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»Sinnvolle Hilfe«

Interview mit terre des hommes-Schirmherrin Dagmar Berghoff




Dagmar Berghoff besucht das Projekt CREP in Vietnam

Frau Berghoff, Sie haben Hilfsprojekte von terre des hommes in aller Welt besucht und dort sehr viele Menschen getroffen. Welche Begegnung ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Ich erinnere mich gleich an unsere erste Reise nach Vietnam. Wir landeten in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem ehemaligen Saigon. Dort besuchten wir das Krankenhaus CREP, in dem körperlich behinderte Kinder behandelt werden. Bei diesem Besuch habe ich Chinh kennen gelernt. Chinh ist inzwischen etwa 40 Jahre alt. Sie wurde als Fünfjährige während des Vietnam-Krieges durch einen Bombensplitter verletzt, querschnittsgelähmt, und dann von terre des hommes nach Hamburg ausgeflogen. Hier wurde sie in ein Krankenhaus gebracht und hat später auch in Hamburg eine Pflegefamilie gefunden. Insgesamt war Chinh sechs Jahre in Deutschland. Sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung, die mich wirklich fasziniert hat. Ohne terre des hommes wäre Chinh gestorben. Bei dieser Begegnung habe ich intensiv gespürt, wie wichtig die Arbeit von terre des hommes ist.

Sie sind Schirmherrin des Kinderhilfswerks terre des hommes. Was sind eigentlich die Aufgaben einer Schirmherrin?

Eine Schirmherrin ist auf verschiedenen Veranstaltungen, wie beispielsweise Pressekonferenzen von terre des hommes, dabei. Sie moderiert Galas oder auch Versteigerungen für ihre Organisation. Sie erzählt etwas über terre des hommes und nimmt, wenn es gut geht, einen schönen Scheck entgegen, der dann den Projekten von terre des hommes zugute kommt. Außerdem macht sie Lesungen, wo immer das gewünscht wird. Und sie ist auch manchmal bei Projektreisen dabei, arbeitet hinterher einen Vortrag darüber aus, und den hält sie, wo immer auch die Organisation das wünscht.

Die Schirmherrschaft für terre des hommes haben Sie 1997 übernommen, das war noch während ihrer aktiven Zeit bei der Tagesschau. Was hat Sie damals zu diesem Schritt bewogen?

Ich kannte terre des hommes. Die Bilder des Vietnam-Krieges gingen damals ja um die Welt, und ich habe es immer sehr bewundert, unter welchen Gefahren die terre des hommes-Mitarbeiter dort gearbeitet haben. Heute arbeitet terre des hommes in 29 Ländern dieser Welt. Ich unterstütze terre des hommes, weil ich denke, dass Kinder weltweit eine gute Schulausbildung erhalten und richtig ernährt werden sollten. Auch der Kampf gegen Kindesmissbrauch und gegen Kindesmisshandlungen sind Ziele, mit denen ich mich durchaus identifiziere. Und ich denke, wenn eine Organisation eine Schirmherrin hat, die ein bisschen bekannt ist, dann kommt das auch der Organisation zugute. Also glaube ich, dass es gut ist, dass wir beide uns haben: terre des hommes und ich, und ich und terre des hommes.

Sie haben sich auf Ihren Reisen immer wieder von der Arbeit von terre des hommes überzeugt.
In Südostasien haben Sie Projekte besucht, in denen terre des hommes Kindern Schutz vor Kriegsfolgen und Gewalt bietet. Welchen Eindruck haben Sie von dieser Arbeit gewonnen?

Ich war natürlich darauf vorbereitet, dass mich ganz viel Leid und Elend erwarten würde, und so war es dann auch. Aber es gab auch die andere Seite: Ich habe fröhliche, spielende Kinder erlebt. Sogar in Ho-Chi-Minh-Stadt, wo wir eine Frauenklinik besucht haben. Hier hat uns die Leiterin über die Auswirkungen von Agent Orange berichtet, das ist dieses Pflanzengift, das dort während des Krieges versprüht worden ist. Noch immer kommen Kinder mit schweren Missbildungen zur Welt - bis in die dritte Generation. Diese Kinder werden ohne Arme oder ohne Beine geboren, oder sie haben schlimmste Missbildungen im Gesicht. Auf dem Gelände dieser Frauenklinik steht das »Haus des Friedens«. Dort werden 40 solcher Kinder behandelt. Als wir dort ankamen, feierte gerade ein kleines dreijähriges Mädchen Geburtstag, mit vielen anderen zusammen. Sie hatte eine Prothese, aber sie raste da durch die Menge und freute sich und lachte und strahlte, und mit ihr auch die anderen. Da dachte ich: Es ist schön, dass es für Kinder auch solche Augenblicke geben kann. In einem solchen Haus, das ja von terre des hommes unterstützt wird. Und so war ich wieder ganz überzeugt von meiner Arbeit für terre des hommes.

Ein neuer Schwerpunkt der Arbeit von terre des hommes ist der Kampf gegen den internationalen Kinderhandel. Sind Sie dieser Problematik auf Ihren Reisen auch begegnet?

Ja, und zwar auf der zweiten Projektreise, die uns ins südliche Afrika führte. In Mosambik ist uns das Problem eigentlich indirekt begegnet. Da gab es neben der riesigen Müllhalde von Maputo, das ist die Hauptstadt von Mosambik, ein Zentrum für Kinder, in dem Kinder ab vier essen können, sich duschen können, Sportunterricht, Schulunterricht bekommen und auch kleine Sachen nähen können, die sie dann später verkaufen. Als dieses Zentrum eingerichtet wurde, wunderten sich die Mitarbeiter, dass nicht ein einziges Kind kam. Bis sich herausstellte, dass es gerade zu diesem Zeitpunkt sehr viele Entführungen in der Gegend gegeben hatte. Die Eltern hatten Angst, dass in dem Zentrum schlimme Dinge passieren. Die Mitarbeiter mussten also erst einmal große Aufklärungsarbeit leisten. Heute werden in diesem Zentrum täglich etwa 160 Kinder versorgt. terre des hommes unterstützt in Mosambik noch weitere Organisationen, die versuchen, Aufklärung gegen den Kinderhandel zu leisten. Ich muss sagen: Das ist eine ganz wichtige Aufgabe.

