»Weil wir überleben wollen«


Zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni

Osnabrück, 9. Juni 2016 – Immer mehr syrische Flüchtlingskinder müssen arbeiten, um das eigene Überleben und das ihrer Familien zu sichern. Die Kinder arbeiten auf Großbaustellen in den Städten, auf Baumwoll- und Orangenplantagen, aber auch als Bettler auf den Straßen oder als Kämpfer in bewaffneten Gruppen. Dies ist das Ergebnis einer Studie von terre des hommes anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit.

»Die Ausbeutung syrischer Flüchtlingskinder nimmt im sechsten Jahr des Syrienkrieges dramatische Ausmaße an«, erklärte Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes. »Die unerträglichen Lebensbedingungen in Syrien wie auch für die in die Nachbarländer Geflüchteten zwingen die Familien, ihre Kinder mitarbeiten zu lassen. Oft sind die Kinder sogar die Hauptverdiener der Familie.« Recherchen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von terre des hommes in Jordanien, Libanon, Irak und der Türkei haben ergeben, dass über die Hälfte der befragten Kinder mindestens sieben Stunden täglich arbeiten. Ein Drittel der befragten Kinder arbeitet an sieben Tagen in der Woche. Die Jüngsten unter ihnen sind erst fünf oder sechs Jahre alt.

»Diese Kinder schuften für das eigene Überleben und das ihrer Familien, und ruinieren dabei ihre Gesundheit und ihre Zukunft«, so Albert Recknagel. »Sie tragen keine Schutzkleidung und arbeiten wie Erwachsene. Sie gehen nicht zu Schule und werden in keiner Weise altersgerecht betreut.«

Untersuchungen unter Flüchtlingskindern auf der Balkanroute in den ersten Monaten 2016 haben hingegen keinen Hinweis auf verbreitete Kinderarbeit in Europa erbracht, da die Flüchtlinge zügig weiterreisen und nicht verweilen. Mit dem Schließen der Grenzen könnte sich dies schnell ändern, da sich die Aufenthaltsdauer der Kinder im Erstaufnahmeland erheblich verlängert. In Mazedonien und Griechenland wurden erste Fälle von Kinderarbeit bekannt.

terre des hommes appelliert an die Europäische Union, die Regierungen der Mitgliedsländer sowie an Unternehmen und Gewerkschaften, sich für das Wohl dieser Kinder einzusetzen. »Die EU muss dringend Vorsorge- und Schutzmechanismen für Flüchtlingskinder etablieren, einheitliche Registrierungssysteme schaffen und Inspektionen durchführen«, so Albert Recknagel. »Die Bundesregierung ist aufgefordert, sich insbesondere um die Flüchtlingskinder in Deutschland zu kümmern und den Berichten über verschwundene Kinder nachzugehen. Vor allem brauchen wir zum Schutz der Kinder einen ganzheitlichen Ansatz, der Schulbildung, kindgerechte Betreuung und die direkte Unterstützung der Familien mit Bargeld umfasst.«

 

Den Kinderarbeitsreport 2016 sowie weitere Informationen finden Sie hier.