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Schule im Krieg - Bildung für den Frieden

Interview mit Matilde Quintero Valencia von FEDES (Fundación para la Educación y el Desarrollo) aus Kolumbien
Matilde Quintero Valencia
Matilde Quintero Valencia, Mitarbeiterin von FEDES
Foto: Knut Henkel

Bildung ist in vielen Ländern des Südens ein Sprungbrett aus der Armut. Wie sieht es in Kolumbien aus, wo formell ein Recht auf Bildung besteht?

Kolumbien hat ein zweigeteiltes Bildungssystem. Dem öffentlichen steht ein teilweise sehr teures und gutes privates Bildungsangebot gegenüber. Generell ist die Ausbildung für viele Kolumbianer der Weg aus der Armut. Doch die meisten Kolumbianer kommen an die qualitativ gute Ausbildung kaum heran, weil sie sich die privaten Universitäten nicht leisten können und die öffentlichen nicht ausreichend Plätze haben. Ein Grund, weshalb es die so genannten Garagenuniversitäten von schlechter Qualität gibt.

Welche bildungspolitischen Herausforderungen sehen Sie in Kolumbien?

Bildung sollte auch in Kolumbien ein Grundrecht sein, wie es die Verfassung von 1991 vorsieht und kein Geschäft. In Kolumbien gehen längst nicht alle Kinder zu Schule. Es gibt viele Kinder, die sich prostituieren, die kriminell werden, weil sie keine Chance bekommen oder arbeiten müssen. Ihnen wird die Bildung vorenthalten und damit auch die Chance auf ein anderes Leben. Sie wachsen mit Gewalt und Unterdrückung auf.

Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle?

Außerhalb der Hauptstadt und vor allem in den ländlichen Regionen ist die Situation schlimm. Es gibt manchmal nicht einmal Schulen, oftmals müssen die Kinder mehrere Stunden gehen, um zum Unterricht zu kommen und viele Schulen haben sich in Festungen verwandelt. Ein Beispiel ist die Gemeinde Hormiga, im Süden des Landes im Departamento Putumayo. Dort arbeiten wir an einer Schule, in die Kinder aus den umliegenden Dörfern kommen. Wir setzen auf friedliche Konfliktlösungsstrategien, fördern Diskussion und Auseinandersetzung.

Doch das ist alles andere als einfach, denn direkt neben der Schule wurde eine Kaserne errichtet. Die Gegenwart dieser Soldaten macht uns die Arbeit schwer, denn sie werden von den Kindern und Jugendlichen als Autoritäten angesehen und die Mädchen himmeln die jungen Männer in Uniform förmlich an. Immer wieder gibt es Mädchen, die von den Soldaten geschwängert und dann mit dem Kind sitzen gelassen werden.

Wird der Krieg von den jungen Soldaten verherrlicht?

Ja und die Jungs werden so an den Krieg herangeführt. Die Hemmschwelle sinkt und wir haben immer wieder Fälle registrieren müssen, wo Jugendliche von den bewaffneten Akteuren, den Paramilitärs und der Guerilla, angeworben wurden.

Welche Rolle spielt die Armut in den Regionen?

In Departamentos wie Putomayo oder Nariño ist die wirtschaftliche Situation erbärmlich und ein wesentlicher Grund für die Abwanderung. Doch die Menschen aus diesen Regionen haben es auch in den großen Städten schwer, denn sie werden stigmatisiert, sind schlecht qualifiziert und haben es schwer Arbeit zu finden. Viele landen in den Elendsvierteln von Cali, Medellín, Cartagena oder Bogotá.

Klingt wie ein Teufelskreis…

Ja, und dann tauchen wieder die Anwerber der Paramilitärs auf und winken mit Statussymbolen wie dem Handy, der Waffe, Prestige und einem Gehalt.

Was kann Konfliktlösungstraining da bewirken?

Wir versuchen den Kindern Respekt für die Menschenrechte beizubringen, und zeigen, wie man Konflikte auch lösen kann. Das trägt dazu bei, das Klima in den Klassen zu verbessern und wird von den Lehrern aufmerksam registriert. Unser Ziel ist es auf allen Ebenen des Bildungssystems Menschenrechtsarbeit einzuführen, um dem Kreislauf der Gewalt eine friedliche Alternative entgegenzusetzen.

Dazu arbeiten wir mit konkreten Beispielen aus dem familiären Alltag der Kinder und Jugendlichen. Kinder begreifen recht schnell, dass sie Verantwortung übernehmen und Lösungen finden müssen, die auch den anderen nicht in die Ecke stellen.

Das Interview führte Knut Henkel


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