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Ramu und die Rattenminen

Es ist heiß, fast 40 Grad. Ramu und seine Freunde spielen draußen auf dem Platz vor der Schule. Auf der festgetretenen roten Erde fechten sie mit Stöckchen, balgen sich und jauchzen. Ramu ist sehr klein für seine sieben Jahre, ein Zeichen von chronischer Mangelernährung. Gemüse und Fleisch und drei Mahlzeiten am Tag hat er erst kennengelernt, als er vor einigen Monaten in die Schule aufgenommen wurde - zwar verdient Ramu nun kein Geld mehr, aber er geht in die Schule und wird versorgt - das entlastet auch das karge Familienbudget. Fünfzig Meter entfernt donnern unablässig Laster vorbei, die rote Staubwolke steht über der Piste wie eine Wand. Längst pappt eine rote Kruste auf Bäumen und Häusern. Die LKW transportieren Eisenerz von den unzähligen Minen in die Schmelzen und das Eisen weiter in die riesigen Stahlwerke des Distrikts Bellary im Stahlgürtel von Indien.

Land wird zerstört

Eisenerz prägt das Leben in Bellary, einem der ärmsten Distrikte Indiens. Die Berge am Horizont haben keine Gipfel mehr, einige Hänge sehen aus wie Treppen für Riesen. Das Erz wird von den Gipfeln abwärts abgebaut. In der Ebene leuchten weiß blühende Zwiebelfelder, die Baumwolle ist fast reif. Das Land hier ist fruchtbar, aber es wird Tag für Tag zerstört, kilometerlange Gräben ziehen sich durch die Erde. Rattenminen nennen die Menschen diese Gräben, in denen illegal und ohne Lizenz gegraben wird.

Ramus Eltern schuften in so einer Rattenmine. Sie graben dort nach Erz, für 80 Rupien am Tag, das sind etwa 1,20 Euro. Sie hausen in einer niedrigen Hütte, selbst gebaut aus Ästen, Plastikplanen und Lehm, direkt neben der Rattenmine. Das Einkommen reicht gerade für Reis und Brotfladen.

Siebenjähriger Junge in der Schule: terre des hommes unterstützt Schulen für ehemalige Kinderarbeiter in indischen Minen
Neue Perspektive jenseits der indischen Minen: ehemalige Kinderarbeiter wie Ramu besuchen eine Schule

Umweltschäden breiten sich aus
Wenn das Eisenerz abgebaut ist, bleibt unfruchtbare Fläche zurück. Auch dort, wo die steinigen Reste und die Schlacke aus den Schmelzen auf den Feldern abgekippt werden, wächst nichts mehr. Umweltauflagen oder Renaturierungspläne gibt es nicht. Manche Bauern berichten bereits, dass sich der Wasserhaushalt der Region verändert: Die Flüsse und Bäche führen während der langen Trockenzeit kaum noch Wasser. Während der Monsunzeit kommt es zu Überschwemmungen, die früher hier unbekannt waren - das Wasser versickert nicht mehr langsam im Wald, sondern rauscht ungebremst von den kahlen Bergen. Ob Ramu in einigen Jahren zum Heer der Umweltflüchtlinge gehören wird, ist ungewiss. Denn die terre des hommes-Partnerorganisation SEEDS stemmt sich gegen die brutale Ausbeutung von Mensch und Natur. SEEDS betreibt Brückenschulen für Kinder wie Ramu. 1.000 Mädchen und Jungen leben und lernen dort ein halbes Jahr lang, werden dann in staatliche Regelschulen integriert. Ramus Eltern sind froh über die Brückenschule, vielleicht bekommt er so später einmal eine gut bezahlte Arbeit und kann sie unterstützen.

 

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Ihr Ansprechpartner

Jonas Schubert
Referat Kinderrechte
Telefon: 05 41 / 71 01-132
eMail: j.schubert@tdh.de

Zahlen

  • Schätzungsweise 10 bis 15 Millionen Menschen leben als Kleinschürfer vom Goldabbau. Davon sind etwa 30 Prozent Frauen und Kinder.
  • In der Diamantindustrie und Edelsteinverarbeitung ist ein ein Viertel der Arbeiter Kinder. Sie müssen oft 16 Stunden am Tag schuften, ohne Wochenende oder Urlaubsansprüchen. Hohe Staubbelastung und aggressive Chemikalien zwingen bereits 15-Jährige in den "Vorruhestand".
  • Um an Goldreserven zu kommen, werden jährlich rund 100.000 Menschen von ihrem Land vertrieben, zwischen 15 000 und 20 000 sterben an den Folgen des Goldabbaus.
  • In Kolumbien werden allein in der Provinz Boyacás 12.000 Kinder im Bergbau ausgebeutet.
  • Im Kongo arbeiten 19.000 bis 30.000 Kinder unter 15 Jahren in den Kobaltminen. Sie bauen das Erz ab oder waschen und sortieren es.
  • Madaoua ist eines der Hauptfördergebiete für Gips in Niger. 43 Prozent der Arbeiter sind Kinder, davon sind 6,5 Prozent im Alter von unter neun Jahren.