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Endstation Straße?

Hilfe für Jugendliche in Berlin



Zukunft Straße: Junge in Berlin
Foto: Karuna e.V.

Es ist kalt in Berlin. Keine gute Witterung, um in Socken durch die Straßen zu laufen. »Meine Schuhe sind heute nacht geklaut worden«, sagt der 17-Jährige Paul. Seine Freunde konnten ihm auch nicht helfen: Nur ein paar Plastiktüten und eine bunte Sammlung Wollsocken an den Füßen, so steht der Junge vor Kälte schlotternd auf dem Alexanderplatz. Da kommt die heiße Suppe, die am Kleinbus des Karuna e.V. verteilt wird, wie gerufen.

Täglich kommen Kerstin Mahn und ihr Team hierher, um obdachlosen Jugendlichen wie Paul Essen zu geben, nach ihren Problemen zu fragen, Beratung anzubieten. »Komm nachher zu uns ins Café«, sagt die Sozialarbeiterin zu Paul; »da werden wir schon Schuhe für dich finden«. Die rollende Suppenküche ist nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen der Verein Karuna versucht, den Jugendlichen einen Ausweg aus Alkohol und Perspektivlosigkeit zu bieten.

Vor 15 Jahren gegründet, betreibt der Karuna e.V. heute unter anderem das »Café Drugstop« in Berlin, wo suchtgefährdete Jugendliche und Straßenkinder einen Anlaufpunkt finden. In der freundlichen Atmosphäre des Cafés können sie offen über ihre Probleme sprechen. Dabei respektieren die Kids problemlos, dass es sich hier um eine alkohol-, drogen- und nikotinfreie Zone handelt. Gemeinsam mit den Sozialarbeitern des Zentrum werden im Gespräch Lösungen und Perspektiven entwickelt. Das kann die Unterstützung bei der Wohnungssuche sein oder die Vermittlung eines Betriebspraktikums, die Beratung in Fragen der Krankenversicherung, die Begleitung einer Schwangerschaft, die Suche nach einer geeigneten Suchttherapie oder die schwierige Kontaktaufnahme mit den Eltern.

Im »Café Drugstop« bekommt Paul auch ein paar gebrauchte Schuhe. »Auch solche kleinen Hilfen sind wichtig, um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen«, erklärt Kerstin Mahn. Paul weiß jetzt, dass er hier willkommen ist, und er wird wiederkommen, wenn er Hilfe oder Beratung braucht.

Wege aus der Sucht

Schutzzentren dieser Art sind dringend nötig, um den Jugendlichen zu helfen, den Kreislauf aus Betteln, Alkohol, Drogen und Gewalt zu durchbrechen, der das Leben auf der Straße prägt. Bei Karuna e.V. gibt es neben dem Café Drugstop und der »aufsuchenden Sozialarbeit« mit der Suppenküche noch weitere Angebote für junge Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen: Die »Villa Störtebeker« ist ein Jugendwohnheim für suchtgefährdete Jugendliche; das Projekt »Zwischenland« hilft Drogenabhängigen, einen Weg aus der Sucht zu finden. Schon mehrfach wurden die Mitarbeiter von Karuna e.V. für ihre Arbeit ausgezeichnet – unter anderem mit dem Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Immer mehr junge Menschen in Deutschland rutschen in Straßenkarrieren ab, so die Beobachtung von Kerstin Mahn. Das sei, so glaubt sie, auch eine Folge der Zukunftsängste, die sich in der Gesellschaft breit machen: »Diese resignative Grundstimmung belastet viele Familien so sehr, dass Kinder von zu Hause abhauen und auf der Straße landen.« Dabei kommen längst nicht alle Straßenkinder in Deutschland aus besonders armen Verhältnissen: »Oft ist das Zuhause äußerlich völlig intakt«, erklärt die Sozialarbeiterin¸ »doch die Kinder vereinsamen in ihren Familien«.

Besonders wichtig sei es, möglichst früh Kontakt zu obdachlosen Kindern und Jugendlichen zu bekommen. Darum sind Kerstin Mahn und das Team von Karuna an den einschlägigen Treffpunkten in Berlin unterwegs, um Neulinge in der Szene zu treffen und anzusprechen. »Wer erst einmal den ersten Winter auf der Straße hinter sich hat, steckt meist schon so tief drin, dass ein Ausweg nur noch sehr schwer zu finden ist«, erklärt die Sozialarbeiterin.

