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Sinn für MenschlichkeitEl Salvador: Die historischen Gründe einer Katastrophe
Der Tsunami in Asien, der Hurrikan Katrina in den USA, das Erdbeben in Pakistan – große Naturkatastrophen prägten das Jahr 2005. Der Hurrikan »Stan«, der im Oktober über Mittelamerika hinweg zog, geriet da schnell wieder in Vergessenheit. Dabei hatte auch diese Naturkatastrophe furchtbare Folgen für die betroffene Bevölkerung. Stan hinterließ eine Spur der Verwüstung in El Salvador und den Nachbarländern. Zudem brach nach mehreren kleineren Erdstößen der Vulkan Llamatepec aus. Die Menschen in der betroffenen Region waren dringend auf Soforthilfe angewiesen und benötigen weiterhin langfristige Unterstützung beim Wiederaufbau. Seit vielen Jahren ist terre des hommes in El Salvador aktiv und arbeitet mit zahlreichen Partnerorganisationen zusammen. So konnte schon nach kurzer Zeit ein Soforthilfeprogramm anlaufen, mit dem vor allem Lebensmittel in den Katastrophenregionen verteilt wurden. Auch am Wiederaufbau beteiligen sich die Projektpartner von terre des hommes. Nachbarschaftliche SolidaritätAnal Abajo und Cuzamaluco sind zwei Indio-Gemeinden am Fuße des Vulkans Llamatepec. Mehr als 200 Familien leben hier, etwa die Hälfte der Einwohner sind Kinder und Jugendliche. In diesen Gemeinden organisierte terre des hommes in den Wochen nach der Katastrophe ein Soforthilfeprojekt, das von den »Religiösen Schwestern von Nahuizalco« sowie von der lokalen Indio-Organisation ASDEIS getragen wird. Schwerpunkt der Soforthilfe war auch hier die Lebensmittelversorgung. Mehr als 21.000 Euro an Lebensmitteln wurden an die Menschen in den Gemeinden verteilt, weil sie ihre Ernährungsgrundlage verloren haben: Die schwefelhaltige Vulkanasche zerstörte die Felder und Gemüsegärten und damit die wichtigste Einkommensquelle der Menschen. Die anschließenden Regenfälle vernichteten den Mais und die Bohnen, deren Ernte gerade anstand. Eine alternative Tätigkeit, die den Menschen bis zur nächsten Ernte ein Einkommen sichern würde, ist nicht abzusehen. Die meisten Fincas, die sich in der in der Umgebung des Vulkans befinden, sind verlassen. Die Menschen sind während der schweren Regenfälle und der Erdstöße, die den Vulkanausbruch begleiteten, geflohen. »Erdstöße und Regen machten uns schon genug Kummer«, so Armando Guzman, ein Einwohner von Cuzamaluco. »Doch große Felsbrocken drohten, von den Vulkanhängen auf die Häuser herabzustürzen. Und vor einem Felssturz hatten wir Angst, weil die meisten Familien kleine Kinder haben. Wären wir nicht geflohen, wären wir gestorben.« Vertrieben und verarmtEs sind die armen Gemeinden wie Cuzamaluco, die bei Naturkatastrophen besonders verwundbar sind. Um dafür eine Erklärung zu finden, lohnt ein Blick in die Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts, als der Kaffee-Anbau aufkam, wurden die indigenen Gemeinden von ihren traditionellen Siedlungsgebieten vertrieben und gezwungen, sich in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten anzusiedeln. Unter diesem Druck entstanden zahllose Siedlungen, in denen die Gefahr durch Erdrutsche und Überschwemmungen sehr hoch ist. Die neu gegründeten Gemeinden verarmten, und die Bauern sahen sich gezwungen, sich als billige Tagelöhner auf den Kaffee-Plantagen zu verdingen. Das Jahr 1932 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte El Salvadors: Hunger und harte Arbeitsbedingungen trieben die arme Bevölkerung zu einem Aufstand. Die Regierung schlug ihn blutig nieder, tausende Indios wurden ermordet. Aus Angst vor Repressionen wagten die Überlebenden nicht mehr, ihre Sprache zu sprechen, die überlieferten Bräuche zu pflegen und die traditionelle Kleidung zu tragen. Eine uralte Kultur geriet praktisch in Vergessenheit. Heute verfügen die meisten dieser Familien über ein Monatseinkommen von weniger als 60 US-Dollar. Viele leiden unter Mangelernährung. Die dringende Forderung, für die Familien ein neues, sicheres Siedlungsgebiet zu finden, blieb bis heute ohne Reaktion der Regierung. Und der Vulkan Llamatepec verbreitet weiterhin Angst und Schrecken – ein erneuter, schwerer Ausbruch wird nach wie vor erwartet. Es sind vor allem kleine Initiativen und Nichtregierungsorganisationen, die versuchen, die Folgen von Naturkatastrophen und sozialer Ungerechtigkeit zu lindern. Von der Regierung dagegen kam niemals Unterstützung. So mutet der Wahlslogan der konservativen Regierungsparteien beinahe zynisch an: »Un gobierno con sentido humano« – Eine Regierung mit Sinn für Menschlichkeit – klingt gut. Leider bleibt er für die verarmte Landbevölkerung ein reines Lippenbekenntnis. Penélope Estrada Das Kinderhilfswerk terre des hommes leistet Hilfe zum Wiederaufbau nach dem Hurrikan »Stan« in Mittelamerika und fördert über 400 Projekte für Not leidende Kinder in 26 Ländern der Welt. Sie können diese Arbeit unterstützen: Spendenkonto terre des hommes Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: [
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Davongekommen: Überlebende des Hurrikans »Stan« in einer Notunterkunft
Improvisiert: Notunterkunft für »Stan«-Flüchtlinge [
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