»Bessere Unterstützung für traumatisierte Flüchtlingskinder«


Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni

Osnabrück/Hannover, 19.06.2015 – Anlässlich des Weltflüchtlingstages fordert das Kinderhilfswerk terre des hommes die Bundesregierung auf, in allen Aufnahme- und Asylverfahren entsprechend dem gültigen Völkerrecht das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. »Die Kinderrechtskonvention gilt für alle Kinder, auch wenn sie sich auf der Flucht befinden oder um Asyl nachsuchen«, sagte Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende der Organisation in Osnabrück. Kritisch sei vor allem  die Situation der 25.000 Flüchtlingskinder, die in Deutschland lediglich einen Duldungsstatus haben. Weitere 41.000 Minderjährige befinden sich momentan in laufenden Asylverfahren. »Viele dieser Mädchen und Jungen haben durch Gewalterfahrung in ihrer Heimat und auf der Flucht schwere psychische Traumata erlitten. Sie sind auf schnelle und qualifizierte Hilfe angewiesen. Doch leider stehen zu wenig Einrichtungen und Fachkräfte für die psychotherapeutische Behandlung zur Verfügung«, so Sacher weiter.

Bei einer Fachtagung von terre des hommes in Hannover unterstrichen Experten aus verschiedenen Flüchtlingsinitiativen sowie Projektpartner der Hilfsorganisation, dass das Personal in vielen Erstaufnahmeeinrichtungen nicht ausreichend geschult sei, um Traumatisierungen zu erkennen. Zwar erlaube das Asylbewerberleistungsgesetz die »notwendige Behandlung akuter Erkrankungen«, doch führe der Mangel an qualifizierten Therapieeinrichtungen dazu, dass viele Kinder ohne die notwendige Unterstützung blieben.  terre des hommes fordert die langfristige Förderung der bestehenden Einrichtungen, den weiteren Ausbau der Hilfsangebote sowie die Schulung des Betreuungspersonals mit dem Schwerpunkt Traumabehandlung.

Kritisch sieht terre des hommes auch das Verfahren bei der medizinischen Altersschätzung, die insbesondere bei unbegleiteten Flüchtlingskindern praktiziert wird. Bei den dazu durchgeführten Untersuchungen werden häufig auch Röntgenaufnahmen von Hand- und Kieferknochen vorgenommen. »Bei traumatisierten Kindern kann diese Behandlung das Leiden verstärken, da sich die Betroffenen erneut als ohnmächtige Opfer erleben«, so Sacher.

Um Kindern sichere Zufluchtsorte zu gewähren, müssen sich nach Auffassung von terre des hommes die EU-Mitgliedsstaaten endlich auf die Aufnahme von mehr Flüchtlingen und auf die Schaffung sicherer Zugänge nach Europa einigen. »Nur so können wir eine weitere Eskalation des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer verhindern.« terre des hommes betreut in Sizilien Kinder und Jugendliche, die die Flucht über das Mittelmeer überlebt haben.

Auch an außereuropäischen Brennpunkten leistet terre des hommes humanitäre Flüchtlingshilfe. So betreut terre des hommes  in der indonesischen Provinz Aceh/ Sumatra  traumatisierte Flüchtlingskinder aus Burma. In den vergangenen Monaten haben Zehntausende Angehörige des in Burma verfolgten Rohingya-Volkes versucht, über das Meer nach Malaysia und Indonesien zu kommen. Die Regierungen dieser Länder verweigern den Flüchtlingen bisher fast jede Hilfe und Unterstützung. »Es ist für uns unfassbar, wie verantwortungslos mit den Menschen umgegangen wird. Jede humanitäre Hilfe wird verweigert, und die Menschen bleiben einfach ihrem Schicksal auf dem Meer ausgesetzt«, sagte Sacher.


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