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Mamadous lange Reise

Koranschüler werden in Westafrika als Bettler ausgebeutet



Mamadou wird zum Betteln gezwungen - so wie tausende Kinder in Westafrika

»Wie soll ich denn nach Hause kommen?«, fragt Mamadou. »Ich habe kein Geld für die Reise. Und ich muss für meinen Lehrer arbeiten.«

Arbeiten heißt: Betteln. So wie zehntausende anderer Jungen in Westafrika ist der zwölfjährige Mamadou unterwegs, um Geld für seinen »Lehrer« zu sammeln. Die »Talibe« - so werden die bettelnden Koranschüler in Westafrika genannt - gehören zum Stadtbild von Großstädten wie Dakar und Bamako, aber von auch von Provinznestern wie Sikasso. Hier, an der Grenze zwischen Mali und der Elfenbeinküste, ist Mamadou gelandet. Täglich, bis spät in den Abend läuft der zerlumpte Zwölfjährige zwischen Markplatz und Busbahnhof umher und bettelt um Nahrungsmittel und Geld. Er trägt einen roten Plastikeimer mit sich - das Erkennungszeichen der Talibe. Alles was er sammelt, muss er seinem »Koranlehrer« übergeben. Wenn er sein Tagespensum von umgerechnet etwa 50 Cent nicht erreicht, gibt es regelmäßig Prügel.

Mamadous traurige Geschichte begann vor zwei Jahren, als ein Mann in sein Dorf kam und seinen Eltern ein Angebot machte: Der Junge würde zur Schule gehen, lesen und schreiben lernen und schließlich zum Korangelehrten ausgebildet werden. Die Eltern willigten ein, denn im Dorf würde der Junge ein solche Chance nicht wieder bekommen. Sie glaubten, ihr Kind in gute Obhut zu geben.

Doch eine Schule hat der Junge nie gesehen. In Sikasso, weit weg von seinem Dorf, wurde er einem Mann übergeben, der ihn und noch etwa 20 weitere Jungen zum Betteln schickte. Das hat Tradition in islamischen Ländern: Schließlich gehört die Abgabe von Almosen zu den fünf Säulen des Islam: Bescheidenheit und Demut sollen damit erlernt werden.

Religiöse Autorität

Doch dieses religiöse Motiv ist vielfach nur noch ein willkommener Vorwand, um Kinder unter unmenschlichen Bedingungen festzuhalten und als Bettler auszubeuten. Immer mehr falsche Koranlehrer entdecken die Bettelkinder als sichere und bequeme Einnahmequelle. Geschützt werden sie durch die Ehrfurcht vor der religiösen Autorität, die kaum je in Zweifel gezogen wird.. So fällt es leicht, die Eltern mit falschen Versprechungen zu überzeugen. Noch immer ist es ein Tabu in Westafrika, dass viele der bettelnden Talibe tatsächlich Opfer von organisierten Schleppern und Kinderhändlern sind.

Viele der Jungen schlafen nachts auf dem nackten Boden, erhalten mangelhafte Nahrung und keinerlei gesundheitliche Versorgung. So kommt es nicht selten vor, dass Kinder nach jahrelanger Ausbeutung an gefährlichen Krankheiten leiden.

Die Organisation Mali Enjeu setzt sich ein, um Kindern und Jugendlichen in Mali die Chance auf eine bessere Zukunft zu geben. In der Hauptstadt Bamako werden Ausbildungskurse für Mädchen und Jungen aus schwierigen Verhältnissen angeboten. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Mali Enjeu ist der Einsatz gegen den organisierten Kinderhandel. In der Stadt Sikasso wurde ein Zentrum eingerichtet, um die Opfer des Kinderhandels zu betreuen und schließlich nach Hause zu begleiten. Viele malische Kinder und Jugendliche werden auf den Plantagen der benachbarten Elfenbeinküste als Arbeitssklaven unter üblen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Etwa 20.000 Minderjährige, so ermittelte terre des in einer Studie, werden auf diese Weise ausgebeutet.

Mali Enjeu hat sich auch der bettelnden Koranschüler angenommen. »Unsere wichtigste Aufgabe ist die Aufklärung der Öffentlichkeit«, erläutert Hamadoun Tolo, der Projektleiter von Mali Enjeu. In verschiedenen ländlichen Regionen von Mali informieren die Mitarbeiter der Organisation die Menschen über die Gefahren, denen die Kinder ausgesetzt sind. »Es ist ein sehr sensibles Thema, denn die Leute haben einen tiefen Respekt vor den religiösen Autoritäten, und sie können kaum glauben, dass solche Verbrechen an Kindern möglich sind«, erklärt Hamadoun Tolo.

Doch erste Erfolge sind erreicht: Inzwischen ist das Schicksal von Kindern wie Mamadou zu einem öffentlichen Thema in Mali geworden. Auch die Behörden sind auf die Praktiken der »Koranlehrer« aufmerksam geworden, und immer mehr Menschen begreifen, dass sie den Talibe nicht mit einem Almosen helfen können. Vielmehr brauchen die Kinder Schutz vor ihren vermeintlichen Lehrern.


terre des hommes fördert die Arbeit von Mali Enjeu. Im Rahmen der Kampagne »Stoppt Kinderhandel« werden in verschiedenen Ländern Projekte zum Schutz von Kindern vor Menschenhändlern unterstützt.

Spendenkonto terre des hommes
Stichwort »Kinderhandel«
Kontonummer 700 800 700
Volksbank Osnabrück e.G.
BLZ 265 900 25

Weitere Spendeninformationen sowie die Möglichkeit zur Online-Spende finden Sie unter www.tdh.de/spenden/.


Stephan Stolze


Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: E-Mailpresse@tdh.de

Weitere Informationen / Links

Für nähere Informationen zum Thema Kinderhandel wenden Sie sich bitte an Claudia Berker, Tel. (05 41) 71 01-111, eMail E-Mailc.berker@tdh.de.

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Auf unserer Homepage finden Sie mehr Informationen zum Thema Kinderhandel, u.a. ausführliche Hintergrundinformationen zur Kampagne »Stoppt Kinderhandel!«.

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Mamadou wird zum Betteln gezwungen - so wie tausende Kinder in Westafrika

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Bettelnde Koranschüler in Mali

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