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40 Jahre Menschlichkeit
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Mit dem Knüppel gegen KinderarbeiterKolumbien: Einsatz für Kinderrechte
Kinderarbeit ist in Kolumbien nicht gern gesehen. Ausmerzen heißt die offizielle Parole, obwohl viele Familien ohne die Hilfe der Kinder kaum überleben können. Kompromisse seien gefragt und nicht rigide Polizeieinsätze wie in Villa Javier, einem Arbeiterviertel im Süden Bogotás, kritisieren Kinderrechtsorganisationen. Filipe ist sieben Jahre und ist jeden Tag auf dem Markt des 20. Juli zu finden. Morgens verkauft er Limonade und Erfrischungsgetränke auf dem Markt des im Süden Bogotás liegenden Stadtteils Villa Javier und nachmittags geht er zur Schule. »Viele Kinder sind dann auf der Straße«, erklärt der Knirps, der seit zwei Jahren seiner Mutter hilft, die Familie über die Runden zu bringen. In Villa Javier und den angrenzenden Stadtvierteln, die erst in den letzten Jahren entstanden sind und in denen sich oftmals Bürgerkriegsflüchtlinge niedergelassen haben, ist das vollkommen normal. »Die Kinder helfen mit, um die Familien über Wasser zu halten«, erklärt Gloria Varela. Die kräftige Marktfrau verkauft Avocados und Früchte auf dem Markt und hat selbst mit sechs Jahren angefangen auf dem Markt zu arbeiten. Sieben Kinder hat sie hier quasi nebenbei aufgezogen. Auf dem Markt haben sie alle gearbeitet. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt keine Alternativen, denn Arbeit ist knapp in Kolumbien. 150 Familien sind es, die auf dem illegalen Markt des 20. Juli ihr Auskommen erwirtschaften, und oft sind die Kinder dabei. »Kindergärten kosten Geld, und wir können die Kinder doch nicht zu Hause einschließen«, sagt Standnachbarin Maribel González, die zugehört hat. Polizeiwillkür gegen KinderarbeitDoch Kinder will die Polizei auf dem Markt nicht sehen - und schon gar nicht arbeitend. Mehrfach sind die Beamten überaus brutal gegen die Marktfrauen und deren Kinder vorgegangen. »Der 13-jährigen Erica hat ein Beamter Tränengas ins Gesicht gesprüht; die siebenjährige Elena wurde mit einem Kabel geschlagen, und oftmals wird den Kindern ihr Handelsgut weggenommen«, erklärt Salomón, Sozialarbeiter von Creciendo Unidos. Diese Kinderrechtsorganisation bietet nicht nur Schule, Aus- und Fortbildung für Kinder und Jugendliche, sondern spricht die Eltern direkt an, damit die ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen. »Der Markt soll nicht die einzige Option der Kinder bleiben«, erklärt der Sozialarbeiter, der seit über 15 Jahren täglich auf einem der Marktflecken von Villa Javier zu finden ist. »Das Ausmerzen der Kinderarbeit, wie es in Kolumbien martialisch genannt wird, ist unrealistisch«, erklärt er. »Die soziale Schere in Kolumbien ist in den vergangenen Jahren weiter auseinander gegangen, und viele Familien sind darauf angewiesen, dass die Kinder etwas dazu verdienen.« Das bestätigten auch die Händler des Marktes vom 20. Juli, wie Gloria Varela: »Wir stehen hier, so lange ich denken kann, und die Stadt hat nie daran gedacht, uns einen anderen Standort anzubieten«, klagt die kräftige Frau. »Doch jetzt verbietet die Polizei den Kindern die Arbeit und wir sind unerwünscht. Dabei ist das ein öffentlicher Platz«, schimpft sie. Wo die Familien des Marktes vom 20. Juli hinsollen, weiß niemand. Und was die rund 90.000 Kinder, die laut Schätzungen der Behörden auf den Straßen Bogotás vom Anhänger bis zur Zigarette alles Mögliche verkaufen, stattdessen machen sollen, darüber sei man sich ebenfalls nicht im Klaren, kritisiert Reinel García von Creciendo Unidos. Alternativen FehlanzeigeNicht nur in Villa Javier wird auf Verdrängung gesetzt, sondern auch in anderen Stadteilen der riesigen Metropole. So pendelt José David Acero zwischen verschiedenen Marktflecken in der Hauptstadt. Seit seinem fünften Lebensjahr arbeitet der schmächtige 21-Jährige auf dem Markt. Auf dem Markt des 20. Juli hat ihn seine Mutter zur Welt gebracht. »Immer wieder werden wir von der Polizei aus dem Zentrum der Stadt vertrieben, oft mit Gewalt«, klagt der junge Mann mit der hellblauen Baseballkappe. Mehrfach hat er sich mit Polizisten angelegt, weil sie die Kinder und vor allem seine Mutter schlecht behandelt haben. »Ich habe einen Beamten angezeigt, als der meine Mutter geschlagen hat«, erzählt der junge Mann. Eine ganze Reihe von Marktfrauen haben aus den Polizeieinsätzen die Konsequenzen gezogen und haben dem Markt des 20. Juli den Rücken gekehrt. Zu ihnen gehört auch Aleja, die dort drei Jahre mit ihrer Mutter arbeitete und zum Markt Covabasto wechselte. Seit sie 13 Jahre alt ist, arbeitet die 19-jährige Frau mit ihrer Mutter am Gemüsestand. Zehn bis 20 Euro verdienen sie im Tagesdurchschnitt, und Aleja spart Geld, um ihr Abitur nachzumachen. Dazu ermuntert sie Salomón von Creciendo Unidos. Mit Unterstützung des Kinderhilfswerks terre des hommes kümmert sich die Organisation auch um die Kinder der Markthändler auf dem Platz. So kommen Lina Martínez, eine jungen Studentin, die früher selbst Süßigkeiten auf der Straße verkauft hat, und Salomón auf den Marktflecken und arbeiten mit den Kindern. Heute steht Basteln auf dem Programm. Dabei lernen die Kinder spielerisch, dass auch sie Rechte haben. Rechte, die in Kolumbien nicht immer respektiert werden. Knut Henkel Das Kinderhilfswerk terre des hommes unterstützt die Arbeit von Creciendo Unidos in Kolumbien und fördert rund 500 Projekte für Not leidende Kinder in 25 Ländern der Welt. Sie können diese Arbeit unterstützen: Spendenkonto terre des hommes Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: [
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»Wir stehen hier so lange ich denken kann«: Marktfrau Gloria Varela
Arbeitendes Kind: Alltag in Lateinamerika
Tägliche Arbeit: Kinderarbeiter auf dem Markt 20. Juli in Bogotá
Tägliche Arbeit: Kinderarbeiter auf dem Markt 20. Juli in Bogotá
Im Projekt Creciendo Unidos gross geworden: Heute unterstützt Lina Paola Martinez (rechts im Bild) die Jüngeren. [
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