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Auf eigenen Füßen stehen

Das Projekt SHARE in Uitenhage/Südafrika
Von Martina Schwikowski
Neues Zuhause: Jungen bei SHARE
Foto: Martina Schwikowski

Das harte Leben auf der Straße ist für die Kinder und Jugendlichen im »Lukhanyiso-Heim« nur noch eine Erinnerung. Eine verblasste, aber prägende Zeit. Das Herumlungern in verlassenen Gebäuden, das Schlafen auf dreckigen Böden, das Betteln an Straßenecken. Und das ständige Schnüffeln an der Klebstoff-Flasche, um die Frustrationen des Alltags auf der Straße zu vergessen.

In der ehemaligen Unterkunft für Arbeiter aus ländlichen Gebieten in Port Elizabeth haben 40 Kinder ein neues Zuhause gefunden. Hier haben sie nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern sie erleben einen geordneten Alltag. »Es ist kein Ort für freche Kinder«, sagt Nominise Gogo, Leiterin des Heimes für Straßenkinder. Disziplin und Verantwortung sind die wichtigsten Lernziele, die im »Lukhanyiso-Heim« vermittelt werden sollen. Sozialarbeiter betreuen die Kinder, doch am Wochenende sind die Eltern wieder gefragt. »Dort läuft nicht immer alles rosig ab«, sagt Gogo, und oftmals kommen Kinder voller Ärger zurück. Die Konflikte, die sie bei den Eltern erleben, werden dann im Heim aufgearbeitet.

Die Erfolge der Arbeit sind sichtbar: Die Schulzeugnisse der Kinder beeindrucken in der Regel durch gute Noten. Geleitet wird das Heim von der Organisation SHARE (Selfhelp and Resource Exchange). 1991 begann deren Arbeit mit der Betreuung von drei Straßenkindern. »Damals gaben wir ihnen nur einen Platz zum Schlafen«, sagt Gogo. Aber in den vergangenen Jahren hat sich die Einrichtung zu einem anerkannten Heim entwickelt, in dem Kinder im Alter zwischen vier und 18 Jahren lernen, ihr Leben zu bewältigen. »Es ist oft anstrengend«, sagt Sozialarbeiter Khaya Bonaphi. »Aber wir haben die Vision, ihnen beizubringen, auf eigenen Füßen zu stehen.«

Sozialer Sprengstoff

In manchen Fällen kehren Kinder zurück auf die Straße. »Dann suchen wir sie auf und versuchen, eine neue Lösung finden«, sagt der 34-jährige Bonaphi. Doch den meisten Kindern gefällt das neue Leben mit Unterricht und Spiel, mit Tanz- und Kulturprogrammen im Heim ohnehin besser als der Alltag auf der Straße. Gemeinsam mit den Sozialarbeitern arbeiten sie auf eine Eingliederung in ihre Familien hin.

Die Eltern sind oft arm, die hohe Arbeitslosigkeit wirkt sich aus und Alkohol, sexueller Missbrauch und Vernachlässigung der Pflichten gegenüber den Kindern sind an der Tagesordnung. Der soziale Zündstoff ist gewaltig: Viele junge Mädchen versuchen, mit so genannten »sugar-daddies« einen Ausweg aus der Misere zu finden. Sie freunden sich mit älteren verheirateten Männer an, die ihnen modische Kleidung gegen Sex kaufen.

»Die Herausforderungen sind groß«, fasst Heimleiterin Nominise Gogo die Situation zusammen. »Doch wir wissen, dass sich unsere Arbeit lohnt.«


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