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Freunde fürs Leben

Südafrika: Hilfe für AIDS-Opfer



Ungewisse Zukunft: Thando (Mitte) und seine Brüder und Schwestern
Foto: Claudia Berker

Thando ist fünf. Wie viele Kinder in diesem Alter ist der kleine südafrikanische Junge etwas schüchtern gegenüber Menschen, die er nicht kennt. Verlegen spielt er mit einer Plastikflasche und schielt zu seinen ältesten Geschwistern herüber. Mit ihren neun und zehn Jahren verstehen diese zwar auch nicht genau, wer die fremden Besucherinnen eigentlich sind. Aber sie ahnen, dass es um etwas Ernstes geht: Wie der Gesundheitszustand des Vaters sei, warum die Mutter die Familie verlassen habe, ob die sechs Kinder genug zu essen bekämen und die Älteren zur Schule gingen, fragt eine der Frauen und macht sich Notizen.

Dass es dem Vater schlecht geht, dass er eine Krankheit hat, die ihn immer schwächer werden lässt, das weiß auch Thando. Dass diese Krankheit der Grund ist, warum seine Mutter weggegangen ist, weiß er nicht. Nun kümmert sich seine achtjährige Schwester um die Babys, sein ältester Bruder macht die Wäsche, und wenn es dem Vater gut genug geht, übernimmt er das Kochen. Arbeiten kann er nicht mehr – seitdem fehlt auch das Geld für den Schulbus.

Das Leben verändert sich schnell – selbst, wenn man erst fünf Jahre alt ist.

Übermächtiger Gegner

Thandos Familie lebt in Alexandra, einem der ältesten und elendsten Townships an den sich täglich weiter ausfransenden Rändern Johannesburgs, wo das Leben ohnehin wenig barmherzig ist. Hohe Arbeitslosigkeit und Frust über fehlende Chancen prägen die Atmosphäre. Mit AIDS ist ein übermächtiger Gegner hinzugekommen.

Wie fast überall in Ländern mit hohen HIV-Infektionsraten ist es vor allem Armut, die die Ausbreitung der Immunschwäche begünstigt. In Alexandra sind fast alle arm. Und so gibt es in den meisten der kleinen Behausungen, die wie zerfledderte Streichholzschachteln dicht an dicht auf die Hügel dieses Verlierer-Stadtteils gedrückt scheinen, traurige Geschichten zu hören.

Die freiwilligen Mitarbeiter der kleinen Organisation »Friends« kennen besonders viele dieser Geschichten. Tagtäglich besuchen die in der Mehrzahl weiblichen Ehrenamtlichen Familien wie die von Thando und helfen bei der Bewältigung eines Alltags, der von einer tödlichen Krankheit zersetzt wird. Sie putzen, bringen Essen, waschen AIDS-Kranke und sorgen dafür, dass Kinder nach der Schule ein warmes Mittagessen im Zentrum von »Friends« erhalten.

»Care givers« steht auf ihren blauen T-Shirts, und so werden diese freiwilligen Helfer überall im Land genannt. »Ohne die Fürsorge solcher Leute, die selbst meist aus armen Verhältnissen kommen, wäre die Situation vieler Kranker häufig noch verzweifelter«, erklärt die Sozialarbeiterin Emily Thokozile, eine dynamische Endvierzigerin, die der Organisation »Friends« beratend zur Seite steht.

Häufig brauchen die Familien auch Hilfe dabei, ihre Rechte geltend zu machen: »Eltern können für Kinder bis 14 Jahre Geld vom Staat bekommen, ebenso Erwachsene, die ein Waisenkind bei sich aufnehmen. Doch dafür muss eine Geburtsurkunde vorgelegt werden. Das kann allerdings Monate dauern und ist mit großem bürokratischen Aufwand verbunden«, erklärt Judith Mthombeni, Mitarbeiterin des Kinderhilfswerks terre des hommes.

Kampf gegen das Stigma

AIDS schafft seit Jahren neue Wirklichkeiten. Aber auch für die, die ihnen tagtäglich begegnen, ist es schwer, sich daran zu gewöhnen: Emily und den Freiwilligen von »Friends« öffnen sich Türen, hinter denen ein Zehnjähriger seine Mutter pflegt oder ein ehemals »Halbstarker« apathisch auf seinem Bett liegt. Wo ein alter Mann mit einem ausgemergelten Sohn von Mitte 30 in zwei dunklen Räumen mit nur allernötigster Ausstattung lebt. Tuberkulose habe sein Sohn, sagt der 70-Jährige leise, während der Kranke weint. Beide müssten von der winzigen Seniorenrente leben, niemand koche für sie. Die Kleidung des Alten ist fleckig, besteht aber aus Hemd, Pullunder und Krawatte. Sehr würdevoll wirkt das in dieser elenden Umgebung. Und es ist vielleicht dieser verbliebene Stolz, der es ihm unmöglich macht zu sagen, dass sein Sohn AIDS hat.

