terre des hommes fordert Rechtssicherheit für Mädchen vor Zwangsverheiratung


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Mädchen brauchen Unterstützung gegen die Gefahr der Zwangsverheiratung

Mädchen brauchen Unterstützung gegen die Gefahr der Zwangsverheiratung

Osnabrück, 6. März 2015 – Wirtschaftliche Not ist weltweit eine der Hauptursachen für die Verheiratung von minderjährigen Mädchen. Laut den Ergebnissen einer terre des hommes-Studie liegt der Anteil von unter 18-jährigen verheirateten Mädchen in den am wenigsten entwickelten Ländern bei rund 50 Prozent, in den westafrikanischen Ländern Niger und im Tschad werden rund drei Viertel aller Mädchen noch als Kinder verheiratet. Mehr als die Hälfte der zwangsverheirateten Mädchen entstammen dem ärmsten Fünftel der Bevölkerung, bei dem wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung liegt die Rate zwangsverheirateter Mädchen bei vergleichsweise niedrigen 16 Prozent.

Auch in den Kriegsgebieten in Nahost bringen Armut und fehlende Einkommensperspektiven viele Flüchtlingsfamilien dazu, ihre minderjährigen Töchter zu verheiraten, berichtet Friederike Leidreiter, terre des hommes-Expertin für Humanitäre Hilfe, nach ihrem letzten Besuch in den Flüchtlingslagern im Norden des Iraks. Der Anteil verheirateter minderjähriger syrischer Mädchen habe sich zwischen 2011 und 2014 fast verdreifacht. Hinzu komme, so Leidreiter, dass Heirat auch eine Möglichkeit sei, die Mädchen in den Lagern vor gewaltsamen Übergriffen zu schützen oder eine Genehmigung zu bekommen, um die Lager zu verlassen und in der Umgebung Arbeit zu suchen.

»Neben der Armut sind religiöse und soziale Normen, aber vor allem Ausschluss von Bildungschancen weitere Gründe für die Verheiratung von minderjährigen Mädchen«, sagte Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes. »Die Mädchen brauchen Unterstützung und Rechtssicherheit gegen die Gefahr der Zwangsverheiratung. Dabei ist es wichtig, die Position der Mädchen innerhalb der Familien und Gesellschaften zu stärken, um diskriminierende Einstellungen zu überwinden und für die Mädchen Schul- und Berufsbildung zu ermöglichen. Statistiken zeigen, dass die Zahlen von Zwangsverheiratung bei Mädchen ohne jegliche Schulbildung um mehr als das Dreifache höher sind als bei Mädchen mit Schulabschluss«, so Sacher. Diesem Ansatz folgen deshalb u.a. terre des hommes-Projekte gegen Kinderheirat in den indischen Bundesstaaten Karnataka, Uttar Pradesh und Rajasthan und in der Hauptstadt Neu Delhi, wo derzeit 10.000 Mädchen die Chance erhalten, weiter zur Schule zu gehen, statt im Kindesalter verheiratet zu werden. Erfolge zeigen sich zum Beispiel in den Slumvierteln der Stadt Mysore in Karnataka, wo seit über einem Jahr kein einziges Kind mehr verheiratet wurde.

 

Studie »Zwölf Jahre Sklave – Kinder in Zwangsarbeit«