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Die Corona-Krise trifft die Ärmsten

Die Ausbreitung des Corona-Virus trifft die ganze Welt. In fast allen Ländern hat sich der Alltag in wenigen Tagen drastisch verändert, Schulen sind geschlossen und die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben und sich und ihre Familien zu schützen. Doch viele Menschen haben kaum eine Chance: Obdachlose und Straßenkinder in Deutschland wie in anderen Ländern haben keinen Ort, an den sie sich zurückziehen können. Arme Menschen in den großen Städten der Welt leben in drangvoller Enge in Slums. Sie haben oft kaum genug sauberes Wasser zum Trinken, geschweige denn zum häufigen Händewaschen. Tagelöhner können keine Vorräte kaufen und sind unmittelbar von Hunger bedroht. In vielen Staaten ist das Gesundheitssystem nicht in der Lage, größere Zahlen von Kranken zu versorgen. »Wir müssen jetzt solidarisch handeln, für uns und für andere Menschen. Wir können die Pandemie nur stoppen und die Auswirkungen mildern, wenn auch die armen Menschen sich schützen können. Sie brauchen dringend unsere Hilfe«, sagte Birte Kötter, Vorstand Kommunikation von terre des hommes.

Unsere Partner helfen Kindern und ihren Familien, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu überleben. Sie informieren Kinder und Jugendliche über das Virus und erklären, wie sie sich schützen können. Sie versorgen mangelernährte und chronisch kranke Kinder mit den notwendigen Lebensmitteln und Medikamenten. Gemeinsam mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und Schutzzentren sorgen sie dafür, dass arme Menschen medizinisch versorgt werden.

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Hilfe in Afghanistan

In Afghanistan sind Schulen geschlossen und Versammlungen verboten. Viel mehr Schutz kann die Regierung den Menschen hier kaum bieten. Denn in dem kriegsgeplagten Land ist das Gesundheitssystem marode, es gibt viel zu wenig Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitsstationen. Für das ganze Land stehen lediglich vier Beatmungsgeräte in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Kabul zur Verfügung. Besonders schwierig ist die Situation in der Provinz Herat an der Grenze zum Iran: In den letzten Monaten sind 64.000 Afghaninnen und Afghanen aus dem Exil im Iran zurückgekehrt – niemand weiß, wie viele von ihnen mit dem Corona-Virus infiziert waren. Der Iran ist weltweit eines der am stärksten betroffenen Länder. »An den Grenzen wurde nicht getestet«, berichtet der terre des hommes-Projektpartner Pater Stan. Die Rückkehrinnen und Rückkehrer aus dem Iran leben in Flüchtlingscamps und den Armenvierteln der Stadt Herat, in drangvoller Enge, häufig ohne Wasseranschlüsse und Strom.

terre des hommes sorgt jetzt in Herat dafür, dass Familien informiert werden und sich schützen können: Pater Stan und seine Hilfsorganisation, der Jesuit Relief Service, schult 3.500 Jugendliche und informiert sie darüber, wie sie sich selbst und andere schützen können. »Wir fahren mit Lautsprechern durch die Orte und erklären den Menschen, wie gefährlich die Corona-Pandemie ist. Die Jugendlichen helfen uns und erklären den Leuten in ihren Stadtvierteln, dass wir alle Abstand halten und die Hände waschen müssen«, berichtet Pater Stan. Auch die Frauenorganisation WASSA (Women Activities and Social Services) ist aktiv: Die Mitarbeiterinnen verteilen Hygiene-Kits an 20.000 Menschen, vor allem an Frauen, die mit ihren Kindern auf sich allein gestellt sind, weil die Männer im Krieg gefallen sind. Weil die meisten Frauen nicht lesen können, gehen die Mitarbeiterinnen ebenfalls mit Megafonen durch die Stadtviertel.

Beide Projektpartner stimmen sich mit den örtlichen Gesundheitsbehörden ab und planen gemeinsam weitere Hilfsmaßnahmen. Inzwischen hat die afghanische Regierung die Grenzen zum Iran und zu Pakistan geschlossen. »Das könnte gegen die Verbreitung des Virus helfen«, sagt Pater Stan. Allerdings verschärft die Grenzschließung die Versorgung mit Lebensmitteln: »In wenigen Tagen werden die Menschen hier Hunger leiden. Denn die Lebensmittelpreise steigen. Hier sind fast alle arm. Niemand kann sich Vorräte anlegen, viele Tagelöhner verdienen schon jetzt kein Geld mehr.«

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Hilfe in Indien

terre des hommes-Partner in ganz Indien versorgen bedürftige Familien mit Lebensmitteln: Die Organisation YUVA verteilt in Mumbai Reis, Mehl, Öl und Linsen an 3.214 Haushalte mit insgesamt 13.800 Kindern und Erwachsenen. In Pune nutzt terre des hommes-Partner Mobile Creches Kindertagesstätten für die Ausgabe von Grundnahrungsmitteln: Wo sonst die Kinder von Bauarbeiterinnen spielen, während ihre Mütter auf den Baustellen arbeiten, geben freiwillige Helfer jetzt Brote und Reis an 1.900 Familien aus.

