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Toben statt in die Röhre gucken

Osnabrück, 26. 05.2017 - Zum Welttag des Spiels am 28. Mai beklagt terre des hommes den Rückgang sicherer Spielorte.

Kinder haben überall auf der Welt immer weniger Zugang zu sicheren Spielorten. Dies erklärte das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes anlässlich des Welttags des Spiels am 28. Mai, der in rund 40 Ländern weltweit begangen wird. Städteplanung ohne Spielplätze, zunehmender Autoverkehr, Umweltverschmutzung, aber auch die Angst vor Gewalt und Kriminalität machen insbesondere in den Metropolen unbeschwertes Spielen zu einem Luxusgut. Kinder aus sozial schwachen Familien sind davon häufig ganz ausgeschlossen.

»Spielen ist keine wünschenswerte Option für Kinder, sondern ein Muss für ihre gesunde Entwicklung. Spielen bringt Spaß und Entspannung, bedeutet aber auch Lernen: Körperliche, seelische, geistige und soziale Kompetenzen entwickeln sich beim Spielen von frühster Kindheit an und bilden die Basis für die Entfaltung des kindlichen Potenzials«, sagte Jörg Angerstein, Vorstandssprecher von terre des hommes.

Oftmals sind Sicherheitsaspekte Ursache des Mangels an Spiel und Bewegung von Kindern. »In Brasilien verschanzen sich die Menschen in ihren abgesicherten Wohneinheiten, am Stadtrand, in den Armenvierteln, regiert das organisierte Verbrechen, bei den Familien dominiert die Angst«, so Beat Wehrle, terre des hommes-Projektkoordinator für Lateinamerika. »Für Kinder in den städtischen Armenvierteln bedeutet der Wunsch zu spielen die Gefährdung der eigenen Gesundheit oder sogar ihres Lebens. Ihre Spielplätze sind Müllhalden, der Rand stark befahrener und luftverpesteter Straßen, Abwassergräben oder abbruchreife Gebäude«.

Auch in Deutschland verlagern sich aufgrund von Verkehrsdichte und Bauboom vielerorts Spiel und Freizeit zunehmend nach drinnen und werden oft unter pädagogischer Aufsicht angeboten. Öffentliche Spielorte wie Wälder werden knapper, kommunale Spielplätze werden zurückgebaut, städtische Grünflächen schrumpfen. Der restriktive Umgang mit dem öffentlichen Raum geht zu Lasten naturnaher Flächen, in denen Kinder selbstbestimmt toben und entdecken könnten. Um hier umzusteuern, müssen in den Budgets von Ländern und Kommunen dringend mehr Mittel für sichere Spielflächen für Jungen und Mädchen jeglicher sozialen Herkunft bereitgestellt werden.

»Angesichts der UN-Prognose, dass bis 2050 mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben wird und in vielen Ländern des Südens etwa die Hälfte der Bewohner jünger als 18 Jahre alt sein werden, muss dringend ein Umdenken stattfinden«, so Jörg Angerstein. »Spielmöglichkeiten zu schaffen ist eine Investition ins das Humankapital einer Gesellschaft, denn Spielen macht Kinder stark für das Leben«.

terre des hommes setzt sich mit Partnerorganisationen in Deutschland und mehr als 20 Ländern weltweit für das Kinderrecht auf Spiel ein. Seit 1989 ist es in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben und nimmt damit alle Länder der Welt in die Pflicht.

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