»Wir Kinder sind keine Krieger«
Fünf Jahre nach Verabschiedung des Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention hat Kolumbien, so die nationale »Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten«, erheblichen Nachholbedarf. Zwar konnten in den letzten sechs Jahren knapp 3000, schätzungsweise etwa 15% der Kindersoldaten in Rehabilitationsprogrammen aufgenommen und betreut werden. Doch:
Erstens sehen die Rahmengesetze zur Demobilisierung von illegalen bewaffneten Akteuren weitgehende Straffreiheit für militärische Befehlshaber vor, die für Zwangsrekrutierungen von Kindern und Jugendlichen verantwortlich sind. Das widerspricht dem Prinzip der Strafverfolgung.
Zweitens widerspricht die Tatsache, dass von den geschätzten circa 2000 ehemaligen Kindersoldaten in Reihen der Paramilitärs nur 185 bei den Demobilisierungen an die zuständigen staatlichen Stellen übergeben wurden, der Verpflichtung, geeignete Rehabilitationsmaßnahmen zu ergreifen, um die Rechte dieser Minderjährigen wiederherzustellen.
Drittens stehe die Erhöhung der Strafandrohung auf bis zu 8 Jahre Gefängnis für ehemalige Kindersoldaten im neuen kolumbianischen Kinder- und Jugendgesetz im Widerspruch zur Auffassung, dass Kindersoldaten in erster Linie als Opfer anzusehen seien. Darüber hinaus kontrastieren die erhöhten Strafen für die Jugendlichen mit der weitgehenden Straflosigkeit für die militärisch Verantwortlichen der illegalen bewaffneten Gruppen.
Viertens widerspricht der Einsatz von Kindern und Jugendlichen im Rahmen militärischer Aktionen durch den Staat, und sei es als Informanten, Geist und Buchstaben des Zusatzprotokolles.
Quelle: Coalición contra la vinculación de niños, niñas y jóvenes al conflicto armado en Colombia
Erklärung der Kinder und Jugendlichen
Vom nationalen Treffen von Kinder- und Jugendgruppen der kolumbianischen Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten, 9.-12. Februar 2007
Wir Kinder und Jugendlichen aus Antioquia, Arauca, Cauca, Chocó, Córdoba, Cundinamarca, Bolívar, Norte de Santandér, Valle, Santandér, Meta y Putumayo stellen zum V. Jahrestag des Inkrafttretens des Zusatzprotokolls zur Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten fest:
- Die zunehmende Präsenz bewaffneter Gruppen, die Rekrutierungsversuche, der Autoritarismus, der Männlichkeitskult, die Diskriminierung, die Kontrolle des Privatlebens, die Angst, das Duckmäusertum und die Manipulation durch die Massenmedien tragen zur Militarisierung der Gesellschaft bei.
- Die direkte und indirekte Rekrutierung von Kinder und Jugendlichen durch die bewaffneten Gruppen ist immer noch an der Tagesordnung.
- Das Recht auf Schulbildung, Gesundheit, würdige Arbeit, das Recht, nicht aus seiner angestammten Region vertrieben zu werden, und das Recht auf Freizeit werden vom Staat verletzt, weil er nicht dafür sorgt, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen gute und effiziente Betreuung bekommen.
- Die staatliche Politik der Demobilisierung von Kindersoldaten sieht nicht ihre ganzheitliche Entwicklung vor.
- Häufig werden Schulen, Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen und kulturelle Einrichtungen von bewaffneten Gruppen als Lager benutzt und so zu militärischen Zielen.
- Die fehlenden Chancen für ein würdiges Leben erhöhen die geschlechtsspezifische Gewalt (Misshandlung in der Familie, Sex-Tourismus, ungewollte Schwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten, u.a.)
Deshalb fordern wir Mädchen, Jungen und Jugendlichen Kolumbiens:
- Dass der kolumbianische Staat seiner Verantwortung nachkommt und Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung, kostenlose Gesundheitsversorgung, das Recht nicht vertrieben zu werden, Arbeitschancen, eine würdige Behausung und Freizeitmöglichkeiten zukommen lässt.
- Dass der kolumbianische Staat Strategien entwickelt, die verhindern, dass Kinder und Jugendlichen aufgrund des bewaffneten Konfliktes rekrutiert, vertrieben oder an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden.
- Von den bewaffneten Gruppen, dass sie sich von den Räumlichkeiten fern halten, die für die Erfüllung der Rechte von Kindern und Jugendlichen grundlegend sind, wie Schulen, Plätze, Freizeitanlagen, Kultur- und Sozialprojekte, Privatwohnungen, Betreuungs- und Bildungseinrichten… so wie es das humanitäre Völkerrecht vorsieht.
- Dass die bewaffneten Gruppen alle Kinder und Jugendlichen aus ihren Reihen entlassen.
- Dass sie keine Kinder und Jugendlichen mehr weder direkt noch indirekt rekrutieren
- Von der Zivilgesellschaft fordern wir, dass sie Mechanismen entwickelt, die eine aktive und wirkungsvolle soziale Beteiligung der Kinder sicherstellen, und die vom Krieg betroffenen Kinder und Jugendlichen begleiten und schützen.
- Dass die Zivilgesellschaft landesweit gegen jedwede Form der Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen mobil macht.