Unter 18 nie: Appell an Ministerin Ursula von der Leyen

Unterschriftenaktion: Helfen Sie mit, die Rekrutierung und Gefährdung von Minderjährigen zu stoppen und den 18-Jahre-Standard auch in Deutschland zu erreichen. Fordern Sie Verteidigungsministerin von der Leyen auf, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anzuheben. mehr

Die Bundeswehr wirbt um Kinder

Die Bundeswehr benötigt jährlich rund 15.000 neue Rekruten. Um diese Zahl zu erreichen, werden die Werbemaßnahmen stark ausgeweitet und jedes Jahr Minderjährige als Soldaten rekrutiert: 2015 waren es 1515 17-jährige Jungen und Mädchen. Diese erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie erwachsene Soldaten und werden dann oft schon bald nach Erreichen der Volljährigkeit in Auslandseinsätze geschickt.

Der gesetzliche Jugendschutz gilt nicht mehr, die Jungen und Mädchen werden gemeinsam mit erwachsenen Soldaten untergebracht, sie haben dieselben Arbeitszeiten wie diese, besondere Schutzmaßnahmen gegen Mobbing oder Übergriffe gibt es nicht – obwohl laut einer Bundeswehr-Studie mehr als die Hälfte aller Soldatinnen in der Bundeswehr sexuell belästigt wurden und etwa jede dreissigste Opfer sexuellen Missbrauchs wurde (Quelle: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, 2014).

Besonders in Jugendmedien und an Schulen versucht die Bundeswehr, Nachwuchs zu werben. Viele Jugendliche lassen sich von guten Gehältern, festem Job, kostenlosem Studium und anderen Vergünstigungen der Bundeswehr locken. Die Risiken wie Trauma, Tod oder Verwundung werden in Schulvorträgen, Werbespots und Materialien der Bundeswehr gar nicht oder nur am Rande erwähnt. Werbeaktionen wie die Bundeswehr-Adventure-Games oder BW-Beachen betonen stattdessen Abenteuer, Spaß, Sport und Teamarbeit, reale Einsatzbilder fehlen oft komplett.

Die Werbung ist systematisch: Jedes Jahr erreichen alleine die Jugendoffiziere und Karriereberater der Bundeswehr an Schulen 300.000 bis 400.000 Schüler, darunter auch Kinder von gerade einmal elf Jahren. Doch die Werbung für Militäreinsätze widerspricht den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention, die auch Deutschland unterschrieben hat. Die darin verbrieften Kinderrechte gelten für alle unter 18-Jährigen. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat 2014 der Bundesregierung empfohlen, das Eintrittsalter in die Bundeswehr auf 18 Jahren anzuheben und jegliche Militärwerbung bei Kindern und Jugendlichen zu verbieten.

Die Entscheidung über die Einladung von Soldaten in den Unterricht liegt allein bei der Schule. Schüler, Eltern und Lehrer können sich in Lehrer- und Schulkonferenzen und über die Schüler- und Elternräte dagegen aussprechen. Auch können Eltern für ihre Kinder Ersatzunterricht beantragen, wenn Bundeswehrsoldaten in die Klasse kommen. Außerdem gibt es vor allem auf lokaler Ebene immer mehr Initiativen gegen die Bundeswehr-Werbeoffensive. Auch terre des hommes und andere Organisationen wie die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), die Kindernothilfe, Unicef Deutschland, Pax Christi, das Darmstädter Signal (kritische Soldaten) und die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) fordern den Stopp jeder Art von militärischer Werbung und Rekrutierung bei Minderjährigen.

Diskussionsveranstaltungen, bei denen Soldaten, Friedenspädagogen, Kinderrechtler oder andere Experten mit älteren Schülerinnen und Schülern kontrovers diskutieren,  können sinnvoll sein - denn die Schüler haben auch ein Recht auf Information. Die Veranstaltungen müssen aber für die Schüler freiwillig und für Eltern und andere Interessierte offen sein. Weitere strenge Standards zum Schutz der Jugendlichen vor einseitiger militärischer Werbung müssen eingehalten werden. terre des hommes hat dazu Musterleitlinien für Schulen entwickelt.