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Südafrika: Die sozialen Folgen von Corona

»Ich kann nicht mit meinen Freunden spielen, ich kann meine Freunde nicht umarmen«, sagt die neunjährige Sha. Wie ihr geht es allen Kindern in Südafrika. Fünf Monate dauerte der landesweite Lockdown, mit dem die Regierung die Ausbreitung des Corona-Virus in den Griff zu bekommen versuchte. Seit Mitte August gibt es nun erste Lockerungen, doch von einer Normalität ist das Land noch weit entfernt.

Besonders schwer ist die Situation für benachteiligte Gruppen wie Flüchtlinge, Tagelöhner und arme Menschen, die bereits vor Corona am Rand der Gesellschaft standen. Viele Familien haben in den vergangenen Monaten kein Einkommen erzielt. Ohne Zugang zum formellen Arbeitsmarkt wissen sie oft nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. »Es ist sehr schwer, weil mein Mann seit dem Lockdown seine Arbeit verloren hat. Wir haben kein Geld für die Miete, manchmal geht uns das Essen aus und wir können unsere Kinder nicht ernähren«, klagt eine Mutter, die regelmäßig in das terre des hommes-Projekt »Three2Six« in Johannesburg kam. Das Projekt war eine Anlaufstelle für die zumeist kongolesischen, äthiopischen oder simbabwischen Flüchtlinge, doch es ist seit Monaten geschlossen.

Es fehlen drei Monate Unterricht

Auch für die Kinder, die normalerweise in das Projekt kommen, ist die Situation gravierend. Viele Flüchtlingskinder benötigen dringend Nachhilfe, die in dem Projekt angeboten wurde, damit sie eine Regelschule besuchen können. Diese Unterstützung leisten oft Initiativen wie »Three2Six«. Sind diese geschlossen, haben die Flüchtlingskinder kaum eine Möglichkeit, den Anschluss an das Curriculum zu schaffen. Zwar ist die Three2Six-Schule seit Juni wieder geöffnet, doch den Kindern fehlen drei Monate Unterricht. Es ist zu erwarten, dass viele in ihrer schulischen Entwicklung weit zurückgeworfen werden. Daher hat Three2Six den Unterricht auf den bisher schulfreien Samstag ausgeweitet, so dass die Kinder den verlorenen Stoff nachholen können.

Das gleiche gilt für die Ernährung: Die Kinder erhalten im Projekt neben Betreuung und Nachhilfe auch ein warmes Essen. Für viele Mädchen und Jungen ist das die einzige Mahlzeit des Tages. Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie hatte sich die Versorgung vieler Kinder und Jugendlichen dramatisch verschlechtert. Three2Six wie auch viele andere terre des hommes-Projekte setzten in den vergangenen Monaten ihre reguläre Arbeit aus und kümmerten sich vor allem darum, besonders bedürftige Familien mit Lebensmittelpaketen zu versorgen, so dass die größte Not gelindert werden konnte.

Psychische Leiden nehmen zu

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der psychologischen Betreuung von Flüchtlingsfamilien. Zum Beispiel im Johannesburger Stadtteil Sophiatown, wo viele Flüchtlinge Schutz gefunden haben. Oft haben sie Vertreibung, Krieg und Gewalt erlebt. terre des hommes unterstützt die Menschen dabei, das Erlebte zu verarbeiten und sich in der neuen Heimat eine Existenz aufzubauen. Doch die mühsam aufgebaute Stabilität ist durch die Corona-Pandemie massiv bedroht. Ein Leben in der Enge kann viele therapeutische Prozesse, die erfolgreich auf den Weg gebracht wurden, wieder zunichtemachen. Eine Sozialarbeiterin des terre des hommes-Partners SCPS (Sophiatown Community Physocological Services) berichtet, wie es ihren Klienten geht: »Eine Frau, die bei uns in der Betreuung ist, hat ihr letztes Geld für die Miete ausgegeben, so dass sie jetzt nichts mehr zu essen hat. Wenn ich sie anrufe, ist sie hilflos und weint die ganze Zeit. Eine andere Klientin hat vier Kinder. Sie haben nicht genug zu essen, nur Maniokwurzeln. Die Kinder verbringen die meiste Zeit mit Schlafen, und durch den Hunger haben sie stark abgenommen.« Insgesamt verzeichnet SCPS eine Zunahme von psychischen Problemen. Insbesondere die Fälle von Depressionen und Angstzuständen sind deutlich angestiegen, ebenso körperliche Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen. Seit der Krise konzentriert sich SCPS deswegen in seiner therapeutischen Arbeit darauf, den Familien grundlegende Strategien zu vermitteln, mit denen sie ihre Widerstandsfähigkeit stärken und die Situation überstehen können.

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27.08.2020

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