Nicht nur Hilfspaket, sondern Stärkung von Betroffenen bei Menschenrechtsverletzungen


Zum Weltgipfel für Humanitäre Hilfe in Istanbul

Osnabrück, 23. Mai 2016 – Anlässlich des Weltgipfels für Humanitäre Hilfe in Istanbul betont das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes die Notwendigkeit, das System der Humanitären Hilfe zu überdenken und zu dezentralisieren. Dies betrifft sowohl die Hilfe bei Kriegen und Konflikten wie auch im Falle von Naturkatastrophen. »Humanitäre Hilfe ist stets mehr als das klassische Hilfspaket. Genau wie in unserer langfristigen Programmarbeit müssen wir Humanitäre Hilfe immer mehr als politische Intervention zur Sicherung der Rechte und der Würde von Menschen verstehen«, sagte Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes. »Die Ursachen der Not sind Menschenrechtsverletzungen als Ergebnis politischen Handelns und gesellschaftlicher Ungleichheit. Dies betrifft die Flüchtlinge vor Krieg und Gewalt in Nahost genauso wie die Opfer von Hunger und Dürre in Simbabwe oder Indien, wo die ohnehin Ärmsten unter den Folgen von El Niño und Klimawandel am schlimmsten leiden. Humanitäre Hilfe bedeutet daher nicht allein, Nahrungsmittel und überlebenswichtige Güter zu verteilen. Darüber hinaus gilt es, die Betroffenen in die Lage zu versetzen, sich gegen Willkür und Ausgrenzung zu wehren, die sie besonders anfällig für Hunger, Ausbeutung und Vertreibung machen. Wir müssen die Regierungen noch stärker in die Pflicht nehmen, wenn deren Handeln Kriege, Flüchtlingselend und Hungernot auslösen.«

Der Gipfel biete die Chance zum Umdenken in der Humanitären Hilfe, so Albert Recknagel. terre des hommes fordert, dass einheimische Organisationen gestärkt und bei der Bewältigung von Katastrophen als gleichwertige Partner anerkannt werden. Sie müssen stärker bei der Koordination der Humanitären Hilfe miteinbezogen werden, und ihr Zugang zu Geldern muss erleichtert werden. Vor allem für Frauen und Kinder, die in den meisten Fällen besonders unter Katastrophen leiden, muss eine zeitnahe Mitsprache darüber eingeräumt werden, welche Hilfsmaßnahmen geleistet werden sollen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Ergebnisse des Gipfels in konkrete Schritte umgesetzt und verbindliche Zusagen eingehalten werden.