Binnenvertriebene sind im eigenen Land auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Sie werden nicht als Flüchtlinge anerkannt, da sie die Grenzen ihres Heimatlandes nicht verlassen. Laut der Genfer Flüchtlingskonvention gilt nur als Flüchtling, wer eine internationale Grenze übertritt. Flüchtlinge haben mit dem UN-
In der Regel sind es bewaffnete Auseinandersetzungen, in deren Folge es zu Vertreibungen kommt. Auf den Philippinen geraten Menschen zwischen die Fronten der Bürgerkriegsparteien und müssen ihre Dörfer verlassen. In Ländern wie Kolumbien, Burma oder Kongo gehören Vertreibungen zur Kriegsstrategie: In Kolumbien entvölkern vor allem paramilitärische Gruppen ganze Siedlungsgebiete, eignen sich das Land an und wandeln es in Plantagen um, beispielsweise um Ölpalmen oder Koka anzubauen. Auch wenn die dort lebenden Menschen über Landtitel verfügen, legalisiert die Regierung den Landraub in vielen Fällen nachträglich. In Burma setzt das Regime Vertreibungen gezielt ein, um ethnische Minderheiten zu unterdrücken. Viele Hunderttausende sind bereits durch den bewaffneten Konflikt vertrieben worden. Auch sogenannte Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte sind oft Auslöser gewaltsamer Vertreibungen. In Burma sind beim Bau von Staudämmen tausende Familien aus ihren Dörfern vertrieben und diese anschließend überflutet worden. terre des hommes unterstützt die Menschen, sich gegen geplante Dämme zur Wehr zu setzen.
Vertriebene müssen auf ihrer Flucht große Strapazen auf sich nehmen. Viele kommen dabei um. Oft müssen sie lange Strecken ohne Essen oder Wasser marschieren, werden von bewaffneten Gruppen verfolgt und geplündert, Frauen und Mädchen werden vergewaltigt. Den Kindern, die durch Krieg heimatlos geworden sind, drohen besondere Gefahren: Unterernährung und Krankheit, Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten durch die Kriegsparteien, der Verlust der Familie und schwere Traumatisierungen.
In manchen Kriegsgebieten finden Menschen Zuflucht in Notunterkünften und Lagern. In anderen retten sie sich in die Wildnis oder fliehen in die Slums der Großstädte. Manchmal sind dies Zwischenstationen auf einer jahrelangen Odyssee, doch oftmals auch Endstation. So sind die Slums an den Rändern der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá in den letzten Jahrzehnten explosionsartig gewachsen. Doch die Situation in den Slums oder Lagern ist nicht einfach. Unterernährung und mangelbedingte Krankheiten sind weit verbreitet, die Sterblichkeitsrate ist hoch, es gibt kaum Arbeit. Die Kinder bekommen keine Ausbildung, und so bleiben oft nur wenige Alternativen: Anschluss an die bewaffneten Gruppen, Kriminalität; vielen Frauen und Mädchen scheint Prostitution der einzige Ausweg. Damit sie bessere Perspektiven haben, erhalten Kinder und jugendliche Vertriebene in vielen terre des hommes-Projekten Schulunterricht oder eine berufliche Ausbildung. Besondere Probleme haben Kinder, die ethnischen Minderheiten angehören. Sie verlieren mit der Vertreibung oft auch ihre kulturelle und sprachliche Identität. Überlieferte Sitten und Gebräuche können nicht mehr gelebt und vermittelt werden.
Wenn die Kampfhandlungen eingestellt worden sind, stellt sich vielen Familien die Frage nach einer Rückkehr in die Heimat. Doch bei weitem nicht alle möchten zurückkehren. In der ursprünglichen Heimat erwarten die Rückkehrer zerstörte Gebiete, in denen Schulen, Krankenhäuser und Arbeit fehlen. Manchmal ist das Land auch von anderen in Besitz genommen worden, und die Vertriebenen haben kaum eine Chance, ihren Grund und Boden zurückzubekommen. Wegen dieser schlechten Aussichten ziehen es beispielsweise in Kolumbien viele Vertriebene vor, in den städtischen Slums zu bleiben. Doch in einigen Ländern werden die Vertriebenen gegen ihren Willen zur Rückkehr gezwungen, auch wenn die Voraussetzungen für eine dauerhafte Wiederbesiedlung ihrer Heimat - beispielsweise wegen nicht geräumter Minen - nicht erfüllt sind.