»Wer HIV-positiv ist oder einen AIDS-Kranken in der Familie hat, verschweigt dies oft aus Scham und Angst vor Ausgrenzung«, erklärt Sozialarbeiterin Emily. Der Kampf gegen AIDS ist daher immer auch ein Kampf gegen das Stigma. Denn wer seinen Zustand verleugnet oder sich aus Angst vor dem Ergebnis und seinen sozialen Folgen erst gar nicht testen lässt, verbreitet das Virus weiter und hat keine Chance auf medizinische Hilfe. Mittlerweile wächst die Zahl der Menschen, die eine Behandlung mit so genannten anti-retroviralen Medikamenten erhalten. Diese stärken das Immunsystem und mildern die Symptome der Krankheit.

Auch in Alexandra gibt es seit einiger Zeit eine Klinik, die HIV-Patienten behandelt. Zu ihnen gehört inzwischen auch Thandos Vater. Durch die Therapie ist der 38-Jährige sichtlich kräftiger geworden. Nun sucht er gemeinsam mit den Mitarbeitern von »Friends« nach Wegen, wie seine Kinder wieder den Unterricht besuchen können. Nächstes Jahr könnte auch Thando eingeschult werden. Doch bis dahin kann sich in seinem Leben noch einiges verändern.

Claudia Berker


terre des hommes fördert derzeit mehr als 80 Aufklärungs- und Hilfsprojekte zu HIV/AIDS weltweit. Dazu zählen Programme zur Unterstützung von Waisenkindern, zum Beispiel durch Einkommens- und Ausbildungshilfen, Beratung von HIV-positiven Menschen, Informationskampagnen für gefährdete Bevölkerungsgruppen und Schulungen für Freiwillige in häuslicher Krankenpflege. Sie können diese Arbeit unterstützen:

Spendenkonto terre des hommes
Kontonummer 700 800 700
Volksbank Osnabrück e.G.
BLZ 265 900 25
Weitere Spendeninformationen sowie die Möglichkeit zur Online-Spende finden Sie unter www.tdh.de/spenden/.

Fakten und Zahlen zu HIV/AIDS

Weltweit lebten 2005 nach Angaben der Vereinten Nationen rund 40 Millionen Menschen – darunter 2,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren – mit HIV/AIDS. Täglich infizieren sich nach Schätzungen von UNAIDS fast 14.000 Personen neu.

Mehr als 90 Prozent der HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern. Am stärksten betroffen sind bisher die afrikanischen Länder südlich der Sahara: 25,8 Millionen Menschen in dieser Region sind HIV-positiv.

Im südlichen Afrika wurde laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis Mitte 2005 rund eine halbe Million Menschen mit virushemmenden Medikamenten (Antiretroviraler Therapie, ART) versorgt – damit werden jedoch zum Teil nicht einmal zehn Prozent der Behandlungsbedürftigen erreicht.

In Südafrika sterben pro Tag 600 bis 1.000 Menschen an AIDS und begleitenden Krankheiten – zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 600 AIDS-Tote pro Jahr.

In Südafrika und Indien leben die meisten HIV-Positiven auf der Welt, mehr als fünf Millionen Menschen sind dort jeweils infiziert.

Weltweit gibt es etwa 14 Millionen Kinder unter 15 Jahren, deren Eltern auf Grund der Immunschwächekrankheit gestorben sind; ein Großteil dieser Waisen lebt in Afrika. Bis 2010 werden schätzungsweise 18 Millionen Kinder in Afrika ihre Mutter, ihren Vater oder beide Eltern durch AIDS verloren haben.

UN-Meeting zum Thema AIDS

31. Mai - 2. Juni 2006, New York

Der UN-Generalsekretär wird der Generalversammlung in diesem Jahr einen Bericht über die Fortschritte im Kampf gegen AIDS präsentieren, die bis zum Jahresende 2005 erreicht werden konnten.

Daneben wird über die Aktionspläne der Mitgliedsstaaten gegen die Verbreitung von HIV/AIDS und zur Unterstützung der Betroffenen beraten.

Das »High Level meeting« wird alle Sektoren der internationalen Gemeinschaft einbeziehen: Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.




Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: E-Mailpresse@tdh.de

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hre Ansprechpartnerin bei terre des hommes: Claudia Berker, Telefon (05 41) 71 01-111, eMail: E-Mailc.berker@tdh.de.

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Ungewisse Zukunft: Thando (Mitte) und seine Brüder und Schwestern

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»Care Giver« mit Baby: Im Zentrum der Organisation Friends betreuen Frauen tagsüber Kinder des Stadtviertels

Foto: Claudia Berker
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Zuhören und helfen, wo es geht: Die Freiwilligen von Friends unterwegs im Labyrinth der Elendsquartiere Alexandras

Foto: Claudia Berker
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Aus dem Inhalt:

Fakten und Zahlen zu HIV/AIDS

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