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Leben mit AIDSAm 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag
Bongekile ist erst 14 Jahre alt - und schleppt Erfahrungen mit sich, die für ein ganzes Leben reichen. Sie wurde in ihrem Wohnviertel am Rande von Johannesburg vergewaltigt; zwei Jahre ist das her. Für das Mädchen ein Schock mit Folgen: Sie trug das Kind aus, war mit der neuen Aufgabe aber völlig überfordert und brach die Schule ab. Ihr Baby war vier Monate alt, da starb Bongekiles Mutter - an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS. Zum Schluss war die Frau nur noch Haut und Knochen. Der Vater war bereits tot. Bongekile hat keine Geschwister, Verwandte leben weit entfernt auf dem Land. Zu Freundinnen von früher gab es keinen Kontakt mehr. Völlig allein stand das Mädchen da mit ihrem Winzling von Sohn, den sie über alles liebt. Doch Bongekile fand eine Perspektive: Sie traf Thabisile Msezane - und die nahm sie mit in das von ihr gegründete Kinder- und Jugendzentrum Sithabile in Benoni East, einem Vorort von Johannesburg. »Das Haus ist wie ein sicherer Hafen für die 96 Kinder, die viel Leid und Schmerzen ertragen haben«, sagt die Initiatorin des Projektes. Bongekile geht jetzt wieder zur Schule. Ihr Baby musste sie nicht weggeben - Sozialarbeiterinnen passen auf den Kleinen und die anderen zwölf Babys im Haus auf. »Die Schule ist so wichtig, denn ohne Ausbildung sind diese Kinder doch aufgeschmissen«, meint die 49-jährige Thabisile und nennt noch einen weiteren Aspekt: Mittags gibt es dort etwas zu essen. Bleibt davon etwas übrig, geben viele Lehrer den Kindern, die zu Hause kranke Eltern versorgen müssen, die Reste mit. Weil in den Familien die Hauptverdiener ausfallen, mangelt es an allem. AIDS vergrößert die Armut - und wer arm ist, kann sich keine Medikamente, keine gute Nahrung leisten und nimmt Arbeiten an, die gesundheitsschädlich sind. Töchter von AIDS-Kranken prostituieren sich, um für ihre Mütter Arzneimittel kaufen zu können. Erst im August 2003 hat die südafrikanische Regierung von Präsident Thabo Mbeki entschieden, den Millionen AIDS-Kranken mit der Verteilung antiretroviraler Medikamente durch das öffentliche Gesundheitssystem zu helfen Aufklärung und HilfeDie Jungen und Mädchen, die in Benoni East ein neues Zuhause gefunden haben, müssen keine Angst mehr haben, nicht mehr satt zu werden. Zum Projekt gehört ein großer Gemüsegarten, in dem Mais, Kohl, Brokkoli und Spinat angebaut werden. Und die Kinder lernen wieder lachen. In der entspannten Atmosphäre toben sie herum, scherzen und können kreativ sein. Sehr beliebt ist die Theatergruppe. Das zentrale Thema: AIDS. Bei ihren Auftritten in den umliegenden Gemeinden wollen die Jungen und Mädchen die Botschaft weiter vermitteln: Gib AIDS keine Chance, sei achtsam, beuge vor und verhüte. »Es ist schon ein Drama für jede Mutter, wenn sie mit ansehen muss, wie ihr Kind stirbt - aber Kinder, die ihre schwerkranken Eltern bis zum letzten Tag gepflegt haben, vergessen dieses qualvolle Leiden nicht«, sagt Thabisile Msezane. Die ehemalige Lehrerin kennt viele Schicksale. Manchmal kann sie die Tränen nicht zurückhalten. Zum Beispiel, wenn sie von Johannes erzählt. Sie tat alles, um ihn aufzupäppeln. Der Vater des spindeldünnen Elfjährigen war an AIDS gestorben, die Mutter todkrank, als er ins Zentrum kam. Doch auch Johannes starb nach wenigen Monaten. Wahrscheinlich war er bei der Geburt infiziert worden. Das Risiko der Mutter-zu-Kind-Übertragung von HIV beträgt zwischen 25 und 45 Prozent; in Südafrika werden jedes Jahr 70.000 Neugeborene infiziert. Bei rund der Hälfte könnte das Medikament Nevirapin eine Infektion mit dem Immunschwächevirus verhindern - wenn man es kurz vor der Geburt der Mutter gäbe. Für Thabisile Msezane ist klar, dass an Aufklärung kein Weg vorbei geht. Zwar gibt es längst Kampagnen im Radio, und auf Großplakaten wird für Kondome geworben - doch viele junge Menschen wollen einfach nicht glauben, dass das Risiko so groß ist, sich mit HIV zu infizieren. Thabisile setzt auf den direkten Kontakt, hält Vorträge in Schulen, lässt HIV-Positive zu Wort kommen, und manchmal konfrontiert sie Jugendliche mit der knallharten Realität. Sie fährt mit ihnen in eine Klinik und stellt sich an die Betten der Patienten. Das hat einen doppelten Effekt: Die Schwerkranken erleben, dass sie nicht stigmatisiert sind, und die jungen Menschen begreifen, welche Folgen eine Ansteckung haben kann. »Ein Kondom ist dein Freund«, kürzer kann die Botschaft nicht sein, meint Thabisile Msezane - und steckt der Besucherin noch eine AIDS-Schleife ans Revers. terre des hommes unterstützt im südlichen Afrika zurzeit 41 Projekte mit dem Schwerpunkt HIV/AIDS. Sie können diese Arbeit mit Ihrer Spende unterstützen: Spendenkonto terre des hommes Renate Giesler Der Abdruck des Artikels ist kostenlos; wir bitten Sie aber, uns über Ihre Veröffentlichung zu informieren und Belegexemplare zu schicken: Bitte wenden Sie sich an Cornelia Dernbach, terre des hommes-Pressereferat, Tel. (05 41) 7101-126, eMail: [
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Auf sich gestellt: Viele Straßenkinder in Afrika haben durch AIDS ihre Familien verloren [
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