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Indien: Gefahren am Strand

Spielende Jungs am Strand
Ihr Spiel soll unbehelligt bleiben
Foto: terre des hommes

Die malerischen Strände von Goa ziehen viele Menschen an: Touristen wie auch verarmte Familien und Kinder aus dem Landesinneren. Die einen suchen Erholung - und nicht selten auch sexuelle Ablenkung. Die anderen suchen ein Auskommen - als billige Arbeitskräfte in der boomenden Tourismusbranche.

Ricardo ist einer von denen, die Erholung suchen. Jeden Tag ist er am Strand und hält nach Kindern Ausschau. Und das nicht vergeblich - denn die Kinder mögen Ricardo sehr und freuen sich, wenn er da ist. Er scherzt und lacht mit ihnen, schenkt ihnen Süßigkeiten und kennt all ihre Namen. Spielerisch jagt er sie über den Strand, und manchmal stolpern sie und wälzen sich mit Ricardo im Sand. Um den wieder abzuwaschen, hilft ein erfrischendes Bad in den Fluten des Indischen Ozeans, wo sich Ricardo und die Kinder lachend nass spritzen.

Die Offenheit der Kinder wird ausgenutzt

Doch es gibt Menschen, die überhaupt nicht froh sind, dass Ricardo so schön mit den Kindern spielt. Denn Ricardo, der in Wirklichkeit anders heißt, steht im Verdacht, seine pädophilen Neigungen an indischen Kindern befriedigen zu wollen. »Wir beobachten Ricardo seit einiger Zeit. Er zeigt die typischen Verhaltensmuster pädophiler Täter«, sagt Greg da Rosa, Mitarbeiter der Kinderschutzorganisation Jan Ugahi in Goa. »Er nutzt die Neugierde und Offenheit der Kinder aus, macht ihnen kleine Geschenke und sucht die scheinbar unabsichtliche körperliche Berührung mit ihnen.« Noch konnte ihm kein Missbrauch von Kindern nachgewiesen werden, doch die Mitarbeiterinnen von Jan Ugahi, die die Kinder am Strand betreuen und unterrichten, sind wachsam.


Junge vor Hütten am Strand
Wanderarbeiter wohnen mit ihren Familien am Strand
Foto: terre des hommes
Service für die Urlauber

Denn seit zunehmend mehr Touristen in das Urlaubsparadies an der Westküste Indiens kommen, zieht es auch immer mehr Familien aus den nördlicheren Bundesstaaten Karnataka und Maharashtra nach Süden. Wo für den Tourismus gebaut wird und Urlauber Service wünschen, gibt es Arbeit. Die Familien wohnen in Blechbehausungen direkt an den Stränden oder im ständig wachsenden Slum der Distrikthauptstadt Margao. Meist müssen die Kinder zum Unterhalt der Familien beitragen und arbeiten in Restaurants, verkaufen Souvenirs oder massieren Touristen am Strand. Dort sind sie dem wachsenden Zustrom pädophiler Touristen, die sich gerade diesen Kindern gezielt nähern, oft schutzlos ausgesetzt.


Gruppe von Mädchen
Lernen wie man sich vor pädophilen Tätern schützt
Foto: terre des hommes
Kinder vor Missbrauch schützen

Dass die indische Regierung aus Furcht vor negativen Auswirkungen auf den Tourismus in Goa nicht deutlichere Zeichen gegen den pädophilen Sextourismus unternimmt, sorgt bei den Mitarbeitern von Jan Ugahi für Empörung. »Denn letztlich«, so Greg da Rosa, »ist unter den Touristen nur ein kleiner Teil Pädophiler. Etwas gegen diese zu unternehmen, würde den Tourismus in Goa insgesamt keinesfalls schädigen.« Jan Ugahi kümmert sich um die Kinder: Mehr als 300 von ihnen nehmen jährlich an Schul- und Ausbildungsprogrammen teil, um sie vor Ausbeutung und Verwahrlosung zu bewahren.

Zudem steht die Organisation in engem Kontakt mit den Behörden, wenn es darum geht, Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs aufzuklären. Doch letztlich, so Greg da Rosa, ist mehr erforderlich als das Verfolgen einzelner Fälle: Jan Ugahi fordert einen nationalen Plan der indischen Regierung zum Kampf gegen Pädophilen-Tourismus und zum Schutz der Kinder. Damit diese eines Tages mit Erwachsenen am Strand spielen können, ohne dass es Anlass zur Sorge gibt.

terre des hommes unterstützt die Organisation Jan Ugahi mit 14.000 Euro.

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