Arbeit und Selbstachtung

Um die Motivation der Jugendlichen zu stärken, sich um Alternativen zum Leben auf der Straße zu bemühen, wird jetzt ein neues Modellprojekt bei Karuna gestartet: In einer Werkstatt sollen die Straßenkids kleine handwerkliche und kunsthandwerkliche Arbeiten ausführen. »Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, kreativ zu sein und etwas zu schaffen, womit sie sich identifizieren können«, erläutert Kerstin Mahn das Konzept. So können beispielsweise kleine Souvenirs wie der Berliner Bär individuell lackiert werden. Zwar sollen die Produkte dann auch zum Kauf angeboten werden, doch der Ertrag steht zunächst nicht im Mittelpunkt. »Die Jugendlichen sollen die Erfahrung machen, dass es Spaß macht, gemeinsam etwas zu erarbeiten«, erklärt die Mitarbeiterin. Wichtig sei dabei auch die Erkenntnis, dass es sich lohnt, nach Alternativen zum Betteln zu suchen.

So wird den Jugendlichen für ihre Arbeit auch ein kleiner Stundenlohn ausgezahlt. Dieses »niedrigschwellige Beschäftigungsprojekt« wird ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung aus Mitteln der Aktion »Eine Stunde für die Zukunft«. Mit dieser Initiative fördert der Volkswagen-Gesamtbetriebsrat gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes zahlreiche Hilfsprojekte für Straßenkinder. Seit fünf Jahren läuft die Aktion, und mehr als fünf Millionen Euro kamen in dieser Zeit durch das Engagement der Volkswagen-Belegschaft in aller Welt zusammen. »Wir sind glücklich, dank der Förderung nun das neue Angebot realisieren zu können», freut sich Kerstin Mahn.

Es könnte dazu beitragen, dass auch der 17-jährige Paul, der ziel- und haltlos durch Berlins Straßen treibt, bald wieder eine Orientierung findet.


Stephan Stolze

»Eine Stunde für die Zukunft«

Kooperation von terre des hommes und dem Volkswagen-Konzernbetriebsrat

Im Dezember 1999 startete die Aktion »Eine Stunde für die Zukunft« - eine Kooperation des Volkswagen-Konzernbetriebsrates mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes. Hunderttausende von Volkswagen-Mitarbeitern haben seitdem für Straßenkinderprojekte in Brasilien, Mexiko, Südafrika und Deutschland gespendet. Auch die Belegschaften von Skoda in Tschechien, VW do Brasil, VW de México und den AUDI-Werken in Deutschland beteiligten sich tatkräftig an der Spendenaktion, die inzwischen mehr als fünf Millionen Euro erbracht hat. Gefördert werden damit Programme, in denen Straßenkinder Schutz und Beratung, Unterricht und Ausbildung erhalten.

Ein Bestandteil der Aktion »Eine Stunde für die Zukunft« ist die Sammlung von »Restcents«: Seit dem Sommer 2003 spenden zahlreiche Volkswagen-Mitarbeiter monatlich die Cents, die auf der Gehaltsabrechnung hinter dem Komma stehen, für die Straßenkinderprojekte.

Bernd Osterloh, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG, ruft dazu auf, die Aktion »Eine Stunde für die Zukunft« auch weiterhin tatkräftig zu unterstützen: »Bei Volkswagen ist Solidarität kein leeres Wort. Ich bedanke mich bei allen, die unsere Aktion unterstützen und bitte herzlich, darin nicht nachzulassen.«


terre des hommes unterstützt in 27 Ländern rund 400 Projekte für Not leidende Kinder. Sie können diese Arbeit mit Ihrer Spende unterstützen:

Spendenkonto terre des hommes
Kontonummer 700 800 700
Volksbank Osnabrück e.G.
BLZ 265 900 25
Weitere Spendeninformationen sowie die Möglichkeit zur Online-Spende finden Sie unter www.tdh.de/spenden/.




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Alkohol als ständiger Begleiter: Jugendliche Obdachlose

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Stärkung: Suppenküche für Straßenkids

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Familienersatz: Straßenkids in Deutschland

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