Europäische Migrationsagenda greift beihumanitärem Flüchtlingsschutz zu kurz


Osnabrück, 13. Mai 2015 – Die Europäische Migrationsagenda wird ihrem Anspruch nicht gerecht, Flüchtlinge zu schützen und Leben zu retten. »Den entscheidenden Schritt, den Flüchtlingen humanitäre Korridore zu öffnen, die ihnen einen sicheren Zugang nach Europa eröffnen, ist die EU-Kommission nicht gegangen. Es wird damit keine legalen Einreisemöglichkeiten nach Europa geben. Familien und Kindern, die sich vor Krieg und Gewalt in Nahost und Afrika in Sicherheit bringen wollen, bleibt auch weiterhin nur der formal illegale und lebensgefährliche Weg über das Mittelmeer«, sagte Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes. »Wenn Europa dem Sterben im Mittelmeer nicht länger tatenlos zusehen will, wie EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos sagt, wären sichere Einreisebedingungen für die Flüchtlinge die wichtigste Konsequenz. EU-Einsätze im Rahmen der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zur Bekämpfung von Schlepperbooten bedeuten eine Militarisierung der Flüchtlingspolitik, die wir strikt ablehnen.«

Ob der Beschluss zum Umstieg auf eine Quote bei der Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU umgesetzt werden wird, ist angesichts der Widerstände verschiedener EU-Mitgliedsstaaten alles andere als sicher. Er würde bedeuten, dass die EU das Scheitern der Dublin II-Verordnung eingesteht, ohne dass sich dadurch eine Verbesserung bei der Lösung der Flüchtlingsproblematik ergibt.

Bis zu 30 Prozent der Flüchtlinge, die die Küsten Südeuropas lebend erreichen, sind unbegleitete Flüchtlinge unter 18 Jahren. Italienische Mitarbeiterinnen von terre des hommes betreuen auf Sizilien ankommende Flüchtlingskinder in den Erstaufnahmezentren. und sorgen für Schutz und psychosoziale Unterstützung. Im Rahmen der internationalen terre des hommes-Kampagne Destination Unknown schützen Partnerorganisationen rund 250.000 Flüchtlingskinder und Migranten unter anderem auf Sizilien, im Libanon, in Griechenland, auf Zypern und Malta sowie in Ägypten und Marokko und engagieren sich auf politischer Ebene für einen besseren Flüchtlingsschutz durch die Institutionen der Europäischen Union.