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40 Jahre Menschlichkeit
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Tausendfache EmanzipationBolivien: Der Weg einer Hausangestellten ins Ministeramt
1993 in einem kleinen, bescheidenen Büro mit kahlen Wänden in der indianisch geprägten Einkaufszone von San Pedro in La Paz Bolivien: Besuch von terre des hommes aus Deutschland bei der gerade gegründeten Nationalen Föderation der Hausangestellten Boliviens (FENATRAHOB). Der Händedruck der indianischen Frauen zur Begrüßung war kaum zu spüren. Die Stimmen waren schüchtern und berichteten in leisen Tönen von Misshandlung und Ausbeutung. Manche der jungen Frauen und Mädchen kamen damals nur sonntags mittags aus dem Haus, in dem sie zehn oder zwölf Stunden pro Tag schufteten und in einer Abstellkammer schliefen. Manche warteten jahrelang vergeblich auf einen Lohn, so wie Casimira Rodriguez, die von einem 15-Personen-Haushalt herumkommandiert worden war, bevor sie sich der Organisation anschloss und sich zu wehren lernte. »Wir hätten auch gerne 15 Urlaubstage im Jahr«, sagten die jungen Frauen damals. Sie wollten geregelte Arbeitszeiten und den gesetzlichen Mindestlohn. Dafür hatten sie einen Gesetzentwurf eingebracht. Doch die Politiker nahmen sie 1993 noch nicht ernst. Gerade einmal 500 Mitglieder landesweit zählte die Organisation. Die meisten von ihnen kamen aus La Paz selbst und kannten sich vom Sehen. »Wir brauchen Unterstützung. Aber wir haben nicht einmal ein Telefon. Wie sollen andere da mit uns in Verbindung treten können?« Die Organisation wächstDas Kinderhilfswerk terre des hommes schaffte den Kontakt und hielt die Verbindung über viele Jahre. Heute zählt die Hausangestelltenvereinigung über 3.500 zahlende Mitglieder. Nur noch in einem abgelegenen Landesteil ist die FENATRAHOB nicht vertreten. Es gibt nicht nur Telefon und Internetanschluss, sondern ein ständig besetztes Sekretariat. Die Wände des nationalen Büros sind gepflastert mit Plakaten aus dem In- und Ausland für die Rechte von Frauen, und insbesondere die der Hausangestellten. Ein Plakat stellt die »Supercholita« dar, die weibliche und indianische Version von Supermann – eine Aufklärungsaktion der Hausangestellten in der von starkem Rassismus geprägten Hochlandstadt Sucre. Das »Gesetz zur Regelung der Arbeit in fremden Haushalten« ist seit 2003 verabschiedet. Casimira Rodriguez war eine zentrale Figur in diesem Prozess. Als Vorsitzende der Hausangestellten hatte sie sich unermüdlich der Kritik und den Diskussionen in Zeitung, Radio und Fernsehen gestellt und schließlich Bündnispartner in allen politischen Parteien für die Verabschiedung des Gesetzes im Parlament gefunden. Seit Januar 2006 kann sie sich als Justizministerin in der Regierung von Evo Morales für die Umsetzung engagieren. Eine brüskierte AkademikerschaftDie Berufsverbände gaben sich entsetzt über die Berufung einer Nicht-Juristin ohne Universitätsabschluss in dieses Amt. Rodriguez konterte: »So viele Jahre hattet ihr Doktoren als Justizminister, und was haben sie getan?« In der Tat ist das Rechtswesen Boliviens in einem beklagenswerten Zustand: Verfahren ziehen sich über viele Jahre hin. Tausende Menschen sitzen ohne Gerichtsurteil in Gefängnissen ein, viele von ihnen unschuldig. Wer Geld hat, und sich einen guten Anwalt leisten kann, hat eher Chancen, zu seinem Recht zu kommen. Die Strafverfolgungsbehörden sind zu schlecht ausgestattet, um ihrer Arbeit angemessen nachgehen zu können. Korruption und politische Manipulation von Verfahren waren viele Jahre lang an der Tagesordnung. Die einfache Bevölkerung hat kein Vertrauen in die Justiz. Indianischer SachverstandZur Lösung dieser Probleme hat sich Casimira Rodriguez auf ihre indianischen Traditionen besonnen. Dort steht die Wiederherstellung des Gleichgewichts im Mittelpunkt, nicht die Suche nach Schuldigen und Strafen. Die Stärkung der kulturellen Potentiale zur Lösung von Problemen in einer sich globalisierenden Welt ist ein Prozess, der seit einigen Jahren bei zahlreichen Projektpartnern von terre des hommes in Gang gesetzt worden ist. So zeigt eine jüngst in vier südamerikanischen Ländern von terre des hommes-Projektpartnern erstellte Studie, wie funktionierende traditionelle Gemeinden durchaus imstande sind, strafffällig gewordene Jugendliche wieder auf den rechten Weg zu bringen. Ohne Sozialbehörden und ohne Gefängnisse. Die Verbindung von traditioneller indianischer Rechtsprechung mit der herkömmlichen Justiz ist eine der großen Herausforderungen für Casimira Rodriguez. Ein Feld, auf dem sie mehr Erfahrung einbringen kann als die studierten Vorgänger in ihrem Amt. Peter Strack Das Kinderhilfswerk terre des hommes unterstützt die Föderation der Hausangestellten in Bolivien und fördert rund 500 Projekte für Not leidende Kinder in 25 Ländern der Welt. Sie können diese Arbeit unterstützen: Spendenkonto terre des hommes Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: [
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Einst Hausangestellte - heute Ministerin: Casimira Rodriguez Romero [
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