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Silvias ChanceMexiko: Betreuung für geistig Behinderte in Puebla
Über ihre Schreibhefte gebeugt sitzen die Jungen und Mädchen an den hölzernen Schulbänken. Wie an jedem Vormittag steht im Projekt Mateo Quinto Unterricht auf dem Programm. Die einfachen Rechenaufgaben an der Tafel scheinen dem Alter der meisten Jugendlichen nicht angemessen, dennoch tun sie sich schwer. Die 14-jährige Silvia meldet sich, sie hat eine der Aufgaben richtig gelöst. »Wie man das ausrechnet, habe ich schon in der anderen Schule gelernt«, erklärt sie und strahlt dabei. Silvia ist – wie auch die anderen zwölf Jungen und Mädchen – geistig behindert. Silvias Behinderung ist leicht, bis vor drei Jahren besuchte sie eine reguläre externe Schule. »Es war schön, mit anderen Kindern sprechen zu können«, sagt sie, und in ihrer Stimme schwingt Bedauern mit. Da sie jedoch zunehmend Schwierigkeiten bekam, den Lehrinhalten zu folgen, nimmt sie inzwischen am internen Unterricht teil, den eine Sonderpädagogin hält. Diese Maßnahme wurde durch die Unterstützung des Projektes durch das Kinderhilfswerk terre des hommes und den Volkswagen-Konzernbetriebsrat möglich. »Für Sonderunterricht fehlte uns früher einfach das Geld«, so Martha Aquilar, die das Projekt leitet und die Jugendlichen mit viel Einsatz betreut. Sie hat in der Küche das Mittagessen vorbereitet. Es gibt Kartoffeln, Reis und Würstchen. Der Unterricht ist zu Ende, die Jungen und Mädchen kommen in den Essenssaal. Wie selbstverständlich helfen die weniger stark Behinderten denen, die nicht in der Lage sind, allein zu essen. »Die Jugendlichen«, erklärt Marta, »haben eine starke Solidarität untereinander. Jeder hilft mit, so gut er kann. Sonst könnten wir das gar nicht schaffen.« Stoffpuppen und ArmbänderNachmittags stehen kleinere Arbeiten an. In der behaglichen Werkstatt sitzen die Mädchen um einen großen Tisch; manche stecken bunte Glasperlen auf Schnüre und binden Armbänder, andere basteln aus Stoffresten Puppen. Obwohl sie dabei scherzen und singen, arbeiten sie konzentriert. »Den Schmuck und die Puppen«, sagt Silvia stolz, »verkaufen wir einmal in der Woche auf dem Markt. Mit dem Geld kaufen wir Lebensmittel.« Während die Mädchen mit Handarbeit beschäftigt sind, helfen die Jungen den zwei Angestellten des Projektes, das Dach des Gewächshauses zu reparieren, das der letzte Sturm beschädigt hat. Einer der Jungen, Luis, steigt auf das flache Dach und packt mit an. Der Schaden ist schnell repariert. Luis ist seit elf Jahren in Mateo Quinto. Als seine Eltern merkten, dass er geistig zurückgeblieben war, sollte sein alkoholabhängiger Großvater sich um ihn kümmern. Der war jedoch überfordert, gab dem Jungen regelmäßig Alkohol zu trinken, um ihn zu beruhigen. Irgendwann sorgten Nachbarn dafür, dass Luis in Mateo Quinto unterkam. Ein sensibles ThemaAuch Luis ist nur leicht behindert; die Betreuerinnen trauen dem 19-Jährigen am ehesten zu, irgendwann ein eigenständiges Leben zu führen. Bis vor zwei Jahren trug er eine sehr dicke Brille. Als sich der Zustand seiner Augen zunehmend verschlechterte, wurde er operiert. Seitdem braucht er keine Sehhilfe mehr, ist viel selbstbewusster und interessiert sich auch für Mädchen. Allerdings ist Sexualität in Mateo Quinto ein sensibles Thema. Die Mädchen sind fremden Männern gegenüber sehr arglos und zutraulich, was oft ausgenutzt worden ist: Fast alle wurden, bevor sie in das Projekt kamen, missbraucht oder vergewaltigt. Für Luis und Silvia sehen die Betreuerinnen und die Psychologin realistische Chancen, irgendwann ein Leben außerhalb von Mateo Quinto führen zu können. Durch den Sonderunterricht und eine regelmäßige psychologische Betreuung, die auf Resozialisierung hinarbeitet, haben beide in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Doch bis sie das Projekt verlassen können, ist es noch ein langer Weg. Silvia jedenfalls hat schon Pläne, was sie einmal machen möchte: »Ich übe gerade, mit Geld umzugehen. Vielleicht bin ich ja mal soweit, dass ich als Hausmädchen arbeiten kann.« Athanasios Melissis »Eine Stunde für die Zukunft«Kooperation von terre des hommes und dem Volkswagen-KonzernbetriebsratIm Dezember 1999 startete die Aktion »Eine Stunde für die Zukunft« - eine Kooperation des Volkswagen-Konzernbetriebsrates mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes. Hunderttausende von Volkswagen-Mitarbeitern haben seitdem für Straßenkinderprojekte in Brasilien, Mexiko, Südafrika und Deutschland gespendet. Auch die Belegschaften von Skoda in Tschechien, VW do Brasil, VW de México und den AUDI-Werken in Deutschland beteiligten sich tatkräftig an der Spendenaktion, die inzwischen mehr als fünf Millionen Euro erbracht hat. Gefördert werden damit Programme, in denen Straßenkinder Schutz und Beratung, Unterricht und Ausbildung erhalten. Ein Bestandteil der Aktion »Eine Stunde für die Zukunft« ist die Sammlung von »Restcents«: Seit dem Sommer 2003 spenden zahlreiche Volkswagen-Mitarbeiter monatlich die Cents, die auf der Gehaltsabrechnung hinter dem Komma stehen, für die Straßenkinderprojekte. Bernd Osterloh, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG, ruft dazu auf, die Aktion »Eine Stunde für die Zukunft« auch weiterhin tatkräftig zu unterstützen: »Bei Volkswagen ist Solidarität kein leeres Wort. Ich bedanke mich bei allen, die unsere Aktion unterstützen und bitte herzlich, darin nicht nachzulassen.« Spendenkonto terre des hommes Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: [
Weitere Informationen / LinksIhr Ansprechpartner bei terre des hommes: Stephan Stolze, Telefon (05 41) 71 01-124, eMail: [
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Die Bewohner von Mateo Quinto kümmern sich liebevoll um ihre Tiere. Über den Verkauf der Schafe deckt das Projekt einen Teil seiner laufenden Kosten.
Nachmittags steht für die Mädchen Handarbeit an: sie basteln Stoffpuppen und Modeschmuck. Einmal in der Woche verkaufen sie ihre Produkte auf dem Markt im nahen Ort.
Die Jungen werden zu kleineren Arbeiten eingeteilt und helfen mit, die Anlage instand zu halten. [
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