Erhard Eppler: Ökologische Kinderrechte gehören in die Verfassung


Ehemaliger Entwicklungshilfeminister zu Gast bei der internationalen Begegnung terre des hommes open in Stuttgart

Stuttgart, 3. Oktober 2011 – Die dringend erforderliche Wende hin zur Nachhaltigkeit wird nur kommen, wenn aus der Gesellschaft Druck auf die Politik ausgeübt wird. »Wir dürfen nicht darauf warten, dass die ökologische Umkehr, ohne die unser Planet keine Zukunft hat, von oben beschlossen und verwirklicht wird. Wir sollten dem marktradikalen Denken eine breite solidarische Bewegung von unten entgegensetzen und die Verwirklichung ökologischer Kinderrechte einfordern. Ökologische Kinderrechte gehören in die Verfassung und dürfen dort keine Papierformeln bleiben, sondern müssen mit Leben gefüllt und in der Praxis verwirklicht werden«, so der ehemalige Bundesminister für Entwicklungshilfe.

Rainer Grießhammer, Geschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts, forderte die Umstellung auf ökologischen Konsum. Eine deutsche Durchschnittsfamilie könne ihren statistischen Stromverbrauch von 3.600 Kilowattstunden pro Jahr sofort um ein Drittel reduzieren, ohne auf Komfort zu verzichten. Umweltschonendere 3-Liter-Autos und energiesparende Verkehrssysteme seien entscheidende Bausteine ökologischen Konsums. »Im Moment verhalten wir uns so, dass es unseren Kindern später einmal nicht besser, sondern schlechter gehen wird. Das muss sich ändern. Deshalb ist die Kampagne für Ökologische Kinderrechte wichtig«, so Grießhammer.

Sophie Uhing vom terre des hommes-Jugendteam Nojoud in Rastatt stellte das neu gegründete internationale Jugendnetzwerk vor. Sie verwies auf die von der UN-Kinderrechtskonvention geforderte Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen in alle sie betreffenden Angelegenheiten. »Es macht sehr viel Spaß, gemeinsam mit Gleichaltrigen Aktionen zu planen. Obwohl wir alle verschiedene Sprachen sprechen, verstehen wir uns«, sagte die 14-Jährige. Auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung Anfang Juni 2012 in Rio de Janeiro wird eine Delegation des Jugendnetzwerkes die Forderung nach einer gesellschaftlichen Wende hin zur Nachhaltigkeit vorbringen.

Ursula Pattberg, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes, machte deutlich, dass terre des hommes als weltweit vernetzte Initiative engagierter Bürger und internationales Kinderhilfswerk seine Aufgabe darin sehe, an dieser politischen Weichenstellung mitzuwirken. Die weltweit fortschreitende Zerstörung der Umwelt raube Kindern und kommenden Generationen ihre Lebenschancen. Um Kindern eine Zukunft zu sichern, so Pattberg, müssten deshalb globaler Klima- und Umweltschutz Maßstab politischen Handelns werden.