
Pestizide: Gefährlich für Kinder
Pestizide sollen Agrarprodukte vor Schädlingen schützen, indem sie die Verbreitung von Unkräutern, Pilzen und Insekten verhindern. Doch auch beim Menschen führen sie zu akuten Vergiftungen und gesundheitlichen Langzeitschäden wie Krebs. Pestizidvergiftungen können das Erbgut schädigen und beeinträchtigen die Lern- und Konzentrationsfähigkeit vor allem der Kinder. Sie sind in doppelter Hinsicht betroffen: Ihre Körper nehmen im Wachstum die Giftstoffe schneller auf; und gerade kleinere Kinder erkunden ihre Umwelt gern über die Hände - und stecken diese dann in den Mund.
Pestizide sind überall
Ein großes Problem ist, das Pestizide in vielen armen Ländern frei zugänglich sind. Oft fehlt das Bewusstsein für die Gefahr, die von ihnen für Mensch und Natur ausgeht. Gerade Pflanzenschutzmittel werden über den Wasserkreislauf von Verdunstung und Niederschlag weiter transportiert und vergiften so auch Kinder in Regionen, in denen sie gar nicht eingesetzt wurden. Auch über Lebensmittel und verunreinigte Produkte wie Teppiche, Lederwaren und Spielzeug können Kinder mit diesen Giften in Kontakt kommen. Zudem werden Pestizide bei der Behandlung von Haus- und Nutztieren eingesetzt, beispielsweise gegen Ratten und Flöhe. Nicht ohne Grund gibt es Warnhinweise und spezielle Vorschriften zur Anwendung von Pestiziden. Doch in den meisten armen Ländern werden diese nicht eingehalten. Gerade viele Kleinbauern können nicht lesen, oder sie füllen Pestizide in unbeschriftete Behälter wie Limoflaschen ab. Andere kaufen Pestizide auf der Straße ohne jeden Schutzhinweis. Viele Bauern lagern die Behälter dann frei zugänglich in ihren Hütten. So gelangen auch Kinder an das Gift, das sie mit Milchpulver verwechseln, arglos essen - und daran sterben.
Forderungen
terre des hommes und PAN fordern dazu auf, dem Rat von Experten und UN-Gremien zu folgen und hochgefährliche Pestizide schrittweise vom Markt zu nehmen. Dazu bedarf es einer ständig an den neuesten Stand der Wissenschaft angepassten Liste hochgefährlicher Pestizide der FAO/WHO. Deutsche Unternehmen sollen bei der Produktion von Chemikalien gerade im Ausland höchste Umwelt- und Sicherheitsstandards einhalten. Auf diese müssten sie auch ihre Tochterfirmen und Händler verpflichten. Warnhinweise und Benutzervorschriften sollten auch für Analphabeten verständlich sein und auf die Gefahren bei unsachgemäßer Nutzung hinweisen. Nationale Regierungen und die WHO müssen dafür sorgen, dass Vergiftungen mit Angabe des Alters und des Geschlechts registriert und ausgewertet werden. Kombiniert wären diese Maßnahmen ein wichtiger Beitrag zur Sicherung ökologischer Kinderrechte und gegen die Bedrohung der Gesundheit und Zukunft von Millionen Kindern.
Über die Gefahr von Pestiziden haben terre des hommes und das Pestizid-Aktions-Netzwerk eine Studie erstellt.
Die Studie "Pestizide und Kinder - Die Gefahr von Umweltgiften für Kinder" als PDF zum Download
Projektbeispiel Leben ohne Gift / Bolivien
Ihr Ansprechpartner

Jonas Schubert
Referat Kinderrechte
Telefon: 05 41 / 71 01-106
eMail: j.schubert@tdh.de
Zahlen
- Prognosen zufolge wird durch den Klimawandel in den nächsten 40 Jahren die Zahl unterernährter Kinder in Afrika um zehn Millionen steigen.
- Jährlich werden zwischen zwei und drei Millionen Pestizidvergiftungen registriert. Die Zahl der Toten wird auf 20.000 bis 40.000 geschätzt.
- 99 Prozent der Menschen, die an Pestizidvergiftungen sterben, kommen aus Ländern des Südens, obwohl dort nur ein Viertel der weltweit produzierten Pestizide eingesetzt werden.
- Jedes Jahr verlieren etwa 1,5 Millionen Kinder ihr Leben auf Grund von Magen- und Darmerkrankungen. In den meisten Fälle ist die Ursache dafür verunreinigtes Trinkwasser.
- Rund zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an Atemwegserkrankungen. Über die Hälfte davon sind umweltbedingt, zum Beispiel durch offenes Feuer und Rauch in Innenräumen.
- Im Amazonasbecken werden durch Goldminen jedes Jahr mindestens 130 Tonnen Quecksilber in die Umwelt abgegeben. Der Mensch nimmt Quecksilber beispielsweise über den Verzehr von Fisch auf – in vielen Regionen ein Grundnahrungsmittel. Das führt zu akuten oder chronischen Vergiftungen führt, besonders im Nervensystem eines Fötus.