Wenn Sie jemand fragen würde, warum es sich lohnt, für terre des hommes zu spenden - was wäre Ihre Antwort?

Ich habe mit eigenen Augen das Leid gesehen, und ich habe gesehen, wie Projekte helfen können. Insofern bin ich vollkommen überzeugt von der Arbeit, und ich weiß, dass sie sinnvoll und dringend notwendig ist. terre des hommes benötigt Geld, um die Projekte gegen Kindesmissbrauch und Kinderhandel, für eine psychologische Betreuung von Kindersoldaten und viele andere Initiativen zu unterstützen. Mich hat auch sehr beeindruckt, wie sich die einheimischen Partner, mit denen terre des hommes zusammenarbeitet, engagieren. Und diese Hilfe geht weiter: Wer einmal Hilfe erhalten hat, wird später selbst zum Helfer. Ich kann zu diesem Engagement nur sagen: Dafür lohnt es sich zu spenden. Da muss man einfach dabei sein.

In Deutschland klagen derzeit viele Menschen über die wirtschaftliche Situation und über andere Probleme. Sehen Sie diese Klagen in einem anderen Licht, nachdem Sie auf ihren Reisen die Not und das Elend in der Dritten Welt gesehen haben?

Es geht vielen Menschen auch bei uns nicht gut, und ich kann verstehen, wenn Menschen ängstlich sind in dieser Zeit, gerade wenn sie arbeitslos werden und nicht wissen, wie es in ihrer Zukunft weitergeht. Und trotzdem dürfen wir die andere Seite nicht vergessen: die Kinder in der Dritten Welt, die keine Chance auf irgendeine Zukunft haben, wenn wir ihnen nicht helfen.

Mit Ihrem Engagement für terre des hommes unterstützen Sie ein Kinderhilfswerk. Warum setzen Sie sich speziell für Kinder in der Dritten Welt ein?

Kinder sind unsere Zukunft. Kinder sind das Wichtigste, was wir haben, Kinder müssen geschützt werden, zum Beispiel vor den Folgen eines Krieges, den Erwachsene ausgelöst haben. Die Kinder sind immer die Leidtragenden. Und Sie sind die Schwächsten unserer Gesellschaft: Für sie müssen wir da sein.

terre des hommes heißt übersetzt Erde der Menschlichkeit. Wie sieht für Sie eine Erde der Menschlichkeit aus?

Eine Erde der Menschlichkeit ist eine Erde, in der Menschen friedlich miteinander leben, in der Kindern eine gute Schulbildung geboten wird, in der alles getan wird, damit sie ihre Möglichkeiten verwirklichen können. Ich wünsche mir eine Welt, eine Erde der Menschlichkeit, in der alle miteinander reden, in der es keine Kriege mehr gibt und in der es Kindern gut geht.

Frau Berghoff, vielen Dank für das Gespräch.

Spendenkonto terre des hommes
Kontonummer 700 800 700
Volksbank Osnabrück e.G.
BLZ 265 900 25
Weitere Spendeninformationen sowie die Möglichkeit zur Online-Spende finden Sie unter www.tdh.de/spenden/.


Die Fragen stellte Matthias Felling


Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: E-Mailpresse@tdh.de

Weitere Informationen / Links

Ihr Ansprechpartner bei terre des hommes ist Wolf-Christian Ramm, Telefon (05 41) 7101-158, eMail: E-Mailc.ramm@tdh.de.

Gern vermitteln wir Ihnen auch einen direkten Interviewtermin mit Frau Berghoff.

Service

Dokumente

Wir bieten Ihnen dieses Dokument als Word-Datei in einer Kurzfassung (51 KB, 3400 Zeichen) sowie einer Langfassung (43 KB, entspricht dem Online-Text, 8600 Zeichen) an.

Medien

Zusätzlich zur Druckversion stellen wir Ihnen das Interview mit Dagmar Berghoff auch als MP3-Datei zum Download für Radiosender zur Verfügung. Die Ausstrahlung ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns zu informieren: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail E-Mailpresse@tdh.de. Für andere Formate (zum Beispiel WAV-Datei) setzen Sie sich bitte mit unserer Pressestelle in Verbindung, wir helfen Ihnen gerne weiter.

Fotos


Einsatz für Kinder: Dagmar Berghoff im Projekt CREP in Vietnam

Foto: Michael Wiese / face to face
Kompression: JPG/JFIF
Format/Auflösung: 1325 x 2068 Pixel, 300 DPI
Abdruck honorarpflichtig, bitte wenden Sie sich an das terre des hommes-Pressereferat


Flüchtlingskinder aus Angola: Dagmar Berghoff besucht Kinder in einem Flüchtlingslager

Foto: face to face
Kompression: JPG/JFIF
Format/Auflösung: 2068 x 1357 Pixel, 300 DPI
Abdruck honorarpflichtig, bitte wenden Sie sich an das terre des hommes-Pressereferat.


Einsatz für Kinder: Dagmar Berghoff mit der zwölfjährigen Sy Nan in Kambodscha

Foto: face to face
Kompression: JPG/JFIF
Format/Auflösung: 945 x 1433 Pixel, 240 DPI
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Weiteres Bildmaterial (honorarfrei) stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.


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