Detlef und Johanna Kaross (beide 70), ehemaliger Elektroingenieur und Krankengymnastin aus Erkrath, engagieren sich in der überregionalen Themen-Arbeitsgruppe »Flüchtlingskinder« von terre des hommes

Seit vielen Jahren unterstützen wir die Arbeit von terre des hommes durch Spenden. Als wir vor vier Jahren in den Ruhestand gingen, wollten wir auch aktiv mitarbeiten. Im März 2014 war die überregionalen Themen-Arbeitsgruppe (ÜTAG) Flüchtlingskinder gerade im Aufbau. Das traf sich gut, das Thema interessierte uns.

Schnell stellten wir fest, dass uns die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht ausreicht. Ein Verein für Flüchtlingshilfe in Erkrath vermittelte uns eine Familie mit vier Kindern aus dem Kosovo, die wir als ehrenamtliche Paten betreuten. Hautnah haben wir erlebt, wie es Flüchtlingskindern in Deutschland ergeht und welche Unterstützung sie brauchen, um sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Wir konnten sehen, wie engagiert ihre Lehrer sich bemühen, den Kindern eine angemessene Bildung zu vermitteln. Wir haben »unseren« Kindern bei den Hausaufgaben geholfen und den aktuellen Unterrichtsstoff wiederholt.

Es ist schön zu sehen, wie die Hilfe wirkt

Es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass die Hilfe etwas bewirkt: Durch die Nachhilfe verbesserten sich die Schulleistungen der Kinder. Die Mutter besuchte einen Alphabetisierungs- und Deutschkurs, der ihr auch Selbstvertrauen gab. Der Sohn war sehr labil. Deshalb bemühten wir uns sehr, ihn aufzufangen. Wir passten auf, dass er nicht vom Weg abkommt, in der Schule aufgibt und sich mit falschen Freunden verbündet. Darüber waren wir sehr eng im Gespräch mit seinen Lehrern. Unser Ziel war es, jedem Familienmitglied zu ermöglichen, hier endlich ein Leben beginnen zu können.

Die guten Fortschritte, die wir bei der Integration der Familie in der relativ kurzen Zeit von vier Monaten erleben und auch mitgestalten konnten, waren ein sehr positives Erlebnis für uns. Umso mehr sind wir betroffen, dass das Asylgesuch der Familie abgelehnt und die ganze Familie vor Kurzem in den Kosovo abgeschoben wurde. Dort leben sie jetzt ohne eigene Einkünfte oder Sozialhilfe, ohne kostenlose Medikamentenversorgung für den schwerkranken Familienvater. Untergekommen sind sie bei den Großeltern, mit vier Erwachsenen und vier Kindern in einer Dreizimmer-Wohnung!

Beweggründe unseres Engagements

Johanna Kaross
Wir unterstützen Flüchtlingskinder, weil sie die geringste Lobby haben. Sie brauchen jemanden, der sie auffängt. Jemanden, der ihnen den Weg in Kita, Schule oder Sportgruppen zeigt, wo sie Anschluss finden können. Ihre Eltern können es häufig nicht leisten, weil sie selbst fremd sind, die Sprache noch weniger verstehen als ihre Kinder und oftmals belastet oder traumatisiert sind.

Detlef Kaross
Meine Motivation ist politischer Natur. Denn es ist deutlich, dass es keine einfachen und schnellen Lösungen für das Flüchtlingsthema gibt. Vielmehr müssen wir gemeinsam nach Lösungen suchen, die unseren humanitären Grundsätzen genügen. Einfach die Grenzen zu schließen und Flüchtlinge vermehrt abzuschieben, ist der falsche Weg. Denn hinter jeder Zahl, hinter jedem Flüchtling verbirgt sich ein Mensch mit seinem Schicksal. Das haben wir selbst erlebt.

Ich bin entsetzt über die unmenschliche Durchsetzung der Abschiebung nach dem Abschluss des Asylverfahrens. Insbesondere der besondere Schutz des Kindeswohls wird in der Praxis eklatant verletzt!

Ich hoffe, dass unsere Unterstützung dazu beitragen konnte, dass die Familienmitglieder eher in der Lage sind, sich in ihrem Heimatland eine Zukunft aufzubauen. Trotz dieser desillusionierenden und deprimierenden Erfahrung: Ich würde mich immer wieder für eine Familie engagieren, die eine schlechte Bleibeperspektive in Deutschland hat. Denn was wir den Menschen jetzt geben, beispielsweise in Form von Unterstützung bei der Schulausbildung, das kann ihnen auch helfen, sich nach ihrer Abschiebung im Heimatland eine Zukunft aufzubauen.

Wir müssen es nur wollen

Durch unser Engagement möchten wir dafür sorgen, dass die Welt besser wird. Das kann nur funktionieren, wenn man sich mit den Problemen auseinandersetzt und mit gutem Beispiel vorangeht. Die humanitären Grundsätze unserer Gesellschaft, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg erkämpft haben, dürfen nicht in Frage gestellt werden.

Wir erleben hier in Erkrath ein unglaubliches Engagement von vielen Ehrenamtlichen, aber auch von Vertretern von Institutionen wie Schule oder Sozialamt. Jeder gibt sein Bestes, leistet mehr als Dienst nach Vorschrift und versucht, jeden einzelnen Flüchtling zu unterstützen und seine Lage ein wenig zu verbessern. Hier in Erkrath fürchten wir uns nicht vor denen, die noch kommen. Denn wir leben schon seit 30 Jahren mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur zusammen.

Allen Zweiflern und Verunsicherten sei gesagt, dass die deutsche Gesellschaft bei Weitem nicht am Ende ihrer Möglichkeiten zur Aufnahme von Menschen ist, die unsere Hilfe benötigen. Wir müssen es nur wollen.

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