Die terre des hommes-Partner berichten, dass bereits heute Familien hungern: Bauarbeiter, Straßenverkäufer, Müllsammler und Hausangestellte leben von der Hand in den Mund. Als Folge der Corona-Pandemie verdienen sie jetzt nichts und können keine Lebensmittel mehr kaufen. Auch die staatlichen Hilfsprogramme sind eingestellt: Bisher haben Kinder aus armen Familien in öffentlichen Kindergärten und Schulen täglich eine kostenlose Mahlzeit bekommen. Diese Mahlzeiten fallen jetzt weg, da alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen sind. terre des hommes hat gemeinsam mit anderen internationalen Hilfsorganisationen dringend an den indischen Ministerpräsidenten Modi appelliert, die Verteilung von kostenlosen Mahlzeiten für diese Kinder sicherzustellen und für arme Familien umgehend Lebensmittelrationen auszugeben.

Dringend appelliert der terre des hommes-Partner in der indischen Textilhochburg Tamil Nadu an die lokalen Unternehmen und die Regierung: Hunderttausende Textilarbeiterinnen haben dort aufgrund der Corona-Pandemie nicht nur ihren Job verloren, sondern auch ihre Unterkünfte in fabrikeigenen Hostels. Da Zug- und Busverkehr eingestellt sind, können sie nicht in ihre oft weit entfernten Heimatorte fahren. Viele sitzen buchstäblich auf der Straße, andere versuchen, zu Fuß nach Hause zu kommen, oft über viele hundert Kilometer. Das Tirupur Peoples Forum, das Netzwerk der örtlichen Menschenrechtsorganisationen, fordert, dass ausstehende Löhne ausgezahlt sowie Unterkünfte und Busse bereitgestellt werden. 

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Hilfe für Südafrika

In der südafrikanischen Stadt Port Elizabeth hat der terre des hommes-Projektpartner Ubuntu seine alltägliche Arbeit einstellen müssen, denn auch in Südafrika herrscht Ausgangssperre. Seit Jahren engagiert sich Ubuntu dafür, dass HIV-positive Kinder in den Elendsvierteln der Stadt gut versorgt sind und am Leben teilnehmen können. Jetzt geht es darum, diese Kinder und ihre Familien vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen. Denn wenn immungeschwächte Kinder sich mit dem Virus infizieren, können sie sehr schwer erkranken. Damit Kinder und ihre Familien zu Hause bleiben können und die Gefahr einer Ansteckung minimieren, versorgen Ubuntu-Mitarbeiterinnen 2.000 Kinder mit Lebensmitteln, Seife, Desinfektionsmitteln und den notwendigen Medikamenten.

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Hilfe in Deutschland

In Deutschland engagiert sich terre des hommes für obdachlose Jugendliche und für geflüchtete Kinder. In Berlin versorgen die terre des hommes-Projektpartner Fixpunkt und Karuna obdachlose Jugendliche: Die Streetworker suchen die Jugendlichen an ihren Treffpunkten auf und informieren über das Virus und Möglichkeiten, sich und andere zu schützen. Die Streetworker von Fixpunkt haben im Görlitzer Park mobile Händewaschstationen aufgebaut – einfache 30 Liter Plastikkanister mit Wasser, dazu Seife und Papierhandtücher. Am »Beratungsmobil« kleben Informationen über Schutzmaßnahmen und Hygiene in mehreren Sprachen. Das Team verteilt Getränke und Lunchpakete und betreut per Handy Jugendliche, die ärztliche Hilfe brauchen. Während sonst die Spaziergänger Abstand halten, werden die Streetworker jetzt auch von ihnen nach Masken und Desinfektionsmitteln gefragt. »Haben wir nicht. Aber Hände waschen darf sich bei uns jeder«, sagt Ralf Köhnlein von Fixpunkt.

Auch terre des hommes-Projektpartner Karuna gibt Essen aus, täglich für fast 250 Menschen am Boxhagener Platz. Beide Organisationen versuchen, obdachlose und drogenabhängige Jugendliche in Einrichtungen und Hotels unterzubringen. »Alles sehr schwierig gerade«, sagt Jörg Richert, Geschäftsführer von Karuna. »Tausende Menschen sind ohne Versorgung auf der Straße, darunter viele Jugendliche. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen.« Karuna fordert, obdachlose Jugendliche und Erwachsene jetzt in Hotels unterzubringen, damit sie geschützt sind.

