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22. Oktober: Don Bosco Anbu Illiam/Tirupur – ein Tag bei den Salesianern

Die Salesianer sind mit vielen sozialen Projekten in Indien aktiv. Eines verdankt seine Existenz einer Initiative von terre des hommes: das Don Bosco NEST in Tirupur. NEST steht für Nilayam (=Zentrum) for Education and Social Transformation, einem Rehabilitationszentrum für ehemalige Kinderarbeiter. Hier finden Kinder, die nicht mehr zu Hause wohnen können, tatsächlich ein Nest. Sie erhalten die die Möglichkeit zu einer Berufsausbildung, die ihnen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben eröffnet.

Entstanden war die Idee eines derartigen Zentrums im Rahmen einer Kampagne zur Abschaffung der Kinderarbeit. Schließlich galt es, Kinderarbeiter, die ihren Job verlieren, nicht einfach auf der Straße stehen zu lassen. Zurück auf staatliche Schulen konnten sie nur bis zwölf Jahre. Im Rahmen der Kampagne entwickelten sich die Kontakte von terre des hommes zu C&A. Es gelang, das Unternehmen für diese Idee zu begeistern. Und damit begann die Erfolgsgeschichte.

Vater Bhakiaraj, der Leiter der Einrichtung, führt uns in die Zahlen ein. Seit 1999 hat das Zentrum rund 2.000 Jugendliche in den Berufen Schneider, Computer-Programmierer und Elektriker ausgebildet, 600 von ihnen wurde daran anschließend ein weiterführendes Studium ermöglicht. Da eine Betreuung auch nach Verlassen der Einrichtung stattfindet, kann nachgewiesen werden, dass alle Absolventen heute durchweg gut in Lohn und Brot stehen.

Da die Kampagne gegen Kinderarbeit recht erfolgreich verläuft, hat sich der Fokus von NEST von der Rehabilitation ehemaliger Kinderarbeiter hin zur Prävention verschoben. Zielgruppe sind heute vor allem Schulabbrecher, jugendliche Straftäter und Kinder aus zerrütteten Familien. Derzeit leben 20 Jugendliche im NEST, 120 weitere nehmen an der Ausbildung teil.

Am Morgen werden wir von Mitarbeitern und Schülern des Zentrums mit einer traditionellen Willkommenszeremonie begrüßt. Wir besichtigen die Ausbildungsstätten und die kleine Produktionseinheit, die dem NEST mittlerweile angeschlossen ist, um es langfristig unabhängiger von Spenden zu machen. Daran schließt sich eine Vorstellungs- und Diskussionsrunde mit den Schülerinnen und Schülern an, an der auch Absolventen der Einrichtung teilnehmen.

Nachmittags sitzen uns dann elf der 2.000 Erfolgsgeschichten des Zentrums gegenüber. Absolventen erzählen uns von ihrem Werdegang und ihrer heutigen, vergleichsweise wohlsituierten Situation. Besonders beeindruckt uns die 19-jährige Schneiderin, die als Zehnjährige die Schule abbrechen und arbeiten musste, da die Familie hoch verschuldet war. Als 13-Jährige erhielt sie dann die Möglichkeit, die sechs- bis zwölfmonatige Berufsausbildung im NEST zu absolvieren. Heute besitzt sie einen kleinen Betrieb, der außer ihr und ihrem Bruder vier Schneider und zwei Helfer beschäftigt. Sie nutzt das Einkommen immer noch dafür, die Schulden der Familie abzuzahlen. Aber sie kann jetzt im Gegensatz zu früher sehr genau nachrechnen und weiß, dass sie später Jura studieren wird. Wir haben keine Zweifel, dass ihr das gelingt!

Am Nachmittag besuchen wir eines der Unterzentren von DBAI, die in verschiedenen Vierteln Tirupurs untergebracht sind. Hier treffen wir die Schneider-Azubis aus dem morgendlichen Unterricht wieder. Hier trainieren sie ihre Fertigkeiten und präsentieren stolz ihre Arbeiten, das selbst gefertigte Musterbuch und ihre Arbeitsplätze. Ein Stockwerk tiefer treffen wir auf eine normale indische Schneiderwerkstatt: ein kleines, stickiges Zimmer mit nur einem kleinen Fenster, in dem zehn Männer im Akkord Unterhosen nähen.

Eine der Schülerinnen begleiten wir in ihr nahe gelegenes Zuhause, ein kleines Häuschen mit löchrigem Holzdach, zwei winzige Zimmer, zehn Quadratmeter für vier Personen. Die Mutter des Mädchens näht darauf in Heimarbeit ebenfalls Unterhosen. Der Lohn für die mühevolle Arbeit: genau eine Rupie pro Hose. Die Familie ist sehr stolz auf ihre Tochter und erhofft sich für sie ein deutlich besseres Leben.

Als es schon dunkel wird, besichtigen wir noch eine weitere Einrichtung der Salesianer, ein Child Rights Resource Center. Ähnlich wie beim Childrens Treasure House werden hier die Kinder des Viertels regelmäßig in ihrer Freizeit betreut. Neben Spiel und Spaß steht auch Weiter- und Persönlichkeitsbildung auf dem Programm. Es gibt ein richtiges Kinderparlament mit Finanz- und anderen Ministern. Sie verwalten ihre Gruppe und organisieren zum Beispiel Eingaben an die örtlichen Behörden zur Verbesserung der Lebensbedingungen in ihrem Wohnumfeld.

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