Großer Protestzug Jugendlicher gegen Tatenlosigkeit der Politiker


Junge Südafrikaner verurteilen während des Weltklimagipfels die katastrophalen Umweltverschmutzungen im Land

Osnabrück/Durban, 2.12.2011 – Tausende Menschen werden morgen Mittag zum sogenannten Global Day of Action-Protest von Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen anlässlich der Klimaverhandlungen in Durban erwartet. Mit dabei sind  rund 300 südafrikanische Jugendliche aus Projekten, die das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes in verschiedenen Regionen des Landes unterstützt.  

Die zentrale Forderung der Demonstranten ist, dem Klimawandel nicht länger untätig zuzuschauen: »Die wichtigsten Politiker der Welt diskutieren hier in Durban das Schicksal unseres Planeten, aber sie sind weit weg davon, tatsächlich eine Lösung zum Klimawandel zu erarbeiten«, erklärt der Sprecher der Zivilgesellschaft, Desmond D’sa, Direktor der terre des hommes-Partnerorganisation South Durban Community Environmental Alliance. 

Bestandteil des Global Day of Action sind Aktionen wie eine Strandsäuberung und eine sogenannte »Toxic Tour«, die von der terre des hommes-Partnerorganisation »South Durban Community Environmental Alliance (SDCEA)«, einer lokalen Umweltorganisation, organisiert wurden. Die 22-jährige Nawaal Domingo, Mitglied im internationalen terre des hommes-Jugendnetzwerk und Initiatorin der Toxic Tour: »Als Mitarbeiterin bei SDCEA bekomme ich seit Jahren hautnah mit, wie Kinder und Jugendliche unter der Umweltverschmutzung leiden und wie sehr umweltbedingte Krankheiten ihre Zukunftschancen beeinträchtigen.« Zusammen mit den Jugendlichen hat sie Fabriken und Industrieanlagen besucht und vor Ort über Lösungen und Hintergründe diskutiert. »Wir haben hier mit eigenen Augen gesehen, was ein rücksichtsloser Umgang mit der Umwelt für das Leben der Menschen bedeutet«, sagt Nawaal Domingo. »Allein hier in Durban leben rund 380.000 Menschen in direkter Nachbarschaft zur Öl-, Chemie- und Papierindustrie. In unserem Viertel sterben viele Menschen durch Krebs, verursacht durch die Umweltverpestung der Industrie. Über die Hälfte aller  Kinder in den Schulen leiden an Asthma.«  

In Europa dürften diese internationalen Konzerne so nicht produzieren, so Nawaal Domingo. »Bei uns hingegen sagen die Manager, alles sei in Ordnung. Doch vor ein paar Monaten gab es im Industriegebiet eine Explosion; 58 Stunden hat das Feuer gebrannt. Das Viertel lag in einer dunklen Wolke. In der Schule fielen die Kinder in Ohnmacht, hunderte mussten ins Krankenhaus. Doch die Regierung fühlt sich dafür nicht verantwortlich.« 

Beim Weltklimagipfel gehe es um die größte energietechnische, industrielle und verhaltensrelevante Revolution der Menschheit, so Nawaal Domingo. »Hier in Durban-Süd wäre den Menschen schon geholfen, wenn unsere Politiker darauf achten würden, dass wenigstens Mindeststandards an ökologischen Rechten für die Menschen eingehalten würden. Denn die Böden sind durch undichte Pipelines vergiftet, die Luft aus den Abgasen der Industrienlagen verpestet.«

Der Global Day of Action-Protest ist Teil der terre des hommes-Kampagne für Ökologische Kinderrechte, die das Ziel hat, die Zukunftsperspektiven nachfolgender Generationen bei politischen Entscheidungen  stärker zu berücksichtigen. 

»Wir fordern die Verabschiedung von verbindlichen Klimaschutzrichtlinien und das Recht eines jeden Kindes auf eine intakte Umwelt, denn nur so lässt sich Chancengleichheit für zukünftige Generationen verwirklichen. Die Beteiligung von Jugendlichen an den Klimaverhandlungen ist zwingend notwendig, denn gerade ihre Zukunftsperspektiven hängen davon ab, ob die Konferenz in Durban ein Erfolg wird«, erklärte Albert Recknagel, Leiter des Referates Kinderrechte bei terre des hommes.