In Hamburg betreut der terre des hommes-Projektpartner Ankerland schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche zurzeit per Telefon. Vor der Corona-Krise suchten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ankerland Kinder und Jugendliche zu Hause auf: Da dieses Zuhause für die meisten Kinder Heime oder Pflegeeinrichtungen sind, sind Besuche zurzeit nicht möglich. »Kinder, die unter Traumata leiden, sind häufig sehr verängstigt. Umso wichtiger ist es, dass sie mit ihren Betreuerinnen sprechen können, die sie gut kennen«, sagte Birgit Dittrich, die das Deutschlandprogramm von terre des hommes leitet.

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Hilfe im Irak

»Danke, dass ihr nach uns fragt! Danke!«, sagt Hameed. Er lebt mit seiner Frau, fünf Kindern und drei Enkeln im Flüchtlingslager Berseve II in der autonomen Region Kurdistan im Irak. Die Familie gehört der religiösen Minderheit der Yesiden an und musste 2014 vor dem IS fliehen. Die terre des hommes-Partnerorganisation FWE (»Friends of Waldorf Education«) betreut traumatisierte Kinder. Im Moment kann sie nur telefonisch Kontakt zu Hameed und anderen Familien halten. Denn es herrscht seit dem 17. März Ausgangssperre und auch humanitäre Organisationen dürfen nicht in die Flüchtlingslager.

In Berseve II haben Regierungsmitarbeiter für jede Familie ein Paket mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln gebracht: »Ein Karton, darin sind ein Kilo Reis, zwei Kilo Zucker, Öl, etwas Tee und Salz. Wir wissen nicht, wann wir das nächste Mal so einen Karton bekommen«, berichtet Hameed. Er macht sich große Sorgen um die Gesundheit im Camp. »Wir haben noch keinen Corona-Fall hier, aber viele von uns sind sowieso angeschlagen. Vor allem die Kinder und die Frauen. Wir haben keinen Arzt und dürfen das Camp nicht verlassen. Was soll werden?«

In den Städten Erbil, Dohuk und Sulaimaniya und in den 38 Flüchtlingscamps der Region leben mehr als eine Million Menschen, die vor dem IS oder dem Krieg in Syrien geflohen sind. »Sie haben Schreckliches erlebt, die Ausgangssperre und die Angst vor dem Corona-Virus ängstigt sie deshalb enorm, die innere Anspannung ist sehr, sehr groß«, sagt Bryar Baag, der Leiter der terre des hommes-Partnerorganisation Green Desert.

Er betreut mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern traumatisierte Kinder. »Wir halten telefonisch Kontakt, so gut es eben geht. Das ist sehr wichtig für die Menschen, so haben sie wenigstens eine vertraute Ansprechperson.« Green Desert hat zudem Informationen über das Corona-Virus entwickelt, sie werden per Handy, YouTube und über Fernsehsender verbreitet. Solche Aufklärung ist notwendig, denn Gerüchte sind im Umlauf, gestreut etwa von einflussreichen Geistlichen, die Homosexuelle für die Verbreitung von Corona verantwortlich machen. »Es gibt sehr viel Unsicherheit und Verwirrung. Wir tragen mit sachlichen und verständlichen Informationen dazu bei, dass die Leute verstehen, was gerade passiert und sich vor Corona schützen

Baag und terre des hommes fordern solchen Schutz auch für 80 Kinder und Jugendliche, die in der Jugendstrafanstalt in Erbil einsitzen. Das Gefängnis ist überfüllt, medizinische Betreuung nicht vorhanden. »terre des hommes fordert im Irak und anderen Ländern die Freilassung von Kindern und Jugendlichen, die kleinere Delikte begangen haben oder nur noch eine kurze Haftzeit haben. Sie sollten jetzt zu ihren Familien zurückgebracht werden. Wenn Corona in den Gefängnissen ausbricht, sind sie in Lebensgefahr«, sagte Barbara Küppers, Kinderrechtsexpertin von terre des hommes.

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Hilfe in Kolumbien

In Kolumbien leben über 1,4 Millionen Flüchtlinge aus Venezuela. Die meisten erwirtschaften ihr täglich Brot im informellen Sektor - zum Beispiel im Straßenhandel, im Bauwesen oder als Haushaltshilfe. Seit Corona und der darauf folgenden Ausgangssperre haben sie kein Einkommen mehr. Da viele nicht registriert sind, bekommen sie auch keine staatliche Unterstützung.

Die Basisorganisationen Creciendo Unidos und SEDEN, die seit vielen Jahren mit terre des hommes zusammenarbeiten, haben schnell auf die Notlage reagiert und verteilen nun in der Hauptstadt Bogotá und in Cucutá, der Grenzstadt zu Venezuela, an 315 Flüchtlingsfamilien und kolumbianische Familien, die durch Corona und Ausgangssperre nun kein Einkommen mehr haben, Pakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln. Einige Familien bekommen auch Fieberthermometer und Blutdruckmessgeräte. Außerdem wird versucht, der durch die Isolation steigenden Gefahr von Missbrauch und häuslicher Gewalt entgegenzuwirken, indem gefährdete Familien psychologisch begleitet werden.

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