschen, die in den Entwicklungsländern mit HIV/AIDS leben, werden derzeit laut UNAIDS mit antiretroviral wirksamen Medikamenten versorgt. In Afrika wird sogar nur jede fünfte Person mit entsprechenden Medikamenten versorgt. Für die Mehrheit der Betroffenen, die mit knapp einem Euro am Tag ihre gesamten Lebensbedürfnisse abdecken müssen, sind Medikamente immer noch unerschwinglich. Die 40 ärmsten Länder der Welt geben pro Kopf und Jahr für ihre Gesundheitsversorgung etwa zehn US-Dollar aus.
In ländlichen Gebieten fehlt es oft an ärztlicher Betreuung und einem begleitenden Counselling, einer psychologischen Begleitung. Einer großzügigen Verfügbarkeit von ARV-Generika stehen im Prinzip die Patentregelungen des TRIPS-Abkommens der WTO entgegen. Das Abkommen sollte von 2005 an in allen Mitgliedsstaaten der WTO in Kraft treten. TRIPS verknüpft globale Handelsregeln mit dem internationalen Patentrecht (unter anderem. Patentschutz für 20 Jahre). Es gibt jedoch Ausnahmeregelungen, die auch bei der Doha-Konferenz 2001 bekräftigt und zugleich eingeschränkt wurden: Ärmere Staaten könnten im Falle eines nationalen Gesundheitsnotstands generische Medikamente selbst produzieren oder einkaufen. Doch die Höhe, der dann immer noch an die Rechteinhaber zu zahlenden Lizenzgebühren bleiben in jedem Einzelfall strittig. Und der grenzüberschreitende Handel ist untersagt.
Nach dem Einlenken der USA wurde im August 2003 in Genf eine WTO-Vereinbarung getroffen - ein Kompromiss, der als Interimslösung gilt. Demnach können Entwicklungsländer künftig Generika importieren, ohne gegen WTO-Regeln zum »Schutz geistiger Eigentumsrechte« zu verstoßen. Somit wird auch die Praxis legalisiert, mit der Pharmafirmen bereits jetzt gestaffelte Nachlässe auf ihre Vertriebspreise in einzelnen Ländern gewähren. Zudem existiert eine WTO-Rechtsgrundlage für die Verfolgung von Re-Exporten.
Die südafrikanische Regierung, die lange die Abgabe verbilligter HIV/AIDS-Medikamente abgelehnt hatte, stimmte Mitte November 2003 der Gratisabgabe durch den staatlichen Gesundheitsdienst zu. Nach Aushandlung einer Lizenz mit dem Patentinhaber Bristol-Meyers-Squibb kann Südafrika nun günstigere antiretrovirale Medikamente produzieren. An HIV-positive Schwangere und Opfer sexualisierter Gewalt werden vermehrt Medikamente abgegeben.