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Ein Recht auf Kinderarbeit?Kommentar von Peter Strack, Leiter des terre des hommes-Büros in Cochabamba/Bolivien
Meine in Bolivien aufgewachsene Tochter Julia ist drei Jahre alt. Neulich verteilte sie mit einem Waschlappen gewissenhaft Seife über die Fliesen unseres Bades. Dazu erklärte sie stolz: »Ich kann auch schon arbeiten!« Obwohl sie etwas unter meinen langen Reisen im Auftrag von terre des hommes leidet, hat Julia ein positives Verhältnis zur Arbeit. Sie ahnt, dass sie ihr beschütztes Leben möglich macht. Gleich nebenan wohnt Mario, ein arbeitsloser Bergarbeiter. Für seinesgleichen ist Arbeit Fron. Seine Kinder haben die Altersgrenze von 14 Jahren schon überschritten und dürften legal arbeiten. Trotzdem sollen sie kein Geld verdienen, sondern studieren, sagt Mario. Arbeitslosengeld erhält er nicht, also verdient die Mutter das nötige Geld für die Ausbildung der Kinder mit einem illegalen Billigjob in Europa. Vielen Familien in den Bergwerkszentren Boliviens steht nicht einmal diese Option offen. So werden zahlreiche Kinder und Jugendliche zum Arbeiten auf die Straße oder gar nach Sao Paolo geschickt, um in Textilfabriken zu schuften. Die 50-Stunden-Woche ist hier schon längst Wirklichkeit. Viele leben sogar in den Exportbetrieben. Deren Besitzer geben den Konkurrenzdruck des Weltmarktes rücksichtslos an die Beschäftigten weiter – während die Sklavenhalter früherer Zeiten am Erhalt ihres käuflich erworbenen »Menschenkapitals« interessiert waren, ist der freie Lohnarbeiter auf Grund eines Überangebotes an billigen Arbeitskräften meist leicht zu ersetzen. Solche Ausbeutung ist nicht die Art von Arbeit, auf die die Bewegung erwerbstätiger Kinder auf ihrem Welttreffen jüngst in Berlin Anspruch erhoben hat. Ihre Forderung auf das »Recht zu arbeiten« ist keine Rechtfertigung von moderner Sklavenhalterei. Ihre Wünsche gehen weiter: Um zu verhindern, dass Kinder in sklavenähnliche Verhältnisse abdriften, muss die Sicherung sozialer Standards im Süden wie im Norden verbessert werden. Wirtschaft floriert, wenn die Menschen auch das Geld haben, die Produkte zu erwerben. Das Arbeitsleben sollte daher nicht in erster Linie im Hinblick auf höhere Aktiengewinne organisiert werden, sondern darauf, dass Menschen – Erwachsene wie Kinder – ein erfülltes Leben führen können. Und je würdiger die Arbeitsbedingungen sind, desto eher können die Rechte der Kinder erfüllt werden: Schule, gesunde Ernährung, das Recht, mit angemessenen Arbeiten ihre eigene Entwicklung zu fördern, oder auch das Recht auf Familie. Zum Tag der Abschaffung des Sklavenhandels wünsche ich mir in diesem Sinne eine Trendwende. Dann würden viel mehr Kinder wie Julia wieder ein positives Verhältnis zur Arbeit entwickeln können. Peter Strack Spendenkonto terre des hommes Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: [
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Peter Strack, Leiter des terre des hommes - Büros in Cochabamba / Bolivien [
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