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Kambodscha: Schutz im Frauenhaus

Bar in einem Touristenviertel
In den Bars und Nachtclubs der Touristenviertel sind Minderjährige einfach und billig zu bekommen
Foto: terre des hommes

Wenn Sreina ihre Geschichte erzählt, füllen sich ihre Augen mit Tränen. Viele Erinnerungen würde das Mädchen aus Kambodscha am liebsten verscheuchen, doch zu tief haben sich die Bilder und Gefühle des Erlebten eingegraben: Sreinas Geschichte handelt davon, wie sie in ein Bordell verkauft und dort missbraucht wurde.

Für die 16-Jährige schien alles so gut anzufangen: »Eine Frau kam in die Hütte meiner Großmutter, bei der ich lebte, seit meine Mutter tot ist. Diese Frau bot mir einen Job in Thailand an, als Nudelverkäuferin.« Umgerechnet 70 Euro hätte Sreina monatlich bekommen. Viel Geld für jemanden, der in einer kambodschanischen Kleinstadt lebt. Kambodscha gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Fast 30 Jahre dauerte der Bürgerkrieg und hat eine schwere Hypothek hinterlassen. Soziale Institutionen, Schulen, Tempel und Märkte wurden zerstört, ebenso wie Familien und Dorfgemeinschaften.

Weil es kaum Arbeit gibt und Eltern Mühe haben, den Lebensunterhalt der Familien zu sichern, ist es selbstverständlich, dass Kinder ebenfalls fürs Geldverdienen zuständig sind. Bevor die unbekannte Frau auftauchte und von einem Job in Thailand erzählte, hatte Sreina in ihrem Heimatort Poipet Geld damit verdient, Waren über die Grenze zu schleppen. Durch Poipet verläuft der Grenzübergang nach Thailand, und der Ort ist dafür bekannt, dass dort alles Erdenkliche gehandelt wird: Stoffe, Haushaltswaren, landwirtschaftliche Produkte - und eben auch Kinder. Denn es gibt viele Jungen und Mädchen, die froh wären, könnten sie ihre Familie unterstützen oder sich Dinge leisten, die sie sonst nur im Fernsehen sehen. Und es gibt viele Menschen, die diese Sehnsüchte ausnutzen. Statt einer bezahlten Arbeit in der Gastronomie wartete auf Sreina in Thailand die Zwangsprostitution. Versuchte sie sich zu widersetzen, wurde sie brutal bestraft.


Mädchen an einer Nähmaschine
Neustart ins Leben: Mädchen und Frauen erlernen handwerkliche Fähigkeiten
Foto: terre des hommes
Neue Perspektiven geben

Doch Sreina gehört zu den wenigen Mädchen, denen es schließlich gelang, ihren Ausbeutern zu entkommen. Eine Passantin hatte Mitleid mit ihr und kaufte ihr ein Busticket nach Kambodscha. Dort wurden Polizisten auf sie aufmerksam und brachten sie zum Cambodian Women’s Crisis Center (CWCC), einer Hilfsorganisation für gehandelte und misshandelte Frauen und Mädchen. CWCC wurde mit der Unterstützung von terre des hommes 1997 in Phnom Penh gegründet und unterhält mittlerweile vier Schutzzentren im Land. Hier wird Mädchen wie Sreina geholfen, das Grauen ihrer Vergangenheit zu verarbeiten und den Weg zurück ins Leben zu finden.

Dafür ist es wichtig, dass sie über ihre Erlebnisse sprechen können. Rollenspiele helfen, die Mauer des Schweigens, die die Opfer um sich herum errichtet haben, zu brechen«, erklärt Chanthol Oung, Mitbegründerin und Direktorin von CWCC. Für die Genesung ist die psychologische Betreuung neben der medizinischen Hilfe wesentlich. Ergänzend dazu haben die Frauen und Mädchen die Möglichkeit, lesen und schreiben sowie berufliche Fähigkeiten zu erlernen, um sich darüber eine Perspektive für die Zukunft aufzubauen. Wenn die äußeren Umstände es zulassen und die Mädchen es möchten, werden sie nach sechs Monaten, von Team-Mitgliedern begleitet, in ihre Dörfer zurückgebracht.


Frauengruppe
Das Frauenhaus garantiert Zuflucht und Schutz
Foto: terre des hommes/Bernd Rasing
»Es verändert sich etwas«

Doch die Mitarbeiter von CWCC wissen, dass das Problem des Handels und der Ausbeutung von Minderjährigen nur dann eingedämmt werden kann, wenn sich auch die Rahmenbedingungen verändern. Deshalb arbeiten sie eng mit den zuständigen Ministerien und der Polizei zusammen, betreuen die Opfer vor Gericht und machen die Fälle mit Hilfe der Zeitung publik. Freiwillige und Polizeioffiziere werden ausgebildet, um in den Dörfern über die Gefahren des Kinderhandels und die Tricks der Schlepper aufzuklären. »Als wir unsere Arbeit aufnahmen, galt der Missbrauch von Frauen und Kindern in Kambodscha als normal oder nicht erwähnenswert, über den Kinderhandel sprach keiner«, berichtet Chanthol Oung. Doch diese Haltung hat sich dank der Mühen von CWCC und anderer Menschenrechtsorganisationen in den letzten Jahren verändert. Politiker und Menschen debattieren diese Themen und werden aktiv, Zeitungen und Fernsehen warnen vor den Gefahren und stellen die Täter an den Pranger. Für ihre Arbeit hat Chanthol Oung 2001 den Magsaysay Award gewonnen, in Asien eine Auszeichnung mit ähnlichem Stellenwert wie der Friedensnobelpreis.

»Diese gesellschaftliche Resonanz bestätigt uns und gibt uns Kraft für die viele Arbeit, die noch vor uns liegt.« Und Chanthol Oung weiß wovon sie spricht: Eine Studie von CWCC ergab, dass allein in Phnom Penh 14.000 Frauen und Mädchen in der Sexindustrie tätig sind. 57 Prozent von ihnen sind durch falsche Versprechungen oder Verkauf dorthin gelangt und 30 Prozent von ihnen sind unter 18 Jahren. Tausende Mädchen wie Sreina.

terre des hommes unterstützt die Organisation CWCC mit 76.272 Euro

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